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Dunkelheit oder Leere im frühen Mittelalter?

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Konstantin VII.

BenutzerBeitrag

08:16
5. Juni 2007


jb

Member

Beiträge 477

Ulrich Voigt:

ich stelle mir vor, dass ganz anders über die Begründung nachgedacht wird und über involvierte Nebenbedingungen.
Diese “Porphyrogenetos-hat-sich-alles-ausgedacht”- These wird in ein paar Zeilen hingeworfen und “gut is”.
Ich finde überhaupt nicht, dass dies der traditionellen historischen Wissenschaft nahekommt.

Sie haben sich aber offensichtlich weder Theophanes selbst mal angeschaut noch etwa Weißgerbers Ungarnbuch gelesen. Es ist doch nicht so, dass die Konstantin-These bei uns eine statische und nicht weiter erforschte Größe wäre. Von mir wurde sie zum Beispiel längere Zeit in Frage gestellt.

Und dann: Wer sonst könnte der Täter gewesen sein? Es spricht doch viel mehr für eine zeitnahe Erfindung der FZ als für Scaliger/Petavius – oder auch für Hunniváris Innozenz.

02:13
17. August 2007


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Braucht es denn unbedingt aktive "Täter", oder reichen nicht zufällige "Nutznießer" aus? Nach "Völkerwanderung" (was immer das auch war) sowie (laut FZT ja zeitnah bis identisch) Araber/Sarazenen-, Ungarn- und Wikinger-Einfällen herrschte ziemliches Chaos in ganz Europa vom Norden bis zum Mittelmeerraum und weit darüber hinaus. Nachdem hier allem Anschein nach sogar neuzeitliche Historiker den Durchblick verloren haben, wie kann man dann annehmen, dass die Historiker des 10. bis 12. Jahrhunderts diesen behalten hätten. Sie haben das wenige, was original übriggeblieben ist, gesichtet, zusammengestellt und Fehlendes "dazu erfunden", sicher nutzbringend für die Herrschenden, aber nicht notwendigerweise absichtlich, sondern lediglich absichtlicherweise notwendig! Nachdem es sogar noch in unseren Zeiten 18 Jahre dauert, bis ein "Schießbefehl" auftaucht, kann man für das Mittelalter durchaus einen längeren Zeitraum annehmen, doch dass man bislang überhaupt keinen "Schreibbefehl" finden konnte, das kritisieren die Gegner der FZT zurecht. Irgendeine ehrliche Mönchshaut hätte doch in irgendeinem Buchdeckel seinem Wahrheitsbedürfnis für die Nachwelt Ausdruck verleihen müssen, außer es hat tatsächlich keinen Schreibbefehl gegeben, sondern das, was Mediävisten, Archäologen, Historiker, ja sogar historische Hilfswissenschaftler (z.B. C 14-Datierer) allem Anschein nach ja bis heute machen: ohne ihre eigenen sowie anderweitige Grundlagen immer wieder zu überprüfen, Mosaiksteine zusammenzubauen und als einzige Passmöglichkeit darzustellen, unbeschadet der Widersprüche, Lücken und Einzwängungen. Und was nicht passen will, wird aussortiert oder selbst gefälscht.

20:46
9. Juli 2012


Basileus

Member

Beiträge 50

Die gesamte Makedonische Dynastie mitsamt der "Makedonischen Renaissance" sieht sehr konstruiert aus. Inhaltlich liegt offensichtlich die Verdopplung nur eines Stoffes vor, ein wenig variiert und um ein paar Kaiser mit Namen Michael angereichert. ("http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_byzantinischen_Kaiser")

Es geht um die 190 Jahre von 867 bis 1056. Das sind 2 x 95 Jahre = 2 Osterzyklen. Unoriginell ist, daß die Verdopplung genau in der Mitte stattfindet, nach 95 Jahren (963).

Direkt vor diesem Zeitraum sowie direkt danach regieren jeweils eine Kaiserin/Regentin mit Namen Theodora und ein ihr folgender Kaiser Michael (Theodora II. => Michael III. sowie Theodora III. => Michael VI.).

 

1)

Erster Kaiser ist 867 Basileios I. Basileios II. beginnt dann 963 seine Herrschaft. Basileios I. soll seine Kindheit in Gefangenschaft in Bulgarien verbracht haben, und Basileios II. wird zum "Bulgarentöter" und macht Bulgarien wieder zu einem Teil des Byzantinischen Reiches.

Sowohl Basileios I. als auch der II. hatten einen Mitkaiser mit Namen Konstantin. Beim I. war es sein Sohn, der ansonsten farblos blieb. Beim II. ist es Konstantin VIII.

Auch ein Nikephoras Phokas regierte bei beiden mit. Bei Basileios I. war er General und Caesar und der Vater von Nikephoros II. Phokas, dem Mitkaiser von Basileios II., auch ein General.

Bevor die Konstantine VII. und VIII. Porphyrogennetos ihre Alleinherrschaft antreten können, folgen jeweils noch zwei Kaiser (Alexander und Leo VI. sowie Nikephoros II. und Johannes I.).

Beide Konstantine haben einen "Rivalen", der sie lange Zeit vom Regieren abhält, obwohl sie bereits Mitkaiser waren. Der eine ist Romanos I., der andere Basileos II. – auch eine sehr unoriginelle Namenswahl.

Da die beiden Konstantine sehr lange von der Machtausübung ausgschlossen waren, lernten sie diese nie richtig und beschäftigten sich vornehmlich mit anderen Sachen: Der eine schreibt Bücher (die aber erst als Kopien frühestens vom Ende des 11. Jh. überliefert sind), der andere gibt sich dem Vergnügen hin.

Beide Konstantine hatten Töchter mit Namen Zoe und Theodora. Die Zoe vom VII. geht ins Kloster, und vom VIII. ist es die Theodora, die ins Kloster geht.

Beiden Konstantinen folgt ein Kaiser "Romanus", der II. und der III. Dann ist Schluß beim ersten Teil (963).

Nach Romanus III. (1034) sind 168 Jahre (= 2 x 84, römischer Osterzyklus) nach dem Anfang 867 um. Danach wird das Spielchen mit Theodora und Michael mit einer Kaiserin mit Namen Zoe variiert. Zoe (die Tochter von Konstantin VIII., die Romanus III. heiratet und ihn ermorden läßt) macht Michael V. zum Kaiser. Der stirbt aber bald, und so macht die Zoe den nächsten Michael zum Kaiser, diesmal ihren Adoptivsohn. Der wird aber bald abgesetzt. Der dritte, den die Zoe zum Kaiser macht, ist dann Konstantin IX. Monomachos. Nach diesem wird dann die andere Tochter von Konstantin VIII., Theodora, Kaiserin (sie war dies schon einmal 1042 zusammen mit ihrer Schwester Zoe) und beendet die Makedonische Dynastie, indem sie einen dynastiefremden Michael, den VI. als Nachfolger bestimmt.

Auf jeden Fall sind Mitte des 11. Jh. die slawischen Reiche südlich von Ungarn wieder von der Landkarte verschwunden (die Auferstehung ist dann um 1200) und das Byzantinische Reich auf dem Balkan in den Grenzen von Kaiser Justinian I. (500 Jahre zuvor) wiederhergestellt. Und wie hieß dessen Ehefrau ? Auch Theodora, die I. Und mit dem Erzengel Michael hatte es der Justinian ja bekanntlich … Das ist originell !

 

2)

Basileios I. (867-886) ist auch als "Justinian II." überliefert. Seine 60 Bücher umfassende Gesetzessammlung stellt weitgehend die griechische Version des Codex Justinianus und der Digesten dar, die laut offizieller Geschichte zuerst auf Latein verfaßt worden sein sollen (aber im Westen erst Ende des 11. Jh. "wiedergefunden" wurden). Damit ist auch klar, wie die Münzen des Justinian II. (685–695 und 705–711) einzuordnen sind. Sie stammen von ein und demselben Kaiser. Justinian II. war der letzte Kaiser der ursprünglich aus Armenien stammenden Herakleischen Dynastie, und Basileios I. ist der erste Kaiser der ebenfalls ursprünglich aus Armenien stammenden Makedonischen Dynastie.

Eine Münze von Justinian II.: "http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e2/Solidus-Justinian_II-Christ_b-sb1413.jpg"

und eine von Basilios I.: "http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/66/Solidus-Basil_I_with_Constantine_and_Eudoxia-sb1703.jpg"

und eine von Nikephoros II. Phokas mit Basilios II.:"http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Histamenon_nomisma-Nicephorus_II_and_Basil_II-sb1776.jpg"

Passenderweise waren sowohl Justinian II. als auch Basileios I. mit einer Frau namens Eudokia verheiratet. Sowohl die Eudokia vom Basileios als auch die vom Justinian starben vor diesen. Über die Frau von Justinian II. ist aber nichts weiter überliefert, so daß keine weiteren Vergleiche möglich sind.

Justinian I. nachahmend begann Basileios I. auch ein umfangreiches Bauprogramm in Konstantinopel. Dasselbe wird von Justinian II. berichtet. Dieser hatte dann auch noch eine zweite Frau namens Theodora wie Justinian I.

Sowohl nach Justinian II. als auch nach Basileios I. folgt ein Kaiser Leo (695-698 bzw. 886-912). Originellerweise folgt Justinian II. nach seiner zweiten Amtsperiode von 705-711 ein Kaiser mit Namen Philipp (711-713), und dem Leo nach dem Basileios folgt ein Alexander (912-913) ! Diese liegen dann auch genau 200 Jahre auseinander.

 

3)

Beide Ergebnisse zusammengefaßt sehen wir, daß von der Thronbesteigung Justinians II. bis zum Beginn des zweiten 95-Jahres-Blocks der Makedonischen Dynastie 278 Jahre vergehen (685 => 963). Dies sind 19 Jahre (Metonzyklus) weniger als 297. 20 Jahre vergehen auch vom Beginn der ersten Amtsperiode von Justinian II. 685 bis zum Beginn der zweiten 705 (Unterbrechung 695-705). 297 Jahre nach 685 sind im Jahre 982 um. Zu diesem Zeitpunkt sind Nikephoros II. Phokas und Johannes I. bereits verstorben und Basileios II. praktisch Alleinherrscher.

Innerhalb dieses Zeitraums sind die Münzen praktisch nicht unterscheidbar. Laut offizieller Geschichte war es ein z.B. kein Problem, Münzen aus dem 7. Jh. mit Christusabbildungen zu haben (Justinian II.), die dann erst über zwei Jahrhunderte später wieder kontinuierlich auftauchten. Mit einer Umdatierung dieses Justinian II. in eine spätere Zeit ist diese Unstimmigkeit gelöst. Andere Unterschiede bei den Münzmotiven sind geringfügiger.

 

P.S.:

Ich habe inzwischen auch das "wohlstrukturierte Mittelalter" des Byzantinischen Reiches bis ins Jahr 1204/1261 analysiert. Meine Beschreibung desselben inclusive eines dadurch erforderlichen neuen Modells findet man hier:

"http://de.geschichte-chronologie.de/index.php?option=com_content&view=article&id=126:die-entschluesselung-des-konstantinopel-codes&catid=30:2008-11-15-18-07-26&Itemid=116#yvComment126"

unter

Das wohlstrukturierte Mittelalter des Byzantinischen Reiches, und

Die endgültige Rekonstruktion – ein Modell



 
"Alles, was sich bloß der Erinnerung verdankt, hat prinzipiell als falsch zu gelten." [Johannes Fried, Schleier der Erinnerung, S. 48]