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Der frühe Islam – Materialien

BenutzerBeitrag

12:23
6. April 2008


mz

Member

Beiträge 47

Materialien Teil 1 – Einleitung (Stand: 14. April 2008)
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Thesen

1. Die Ursprünge des Islam sind nicht im Hidschas (Mekka, Medina) zu suchen, sondern im Iran.

2. Der Islam ist aus einem vornizenischen, nicht-trinitarischen Christentum hervorgegangen, das deportierte Aramäer/Araber in der Diaspora im Iran bewahrt haben, wo sie von der politisch-theologischen Entwicklung in ihren Herkunftsgebieten abgeschnitten waren.

3. Der epigrafische Befund (Inschriften, Münzen, Bullen) widerspricht der traditionellen Historiografie über die ersten zwei Jahrhunderte des Islam.

4. Die Chronologie des frühen Islam ist real, soweit sie durch datierte Münzen dokumentiert ist, und beginnt in der Endphase des Sassanidenreiches. Der archäologische Befund verbietet, den Beginn dieser Epoche früher als Heraclius und Chusro II. zu datieren.

Die arabische Ära

Die frühen „islamischen“ Münzen, korrekt arabo-byzantinische und arabo-sassanidische Münzen, tragen Jahreszahlen ohne Angabe einer Ära. Um welche Ära es sich handelt, zeigen Inschriften von Maavia/Mu'awiya.

In der griechischen Bauinschrift Maavias vom Jahr 42 bei den heißen Bädern von Gadara in Galiläa wird die Ära der arabischen Herrschaft bezeichnet als: „Ära nach den Arabern“ (KATA ARABA[S]). Als Zeitangabe nach der kaiserlichen Indiktion heißt es: „6. Jahr der Indiktion, 2. Wochentag, 5. Tag im Dezember". Dann wird das Jahr nach der Ära der Colonia angegeben: 726. Diese Angabe lässt sich überprüfen. Gadara gehört zur Dekapolis. Die Münzen von Gadara sind datiert. Ein Exemplar des ersten Jahres der römischen Besatzung (Pompejus, 64/63 v.u.Z.) mit der Jahresangabe 1 ist erhalten. Daraus folgt: das Jahr 42 der arabischen Ära ist 662/63 AD.

Da selbstverständlich auch in der arabischen Ära wie bei Römern und Persern nach Sonnenjahren gerechnet wird, entspricht das Jahr 1 der arabischen Ära dem Jahr 621/622. Varianten entstehen durch unterschiedliche Jahresanfänge (Frühjahr/Herbst). Mit welchem weltbewegenden Ereignis beginnt die neue Epoche? Am 5. April 622 begann Kaiser Heraclius seinen Feldzug gegen die Perser, der zur Befreiung der christlichen Aramäer bzw. Araber (die Westlichen) von der persischen Unterdrückung führte. Nach dem großen Sieg Heraclius' im Dezember 627 in der Schlacht bei Ninive geht die Herrschaft im Westen des Reiches auf Heraclius über. Nach der Ermordung Chosraus II. 628 beginnt der innere Zerfall des Sassanidenreiches. Jetzt werden auch die nach Chorassan, Sakastan (Sistan) und andere Gebiete im Innern des Reiches deportierten Aramäer/Araber frei. Viele von ihnen haben ein vornizenisches nicht-trinitarisches Christentum bewahrt. Heraclius erkennt nach seinem Sieg, dass ein einheitliches Reich mit einer einheitlichen orthodoxen Auslegung des Christentums nicht mehr durchsetzbar ist. Er legt den Titel des Imperators/Autokrators ab und führt auf seinen Münzen seit dem Jahr 629 den Stellvertretertitel Basileios. Autokrator ist jetzt Christus als Weltenherrscher. Heraclius stirbt am 11. Februar 641, Jahr 20 der arabischen Ära. Jetzt sind die Araber auch nominell unabhängig und prägen eigene Münzen. Die spätere islamische Hagiografie setzt hier den Sieg der Araber über die Perser in der Schlacht von Nehawend ein.

Die vielen Münzen der ersten zwei bis zweieinhalb Jahrhunderte der arabischen Ära verbieten es, diese Epoche auf der Zeitachse zu verschieben. Wenn die Streichung von ca. drei Jahrhunderten im Westen richtig ist, dann gehen diese Münzen bis in das 12. Jahrhundert der christlichen Ära.

Die Amir al-muminin – keine Kalifen

Die Herrscher des arabischen Reiches sind anfangs nicht die Inhaber eines Kalifats. Bei der Nennung dieses Amtes in der tradionellen Historiographie handelt es sich um Rückprojektion aus späterer Zeit. Stattdessen tragen sie den Titel eines Amîr al-mu’minîn.

Maavia stellt sich in Gadara als MAAVIA AMIR AL-MOMININ vor. Dies entspricht der persischen Titulatur MAAVIA AMÎR-i WURROYISHNIGÂN, wie er z.B. auf einer arabo-sassanidischen Münze des Jahres 41 aus Darabjîrd angegeben ist (Inschrift in Pehlevi in aramäischer Schrift). Diesen Titel kann man mit „Befehlshaber der Sicherheitsbeauftragten“ übersetzen. Die spätere islamische Deutung „Beherrscher der Gläubigen“ ist hier anachronistisch. In einer späteren spanischen Chronik wird dieser Begriff mit „omnia prospere gerens“ wiedergegeben, was Martin Luther mit Landpfleger übersetzt hat. Das Amt des Amîr-i Wurroyishnigân ist traditionell in Darabjîrd (Fârs) verliehen worden.

Der Titel ist auf Münzen und in Inschriften mit folgenden Herrschern verbunden:

Mu’âwiya, Jahre 41-… (letzte Inschrift im J. 58)
’Abdallâh bn al-Zubair, Jahre 53-60 (Münzen ohne Titel bis J. 67)
’Abd al-Malik, Jahre 60-75
Qatarî bn Fudjâ’a, J. 76 (Schisma)
al-Walîd (Prägung ’Abd al-Maliks des J. 81 mit Bestellung zum Nachfolger)
Hischâm (Bauinschrift im J. 110)
’Uthmân bn al-Walîd (J. 127 auf Bleibulle)
’Abdallâh Marwân (J. 127 auf Bleibullen)

Wer war MHMD?

Das MHMD (muhammad) auf den Münzen der sogenannten Umaiyaden ist nach neuer Lesart als christologisches Prädikat zu verstehen: DER GELOBTE (= Auserwählte). Das ebenso häufige ‘abdallah bedeutet GOTTESKNECHT. Beides bezeichnet den Propheten ‘Isâ bn Maryam – als Menschen, nicht als Gottessohn.

Der spätere Araberherrscher ’Abd al-Malik hat im Innern des von ihm 693 erbauten Felsendoms in Jerusalem eine Inschrift anbringen lassen, die diese christliche Theologie programmatisch festhält (die sich auch im Koran findet). Dort heißt es zu Beginn eines gänzlich der Christologie gewidmeten Textes, nach einem Bekenntnis zu dem einen Gott ohne Teilhaber. Dies ist die Absage an die Vorstellung einer Gottessohnschaft Jesu, wie sie in der Hagia Sophia zu lesen ist.

„Gelobt/gepriesen (muhammad) sei der Knecht Gottes (‘abdallah) und sein Gesandter … Denn der Messias Jesus, Sohn der Maria, ist der Gesandte Gottes (rasûl(u)llâh) und sein Wort, das er der Maria eingegeben hat …“

Hierzu passen auch Münzen ’Abd al-Maliks, auf denen nach frommer Interpretation ein stehender Kalif abgebildet ist; tatsächlich handelt es sich um einen bärtigen Jesus in Analogie zum Münzbild Justinians II. Eine andere Münze, auf der ein stehender Kalif mit Schwert abgebildet sein soll, zeigt den apokalyptischen Messias mit dem Flammenschwert.

Als der Bezug auf Jesus unter seinen Nachfolgern nicht mehr genannt wird und die christlichen Symbole von den Münzen verschwinden, beginnt der Begriff Muhammad sich zu verselbstständigen. Man versteht nun:

„Muhammad, Sohn ’Abdallahs“

Johannes Damascenus (um 750) erwähnt bereits einen Pseudopropheten Ma(ch)med.

Quellen:
1) Aufsätze von Karl-Heinz Ohlig, Volker Popp und Christoph Luxenberg in der Zeitschrift imprimatur.
Online-Ausgabe: http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/mainframe.html
2) K.-H. Ohlig: Zur Entstehung und Frühgeschichte des Islam; in APuZ 26-27/2007
PDF hier als Download: http://www.bpb.de/publikationen/3VQG0D,,0,Islam.html

13:01
6. April 2008


mz

Member

Beiträge 47

Materialien Teil 2 – Excerpte (Stand: 8. April 2008)
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Hier finden sich Auszüge aus drei Aufsätzen in der kritisch-theologischen Zeitschrift imprimatur:

Wo lag Arabien im Verständnis der Spätantike?

Das Königreich der 'Arab in der 'Jazira’ („Halbinsel“) zwischen Euphrat und Tigris

Im 1. Jahrhundert war das Königreich der A‘raB nur eines der „arabischen“ Königreiche in Syrien und Nordmesopotaien. Der Herrscher nennt sich in Inschriften: mlk hdr (König von Hatra) und von A‘RaB. In der Sprache von Hatra bedeutet dies nur, dass er König von Hatra ist und zugleich der westlichen Gebiete (A‘RaB) bis hin nach Antiochien. A‘rabiya ist nichts anderes als eine von Aramäern und a‘rabi bewohnte Region. Deren Sprache wird auch im Koran erwähnt als lisan a’rabi mubin (laut R. Paret handelt es sich um deutliche arabische Sprache). Die Islamwissenschaft geht davon aus, dass es sich hier um Sprecher des Arabischen handelt. Ob die a‘rabi des Königreichs Hatra Arabisch sprachen, wissen wir nicht. A‘rabiya wurde zuerst als geographische Region in Mesopotamien bekannt. In späteren Jahrhunderten wird diese auf syrisch-aramäisch auch Beth Arabaye genannt. Dann erst werden ihre Bewohner auch Araber genannt, zuvor nannte man nur die Namen von Stämmen. So wurden, fälschlich, aus den tayye ma-hagraye muslimische Araber (P.Crone, Haggarism), obschon es im engeren Sinn nur um eine biblische Genealogie eines Stammes (die tayye, abstammend von der Hagar) ging.

Das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris wird von den Arabern als Jazira (Halbinsel) bezeichnet, wohl weil es wie eine Insel zwischen den beiden Flüssen lag. Das Reich von Hatra lag somit in einer Region, welche seine Bewohner A‘rabiya (Arabien) nannten, und diese war Teil der Jazira (Halbinsel), dem Land zwischen Euphrat und Tigris. A’rabiya hat also keineswegs etwas mit der Arabischen Halbinsel zu tun.

Zu den „arabischen“ Königsreichen in Syrien zählten des weiteren:
1. Das Königreich der Nabatäer. [...]
2. Das Gebiet von Emesa. [...]
3. Das Königreich von Edessa. [...]

Der Untergang Hatras und die Rolle der Deportationen der christlichen Bevölkerung Syriens ins Innere Irans

Im Jahr 241 wurde Hatra von dem Sassanidenherrscher Schapur I. erobert. Vom Beginn der Sassanidenherrschaft an war es gängige Praxis, Teile der (auch christlichen) Bevölkerung Syriens zu deportieren. Während der Vorstöße der Sassaniden ins Byzantinische Reich und während der Besetzung des byzantinischen Orients unter Chosroes II. im ersten Viertel des 7. Jahrhunderts wurde die Bevölkerung von Antiochien, Edessa und Jerusalem ins Innere deportiert. Diese Märsche nach Osten waren eine jahrhundertelang gängige Praxis. So wurden auch große Teile der Bevölkerung der A’rabiya, also Aramäer sowie auch Araber im heutigen Sinn, nach Osten deportiert. Deswegen kann es nicht verwundern, dass mit den Christen Syriens auch das syrische Christentum ins Innere des Perserreichs importiert wurde. Dieses Christentum – die Deportationen erfolgten seit 241 – war naturgemäß zuerst noch „vornizenisch“ (das Konzil von Nizäa fand 325 statt). [...]

Quelle: Volker Popp: Hatra, die geheimnisvoll „runde Stadt“; in imprimatur 2/2006

Historische oder symbolische Zahlen?

Der traditionellen Darstellung der arabischen Geschichtsschreiber zufolge war der Feldzug der Araber des Ostens unter dem „Abu Muslim“ im Jahr 132 der Hijra beendet. Es wurden aber weiterhin omaijadische Münzen in Nordafrika geprägt. Ein Dirham der Omaijaden aus Ifriqiya von 136 der Hijra befindet sich in der Bibliothèque Nationale, Paris (Lavoix, No. 573). Weitere Exemplare solch später Prägungen lassen sich im Handel nachweisen (Sotheby’s London, Auktion Coins, Medals etc. v. 2. Mai 2001, Lot No. 912 8 Dirham, Ifriqiya, 137 der Hijra).

Diese Prägungen der Omaijaden lassen die traditionelle Datierung des Endes der Dynastie im Wadi Futrus in einem anderen Licht erscheinen. Das zutreffende Datum 134 Hijra für das Ende der Omaijaden in Syrien und Palästina passte den arabischen Historikern nicht ins Konzept, denn es fügt sich nicht in die gleichsam kabbalistisch geprägte Abfolge magischer Zahlen, welche als Zahlengitter über die Darstellung der angeblich historischen Ereignisse gelegt wurden.

Hier nun ein kurzer Überblick über dieses magische Zahlenwerk:

Von der Hijra des Propheten bis zum Tod des vierten orthodoxen Kalifen verstreichen vierzig Jahre (vgl. die Zeit der Sinaiwanderung der Mosegruppe; vgl. das vierzigtägige Fasten Jesu). Der Prophet stirbt zehn Jahre nach seiner Hijra. Die Primzahl 11 kennzeichnet das Jahr, in dem der Nachfolger Abu Bakr sein Amt antritt. Er stirbt bei Erreichen der nächsten Primzahl. Die Bedeutung Abu Bakrs lässt sich an dem Primzahlpärchen festmachen, welches sein Wirken umgibt. Im Jahr 13 soll ebenfalls der große islamische Eroberer Khalid ibn al-Walid in Palästina eingetroffen sein. Bei Erreichen der Primzahl 23 stirbt Umar. Der dritte rechtgeleitete Kalif, Osman, darf 12 heilige Jahre mit der Sicherung der Koranüberlieferung verbringen, bevor er umgebracht wird. Im Jahr der Multiplikation der Zahl der Bücher Mosis mit der Zahl der Lichter der Menorah des Tempels tritt Ali die Nachfolge im Kalifat an. Nach Vollendung der 40-Jahre-Periode in der Wüste wird Ali hingemeuchelt und die Geschichte der Prophetennachfolge findet ihre Fortsetzung im Kulturland Syrien-Palästina mit dem Kalifat Mu’awiyas. Dorthin hat angeblich bereits der große islamische Eroberer Khalid ibn al-Walid die Muslime auf den Spuren Abrahams geführt, denn sein Zug führt ebenfalls vom Süden des Zweistromlandes in den Fruchtbaren Halbmond. Wie für die Juden ist nach dieser traditionellen Darstellung der islamischen Geschichte Palästina auch das „Gelobte Land“ der Araber; dorthin wurden sie geführt. Inwieweit sie sich auch als „Erwähltes Volk“ verstanden haben, kann nur eine Beschäftigung mit der „Zion“-Idee und dem von ‘Abd al-Malik im wiedererstandenen Tempel (dem Felsendom) eingeführten Ritus klären.

Mu’awiya regiert bis zum Erreichen der Zahl 60. Diese war bereits bei den Babyloniern sehr angesehen, denn als kleinstes gemeinsames Vielfaches von 2, 3, 4, 5, 6 erleichtert sie größere Rechenoperationen. Außerdem enthält sie fünfmal die 12. Diese Zahl der fünffachen Zwölf markiert das Ende von Mu’awiyas Herrschaft. In der darauffolgenden Pentade der Veränderung erfolgt die Orientierung auf ‘Abd al-Malik hin. Dieser darf drei mal sieben Jahre regieren und stirbt im Jahr der verdoppelten Primzahl 43, dem Baudatum der ersten Moschee in Damaskus. Dieses Jahr kennzeichnet den Beginn der nächsten Periode von vierzig Jahren. Sie umfasst die Regierungszeit bis zum Tod Hischams, des letzten regierenden Sohns ‘Abd al-Maliks. Auf diese zweite 40-Jahres-Periode folgt die Zeit der Sieben Plagen. Nach sieben Jahren Endzeitstimmung ist die Zahl 12 elfmal verstrichen und das Jahr 132 der Hijra erreicht.

Erwähnenswert sind noch die Daten von folgenden Ereignissen: Mit der Zahl 12 ist die früheste Goldmünze aus der Zeit ‘Abd al-Maliks „datiert“, mit 72, sechs mal zwölf, ist die Inschrift ‘Abd al-Maliks im Felsendom gekennzeichnet. Mit der Zahl 72 sind die frühesten Silbermünzen aus der Zeit ‘Abd al-Maliks „datiert“. Mit der Zahl 77, sieben mal elf, sind die ersten, rein inschriftlichen Goldprägungen ‘Abd al-Maliks „datiert“.

Die von arabischen Historikern angegebenen „Datierungen“ von Ereignissen in der Frühzeit der „islamischen“ Geschichte dienten wohl deren Einordnung in ein Konzept einer theologischen Geschichte, es handelt sich um eine islamisch-religiöse Zahlensymbolik, nicht um historische Datierungen.

Quelle: Volker Popp: Bildliche Darstellungen aus der Frühzeit des Islam (IV); in imprimatur 5-6/2004

Kam der Koran vom Himmel?

Weihnachten im Koran

In einer ersten Studie mit dem Titel "Die syro-aramäische Lesart des Koran. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache" (Berlin 2000) hat der Autor einige Ergebnisse umfangreicherer Untersuchungen zur Sprache des Koran der Öffentlichkeit vorgelegt. Vom sprachhistorischen Ansatz ausgehend, dass bei der Entstehung des Koran (im 7. Jahrhundert und einige Zeit danach) nicht das Arabische, sondern das Syro-Aramäische die Schrift- und Kultursprache im Vorderen Orient war, konnte er durch die Klärung einer ganzen Reihe von sogenannten dunklen Stellen, wie sie in der Koranforschung bezeichnet werden, belegen, dass die Sprache des Koran als Beginn einer arabischen Schriftsprache mit dem Syro-Aramäischen so eng verflochten ist, dass man von einer arabisch-aramäischen Mischsprache sprechen kann. Dies führt zwangsläufig dazu, dass ohne Heranziehung des Syro-Aramäischen dieses Koran-Arabisch nicht so zu verstehen ist, wie es verstanden sein will. [...]

Spricht nun der Koran von Christi Geburt [in Sure 24, M.Z.] so stellt sich die Frage, ob er nicht sonstige Texte enthält, die auf eine Weihnachtsliturgie hindeuten. Einen solchen Text glaubt der Autor in Sure 97 verschlüsselt zu sehen. Diese Sure ist (nach der Übersetzung von Rudi Paret, Stuttgart ²1982) bisher so verstanden worden (die neu zu deutenden Worte sind kursiv):

"al-Qadr" / "Die Bestimmung"

1: Wir haben ihn [d.h. den Koran] in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt.
2: Aber wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?
3: Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.
4: Die Engel und der Geist kommen in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn hinab, lauter Logos(wesen) [min kulli amrin].
5: Sie ist (voller) Heil (und Segen), bis die Morgenröte sichtbar wird.

In dieser kurzen Sure sieht die islamische Tradition eine Andeutung der Herabkunft des Koran. Daher werden in dieser Nacht (Laylat al-qadr / Nacht der Bestimmung genannt) gegen Ende des Fastenmonats Ramadan Vigilien gehalten. Dies ist religionshistorisch deswegen von Bedeutung, weil der Islam sonst (bis auf die Tarawih im Monat Ramadan) keine Nachtliturgie kennt. Dies weist demnach auf die Übernahme eines früheren christlichen Brauches hin, der ursprünglich auf Christi Geburt bezogen war, im späteren Islam aber auf die Herabkunft des Koran umgedeutet wurde. Wie schwer sich jedoch die islamische Tradition tut, diese Umdeutung zu begründen, geht aus dem großen Korankommentar von at-Tabari (9./10. Jahrhundert) hervor. [...]

Nach der dargelegten philologischen Erörterung ergibt Sure 97 zusammenfassend folgendes Verständnis:

Sure 97: Die Schicksalsbestimmung (des Geburtssterns)

1. Wir haben ihn [= den Jesusknaben] in der Nacht der Schicksalsbestimmung (Geburtssterns) herabkommen lassen.
2. Was weißt du, was die Nacht der Schicksalsbestimmung ist?
3. Die Nacht [= die Nokturn] der Schicksalsbestimmung ist gnadenreicher als tausend Vigilien.
4. Die Engel, vom Geiste (begleitet), bringen darin mit Erlaubnis ihres Herrn allerlei Hymnen herab.
5. Friede ist sie bis zum Anbruch der Morgendämmerung.

Sure 97 kann als Einleitung zu einer Weihnachtsliturgie der christlichen Araber gedient haben. Die darin an einen früheren christlich-syrischen bzw. christlich-arabischen Brauch anknüpfende Tradition der Muslime ist ein bedeutungsvoller Ansatzpunkt für das Verständnis des Ursprungs des Islam. Sprach- und religionshistorisch richtig verstanden, macht diese Sure die gemeinsamen Wurzeln und die ursprüngliche Nähe von Christentum und Islam deutlich.

Quelle: Christoph Luxenberg: Weihnachten im Koran – Zu Sure 97; in imprimatur 1/2003

23:24
6. April 2008


mz

Member

Beiträge 47

Materialien Teil 3 – Numismatik (Stand: 14. April 2008)
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Islamische Münzen vs. Hagiografie

Die „islamische“ Münzprägung beginnt nach dem Tod des Heraclius am 11. Februar 641, Jahr 20 der arabischen Ära. Seine arabischen foederati, die Koraisch, sind nach dem Sturz seines Sohnes Konstantin III. nicht mehr an den Treueid gebunden, den sie ihm geschworen haben.

J. 20 (641) – 6 arabo-sassanidische Belegstücke (nach Heinz Gaube)
J. 41 (662) – erste arabo-sassanidische Prägungen Mu’âwiyas (Prägestätte Darabjîrd):
Bild des sass. Königs mit Pahlevi-Inschrift MAAVIA AMÎR-i WURROYISHNIGÂN
J. 53-60 (674-81) – Münzen ’Abdallâhs bn al-Zubair (Prägestätte Darabjîrd):
Inschrift ’Abdallâh Amîr-i Wurroyishnigân in Pahlevi-Schrift (aramäisch)
J. 61 u. 62 (682 u. 83) – Münzen ’Abd al-Maliks (Prägestätte Darabjîrd):
Inschrift APDLMLIK AMIR-i Wurroyishnikân

Das Amt des Amîr-i Wurroyishnigân wurde traditionell in Darabjîrd vergeben. So haben alle drei in ihrem ersten Amtsjahr in der dortigen Münzstätte Münzen geschlagen. Da es über ihnen aber keinen sassanidischen König mehr gab, haben sie nach dem Vorbild sassanidischer Königsmünzen geprägt.

Bei allen Münzen der drei Prägeherren aus Darabjîrd fehlt die Angabe des Geschlechternamens. Die provinziellen Prägungen ’Abdallâhs bn al-Zubair nennen seine Abstammung von der Familie der Zupirân. Die provinziellen Münzen ’Abd al-Maliks nennen seine Familie als MRW’nân. Bezeichnenderweise findet sich diese Angabe auf einer Münze aus Marw. Bei Mu’âwiya ist die Herkunft archäologisch nicht nachweisbar.

J. 41 (662) – prov. Prägung des Gouverneurs Ziyâd bn Abî Sufyân (Prägestätte Darabjîrd):
Inschrift ohne Amtstitel: Ziyât-i Abusfiyân
J. 75 (696) – prov. Prägung ’Abd al-Maliks (Prägestätte Marw):
Inschrift ohne Herrschaftstitel, aber mit Angabe der Abstammung APD’LMLIK-i MRWânân (MRW + Genitiv ân + Plural ân)

Ein schönes Beispiel für solch eine Gouverneursmünze ist eine Silberdrachme aus dem Jahr 77 mit dem Bild Chusros II. (590-628) auf der Vorderseite und dem Feueraltar auf der Rückseite. Prägeherr ist der Gouverneur al-Hajjâj bn Yûsuf. Die Münze befindet sich im Britischen Museum:

http://www.britishmuseum.org/explore/highlights/highlight_objects/cm/s/silver_dirham_of_al-hajjaj_b.aspx

Die Münzprägung ’Abdallâhs bn al-Zubair vom Jahre 53 bedeutet, dass Mu’âwiya zu diesem Zeitpunkt in Persien nicht mehr anerkannt worden ist. Von ihm gibt es aber noch eine Bauinschrift in Ta’if aus dem Jahre 58 (669). Sein Wirkungsbereich ist jetzt auf das ghassanidische Erbe in Syrien und Jordanien beschränkt; sein Tod liegt im Dunkel. Seine angeblichen Söhne Yazid I. (680-83) und Mu’âwiya II. (683-684) sind archäologisch nicht nachweisbar. Ihre Lebensbeschreibungen in der islamischen Hagiografie als ein lasterhafter bzw. kränkelnder Nachfolger (nach 3 Monaten verstorben) eines großen Vaters folgen literarischen Topoi. Jetzt kommt mit Marwan I. (684-85) der mekkanische Zweig der Familie an die Macht. Ihm folgt sein Sohn ’Abd al-Malik (685-705). Marwan I. ist als Übergangsfigur ebenso erfunden wie die Söhne Mu’âwiyas. Wie oben gesehen ist Marwan nicht der Name des Vaters, sondern eine Herkunftsangabe.

Die islamische Hagiografie behauptet, dass ’Abdallâhs bn al-Zubair als Gegenkalif gegen die Gottlosen in Mekka aufgetreten sei. Der ehemalige Schullehrer, Erzketzer und Kryptomanichäer al-Hajjâj, gebürtig aus Ta’if, sei mit einer Armee nach Mekka gesandt worden und habe die Kaaba mit einem Katapult beschossen um zu testen, welcher Stein stärker sei. Die Kaaba brennt und stürzt ein. Der Gegenkalif flieht und setzt den Kampf im Hedschas und in Basra bis 692 fort, als er in der entscheidenden Schlacht besiegt wird. Wie die Münzen zeigen, war ’Abdallâh aber Oberbefehlshaber im Iran bis zum Jahr 60 (681) der arabischen Ära. Danach hatte er Gouverneursposten in den iranischen Kerngebieten inne.

J. 62-69 (683-90) – prov. Münzen ohne Angabe eines Titels (Prägestätte Kirmân)
J. 63 u. 66 (684 u. 87) – prov. Münzen ohne Angabe eines Titels (Prägestätte Istakhr/Persis)
J. 65-67 (686-88) – prov. Münzen ohne Angabe eines Titels (Prägestätte Ardashîr-Khurra)

Die Hagiografen hatten nicht bedacht, dass man in späterer Zeit die Münzen neu intepretieren könnte. Die Archäologie ist den Frommen ein Ärgernis.

Münzen aus Damaskus zur Zeit der rechtgeleiteten Kalifen

In Damaskus befindet sich das Grab Johannes des Täufers. Die islamische Traditionsliteratur berichtet vom Auffinden der Reliquie vom Haupt des Täufers. Hierzu passen Münzen aus der Zeit der sogenannten rechtgeleiteten Kalifen vor 661 mit der Darstellung des Kopfreliquiars des Täufers – jedenfalls in der Interpretation von V. Popp. Der Katalog einer Ausstellung in Jerusalem (1976) führt eine solche Münze auf:

„Die No. 1 des Ausstellungskatalogs zeigt auf der Vorderseite eine Herrscherfigur, frontal dargestellt. Mit der Rechten umfasst der Herrscher eine Lanze. Links von der Darstellung des Herrschers kann man noch die Darstellung eines Palmzweigs wahrnehmen. Unter dem Palmzweig, am Boden, im Staub liegt der byzantinische Kreuzglobus. Die Linke des Herrschers ruht auf dem Deckel eines Henkelkorbs, in dem sich ein abgeschlagenes Haupt befindet. Über dem Korb befindet sich die Darstellung eines Vogels, nach links dem Herrscher zugewandt.

Beschrieben ist im Katalog die Münze unter der Kapitelüberschrift: „Orthodoxe Kalifen“ wie folgt: „Obv: imperial figure standing, facing, in his left hand severed human head; above, a bird.“ (Vorderseite: „Stehende Herrscherfigur, frontal, in der linken Hand abgeschnittener Menschenkopf; darüber Vogel“). Eine Münzstätte wird nicht genannt, es wird nur darauf hingewiesen, dass der unciale Buchstabe M auf der nicht abgebildeten Rückseite die Wertangabe sei für 40 Nummia oder ein Fals.“

Eine andere Münze, deren Vorderseite mit demselben Stempel geprägt worden ist, stammt aus Damaskus des Jahres 650 [Katalog der Münzhandlung Frank Sternberg, Zürich, zu einer Auktion im Nov, 1983]. Auf der Rückseite dieser Münze No. 1181 in der Auktion Sternberg entdeckt man über der Wertangabe für 40 Nummia, dem uncialen M, ein Kreuz, das typische byzantinische Kreuz, welches sich bei allen Folles-Prägungen (daher das arabische Fals) über der Wertangabe M befindet. Solche Bildnisse werden bisher als Darstellung des Sieges der Araber über die Byzantiner interpretiert. Popp zieht ein anderes Resumee:

„Die Münzen belegen, dass im syrisch-palästinensischen Gebiet, das seit 622 nicht mehr einfach eine Provinz des byzantinischen Reiches war, christliche Araberfürsten die regionalen Autoritäten waren. Dies kann als sicher gelten für Damaskus noch im Jahre 650, obwohl es angeblich schon 635 von muslimischen Arabern erobert worden war. Die frühe Islamgeschichte muss an Hand der Münzfunde umgeschrieben werden.“

Die Herrschaft ’Abd al-Maliks

’Abd al-Malik stößt nach seiner Wahl zum amîr al-mu’minîn mit seinen Anhängern nach Westen (Arabien) vor und erreicht Palästina. In Jerusalem erwartet er die Parusie im Jahre 77 (698) am Ende des 7. Jahrhunderts nach der Geburt von ‘Isâ bn Maryam. Hier lässt er seit dem Jahr 74 Münzen mit der Darstellung des apokalyptischen Messias nach der syrischen Danielsapokalypse (mit erläuternder Inschrift „Khal(î)fat Allâh“ [Stellvertreter Gottes, d.h. der Messias]) und einem neuen christologischen Motto prägen, etwa zeitgleich mit der Inschrift im neuen Felsendom (mit der kaballistischen Jahreszahl 72 = 6 × 12):

„Gelobt/gepriesen [muhammad(un)] sei der Knecht Gottes [‘abdallah] und sein Gesandter … Denn der Messias Jesus, Sohn der Maria, ist der Gesandte Gottes (rasûl(u)llâh) und sein Wort, das er der Maria eingegeben hat …“

Eine arabo-byzantinische Münze aus dem Münzkabinett Berlin wird in traditioneller Weise wie folgt beschrieben:

Vorderseite: „Mohammed – ist der Gesandte Gottes“ [Kufisch]. Der stehende Kalif mit der rechten Hand am Schwertgriff.

Rückseite: „Iliya – Filistin“ [Rückläufige kufische Schrift]. Wertzeichen M (für 40 nummi), darunter ein waagerechter Strich, darunter ein Punkt. Ganz oben ein Halbmond.

Eine weitere Münze aus Berlin, diesmal mit dem Namen ’Abd al-Maliks:

Vorderseite: „Im Namen Gottes für den Diener Gottes Abd el-Melik Beherrscher der Gläubigen“ [Kufisch]. Der stehende Kalif mit der rechten Hand am Schwertgriff. Im rechten Feld ein Stern.

Rückseite: „Im Namen Gottes Es gibt keinen Gott ausser Allah Er ist einzig Mohammed ist der Gesandte Gottes“ [Kufisch]. Φ auf vierstufiger Basis (Ersatz für das christliche Kreuz des byzantinischen Vorbildes). Im rechten Feld Baalbek [Heliopolis, Münzstätte, mz].

Tatsächlich handelt es sich bei der dargestellten Figur um den apokalyptischen Messias mit dem Flammenschwert. Auf einer Kupfermünze aus Sarmîn wird diese Figur als ‘abd al-Rahmân bezeichnet. V. Popp schreibt dazu:

„Rechts und links der Messiasdarstellung befindet sich jeweils eine von oben nach unten, parallel zu der Darstellung verlaufende Inschrift: ‘abd al-Rahmân. Somit ist der „‘abd al-Rahmân“ identisch mit dem „khal(î)fat Allâh“; denn diese Bezeichnung kommt auf dieser Prägung mit der Darstellung des apokalyptischen Messias aus Sarmîn nicht vor, sondern variiert sie hier. ‘Abd al-Rahmân (Knecht des gnädigen Gottes) ist ein christologisches Prädikat, so wie es „khalîfat Allâh“ (Stellvertreter Gottes) ist.“

Ein besonders schönes Exemplar, wahrscheinlich aus Syrien, ist ein Golddinar aus dem Britischen Museum, der im Jahr 76 geprägt worden ist:

“The centre of this coin has an image which may represent the Umayyad caliph Abd al-Malik (reigned AD 685-705). […] He is shown here dressed in traditional Arab head-dress and robes and holding a sword. Around the margin is the Islamic profession of faith, the shahada.

On the other side of the coin (the reverse) is a design modified from the image of a Byzantine cross on steps. The Arabic legend around it contains the date, AH 76 (AD 695-6). The inscriptions are in a style of angular script sometimes known as Kufic, typical of this period.”

http://www.britishmuseum.org/explore/highlights/highlight_objects/cm/g/gold_dinar_with_a_standing_cal.aspx

In den Jahren 72 bis 74 ließ ’Abd al-Malik in Syrien Münzen im sassanidischen Stil prägen, in Damascus und (nur 72) in Hims. Dann endet diese Serie; aus dem Jahr 75 gibt es nur die oben genannte Prägung in Marw. (Hier im Tal des Murghab gibt es Münzen seiner Familie noch bis zum Jahre 137 (758).)

J. 72-74 (693-95): Prägung arabo-sass. Silberdrachmen (Prägestätten Damascus und Hims)
mit arab. Inschrift MHMD

Was geschah im Jahre 75? Das theologischen Programm ’Abd al-Maliks wird im Iran nicht mehr verstanden. In diesem Jahr wird im Iran mit Qatarî bn Fudjâ’a ein neuer Oberbefehlshaber gewählt.

J. 75 (696) – Münzen Qatarîs bn Fudjâ’a mit arab. Motto „lâ hukm(a) illâ li-llâh” (s.u)
J. 76 (697) – Münze Qatarîs bn Fudjâ’a als amîr al-mu’minîn (Prägestätte Darabjîrd)
J. 77 (698) – Münze Qatarîs bn Fudjâ’a (Prägestätte Kirmân)

In Ardashîr-Khurra wird im selben Jahr eine Münze mit einem neuen Motto geprägt.

J. 75 (696) – anonyme Münze mit Herrscherbild auf dem Avers.
Inschrift in Pahlevi: LWYTW DATWBR BLA YYZTW (Es ist kein Herrscher (Gesetzgeber) außer Gott),
arabische Randinschrift: lâ hukma illâ li-llâh (Die Übersetzung „Gott allein steht der Schiedsspruch zu“ ergibt nur in der traditionellen Hagiografie einen Sinn)

Die neuen bildlosen Münzen

Um seine Herrschaft und die seiner Söhne al-Walîd und Hischâm zu retten, musste ’Abd al-Malik einen Ausgleich mit seinen Gegnern im Iran finden. Er gab das Programm eines nahenden Weltendes (Jahr 77), das ja nicht eingetreten war, auf. Der apokalyptische Jesus mit dem Flammenschwert verschwindet von den Münzen, und sein Name wird nicht mehr erwähnt. Das Bildprogramm wird zugunsten der Fundamentalisten im Osten aufgegeben. Es gibt wieder die anonyme Nennung als MHMT bzw. MHMD.

Als Beispiel ein Dinar des Jahres 78 aus dem Münzkabinett Berlin (eine ähnliche Münze mit leicht variiertem Text ist aus dem Jahr 84):

Vorderseite: „Es gibt keinen Gott außer Allah Er ist einzig Er hat keinen Teilhaber – Mohammed ist der Gesandte Gottes Er sandte ihn aus mit der Rechtsleitung und der wahren Religion auf dass er sie siegreich mache über jede andere Religion [Kufisch].“ Koranvers 9, 33 umlaufend.

Rückseite: „Allah ist einzig Allah ist ewig Er hat weder gezeugt noch ist er gezeugt worden – Im Namen Allahs dieser Dinar wurde im Jahr 78 geschlagen [Kufisch].“ Koranvers 112, 1-3 im Feld, Jahreszählung umlaufend.

Vom Jahr 77 an begann man eine völlig neue Münzprägung nach dem persischen Gewicht Mithqâl. Der apokalyptische Messias mit dem Flammenschwert und die erklärende Inschrift wird durch drei Zeilen Schrift ersetzt. Vom Jahr 78 an werden auch neue Silberdrachmen geprägt: Drei Schriftzeilen ersetzen das Bild des sassanidischen Herrschers mit den beiden parallelen mittelpersischen Schriftzeilen auf der Vorderseite; drei Schriftzeilen ersetzen das Bild des Feueraltars mit den zwei flankierenden Wächterfiguren auf der Rückseite.

Vorderseite: „Im Namen Gottes Dieser Dirhem wurde geschlagen in Damaskus im Jahr 79 – Es gibt keinen Gott außer Allah Er ist einzig [Kufisch].“ Umlaufend Nennung von Prägejahr und Münzstätte Damaskus.

Rückseite: „Mohammed ist der Gesandte Gottes Er sandte ihn mit der Rechtsleitung und der wahren Religion auch wenn die Heiden sich weigern – Allah ist einzig Allah ist ewig Er hat weder gezeugt noch ist er gezeugt worden und niemals wird da neben ihm jemand sein [Kufisch].“ Umlaufend Koranvers 9, 33, im Feld Koranvers Koranvers 112, 1-3.

Der interaktive Katalog im Münzkabinett Berlin: http://www.smb.museum/ikmk/index.php

Von Jerusalem nach Damaskus

Eine neu entdeckte (1993) Kupferprägung ’Abd al-Maliks aus dem Jahre 81 (702) ohne Angabe eines Prägeortes zeigt, dass er in Syrien und Palästina weiter an der Macht ist, ja sogar eine Dynastie gründen kann. Diese münzähnliche Medaille feiert nur die Nachfolge, erwähnt nach einer kurzen christlichen Eröffnungsformel: bi-sm(i)llâh)i r-rahmân(i) r-rahîm allein die Tatsache, dass sein Sohn al-Walîd zum Nachfolger bestellt worden ist. Jesus als muhammad(un) wird nicht mehr erwähnt. Die spätere islamische Historiografie kritisiert Mu’âwiya für die Gründung einer Dynastie. Sie meinen aber ’Abd al-Malik, der hier an persische Traditionen anknüpft. V. Popp schreibt dazu [S. 136]:

„Die Gündung einer neuen Dynastie, welche in der Lage sein sollte, beide Reichshälften zu regieren, konnte nur auf der Grundlage göttlicher Bestätigung dank Verfolgung messianischer Vorstellungen erfolgen. Die Legitimität der Sassaniden hatte auf ihrer Abstammung von den Göttern beruht. Solange der göttliche Glanz auf ihnen ruhte, war ihre Herrschaft gesichert. Als die Priesterschaft zu dem Schluss kam, dass der göttliche Glanz nicht mehr auf Chosrau II. lag, wurde er verfemt und ermordet.

Jesus wird in iranischen Inschriften bezeichnet als ‚Farrox-Zâd’ (Abkömmling des göttlichen Glanzes, mittelpersisch xwarrah).

Nach dem Ende der alten Götter war es daher angemessen, sich messianischer Konzepte, zumindest aber messianischer Prädikate, zur Legitimation der Herrschaft zu bedienen. Wie weit ’Abd al-Malik dabei ging, ist nicht nachzuvollziehen; es lässt sich nicht mehr eruieren, in welchem Maße er sich bei seinem Zug nach Jerusalem selbst als ein neuer Mose, als ein neuer Joshua sah. Oder ob er aus iranischer Sicht den eschatologischen Jesus als seine Königsfrawaschi sah, sein höheres Selbst. Die späteren Nachfolger seiner Familie waren aber allein dank der Verkörperung messianischer Vorstellungen in der Lage, in Iran zu herrschen. Die Namen des Messias: al-Saffâh, al-Mansûr, Muhammad, al-Mahdî wurden nicht als Versatzstücke eines vergangenen Messianismus der ’Arabî/Araber und der Familie ’Abd al-Maliks gesehen, sondern als Programm, welches die Teilhabe am göttlichen Glanz (xwarrah) verbürgte.“

Mit der Verlegung der Hauptstadt nach Damaskus wird das Grab Johannes des Täufers zum neuen Herrschaftssymbol. Hier wird die neue Grabeskirche (Umaiyadenmoschee) gebaut.

Die Söhne ’Abd al-Maliks prägen weiterhin bildlose Münzen. Hier eine Münze von al-Walîd aus dem Jahr 94, geprägt in Spanien oder Tunesien [Berlin]:

Vorderseite: „Es gibt keinen Gott außer Allah Mohammed ist der Gesandte Gottes – Er ist es der seinen Gesandten mit der Rechtsleitung und der wahren Religion geschickt hat [Kufisch].“ Koranvers 9, 33.

Rückseite: „Im Namen Allahs des Gnadenvollen und Mitfühlenden Allah ist ewig Er hat weder gezeugt noch ist er gezeugt worden – Dieser Dritteldinar wurde im Jahr 94 geschlagen [Kufisch].“ Koranvers 112, 1-3 im Feld, Jahreszählung umlaufend.

Eine weitere Münze aus Karthago (Jahr 92) hat eine lateinische Beschriftung [Berlin]:

Vorderseite: [Verderbt und tw. retrograd. „In Nomine Domini Non deus Nisis deus Solus Non deus Alius Similis“]. Schrift im Feld und umlaufend.

Rückseite [Verderbt. „Solidus feritus in Africa Anno XCII Indictione XII”]. Schrift im Feld und umlaufend.

Das Ende der Nachkommen ’Abd al-Maliks

Die Namen der Nachfolger al-Walîds sind auf Münzen nicht überliefert. Hischâm ist archäologisch nur durch die Bauinschrift im Wüstenschloss Qasr al-Khair nachgewiesen. Sulaymân bn ’Abd al-Maliks ist auf der Inschrift einer Bleibulle überliefert. Für den Namen ’Umar, den „Kalif“ mit dem mahdihaften Wesen, findet sich kein Beleg. Von Yazîd gibt es Inschriften auf offiziellen Gewichten. Ein Amir Yazîd bn ’Umar wird in einer Münzinschrift einer Prägung aus Raiy vom Jahr 130 nach den Arabern erwähnt. [V. Popp, S. 149].

Der Name Marwân hat sich auf Bleibullen aus dem Jahr 127 (748) erhalten. Hier stellt sich aber die Frage, ob nicht wieder auf die Herkunft aus Marw angespielt wird – wie beim angeblichen Vater ’Abd al-Maliks. Die Inschrift lautet [V. Popp S. 150-152]:

„… fî khîlafat(i) ’abd(i) ’llâh(i) M(a)RW(-)ÂN ’amîr(i) [’l-]mu’minîn …”
Übersetzung: „Während der Stellvertretung des Gottesknechtes (Herrschertitel) des Mannes aus Marw, Vorsteher der Schutzgewährer”

Im weiteren Text der Bulle erscheint der Name eines Totgeglaubten: ’Uthmân bn al-Walîd (II.). Nach der Darstellung des Historiografen Tabarî sollte er zu diesem Zeitpunkt längst im Kerker getötet worden sein. Tabarî war eben kein Geschichtsschreiber, sondern ein Geschichtenerzähler.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Amt des Amirs gegen Ende der sogenannten Umaiyaden in der Darstellung weitgehend anonym geworden ist.

Nach der Tradition unternahm ein gewisser Abû Muslim einen Aufstand gegen die Umaiyaden, der zum Übergang des Kalifats an die Abbasiden führte. Die Mikrolesung des epigrafischen Materials führt zu einem anderen Bild. Eine Inschrift auf einer Münze des Jahres 131 (752) nennt: „Abû Muslim, amîr Âl-Muhammad“. Dieser ist also der Befehlshaber der Familie des Muhammad, wobei man unter Familie die Anhänger des Muhammad zu verstehen hat. Dieser Muhammad ist aber nach der Inschrift im Felsendom niemand anders als ’Isâ bn Maryam. Es stellt sich auch die Frage, ob Abû Muslim der Name einer Person oder eines Programms ist. Ist er etwa der Erzmuslim?

Liest man diesen nom de guerre als Programm, dann haben wir hier einen Anhänger der Eintracht (islâm) unter den syrischen Christen vor uns, welcher die Interessen der Anhänger der Vorstellung von Jesus als dem „Muhammad“ vertritt. Eine Münze aus dem Jahr 132 weist den Weg. Jetzt nennt er sich: „’Abd al-Rahmân bn Muslim“. Der Begriff ’Abd al-Rahmân fand sich schon auf einer Münze ’Abd al-Maliks neben der Abbildung des Messias mit dem Flammenschwert. ’Abd al-Rahmân ist eine Variation des Themas von Jesus als dem Khal(î)fat Allâh.

Das Fazit lautet, die Bewegung Abû Muslims steht nicht in Gegnerschaft zu den „Umaiyaden“, sondern es handelt sich um die Chorassanier selbst, die hier ihre letzten Schlachten schlagen. Mit dem Jahr 136 (757) endet die Emission solcher Münzen [V. Popp S. 156]

Quellen:

[1] Ohlig, K.-H. (Hg.): Der frühe Islam. Eine historisch-kritische Rekonstruktion anhand zeitgenössischer Quellen; Berlin 2007
[2] Popp, V.: Von Ugarit nach Samarra; in [1], S. 13-222
[3] Ohlig, K.-H.: Hinweise auf eine neue Religion in der christlichen Literatur "unter islamischerHerrschaft"?; in [1], S. 223-325
[4] Ohlig, K.-H.: Vom muhammad Jesus zum Propheten der Araber. Die Historisierung eines christologischen Prädikats; in [1], S. 327-376
[5] Interaktiver Katalog im Münzkabinett Berlin: http://www.smb.museum/ikmk/index.php
[6] British Museum: http://www.britishmuseum.org/explore/highlights.aspx
[7] the coins and history of asia: http://www.grifterrec.com/coins/coins.html
[8] The Maskukat Collection of Medieval & Islamic Coins: http://islamiccoins.ancients.info/

21:45
7. April 2008


mz

Member

Beiträge 47

Materialien Teil 4 – Schluss (Stand: 27. April 2008)
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Die Beschriftung der frühen „islamischen“ Münzen

Wie oben zu lesen ist, gibt es hauptsächlich drei Arten von Inschriften in mittelpersischer (Pehlevi) oder aramäisch-arabischer Sprache auf den Münzen:

1. Name eines Gouverneurs mit Angabe des Vaternamens oder der Herkunft,
2. Name und Titel des persischen Amîr-i Wurroyishnigân (nach dem Untergang des Sassanidenreiches eine Art Reichsverweser) ohne Angabe des Vaternamens oder der Herkunft,
3. ein christologisches Motto.

Gelegentlich werden bildlose Münzen geprägt, die dann ein längeres Motto tragen. Von einem allgemeinen Bilderverbot ist nichts festzustellen; das sind Interpretationen per Rückprojizierung aus der Zeit der Hagiografen. Nachdem oben schon mehrere Beispiele zu den Punkten 1. und 2. gegeben worden sind, sollen jetzt Beispiele zu Punkt 3. gegeben werden. Sie zeigen, wie diese Mottos in der späteren Hagiografie zu Personenamen umgedeutet worden sind. Da es ein Amt des Kalifen in dieser frühen Zeit nicht gegeben hat, gibt es auch keine entsprechenden Münzen. Hârûn ar-Rashîd scheint nach der Interpretation der Münzinschrift der erste Kalif (als Stellvertreter) gewesen zu sein.

J. 171 – Inschrift ’abd-Allâh Hârûn amîr al-mû’minîn d.h. Gottesknecht Aaron, Landpfleger (der Name Aaron ist allegorisch zu verstehen)
J. 172 – Inschrift al-khalîfat al-rashîd(un) d.h. die Stellvertretung des Rechtgeleiteten, eine andere Münze: khalîfat Hârûn amîr al-mû’minîn

Rechtgeleitet ist der iranische Herrscher, der DÂDBAR (der Träger des Gesetzes, Rechts). Aus dem in Vertretung Aarons Herrschende (khalîfat Hârûn) wird der Herrscher Aaron (khalîfat Hârûn amîr al-mû’minîn).

Die Abbassiden

Die Namen der „abbasidischen“ Kalifen:
1. al-Saffâh = der Ausgießer (?) (der Träger des göttlichen Glanzes mit dem Füllhorn der Fortuna/Tyche, auf einem Schlachtross der persischen Panzerreiter reitend)
2. al-Mansûr = der Siegreiche (= der siegreiche Jesus der Eschatologie,
verkörpert die Königsfrawaschi des messianischen Herrschers)
3. al-Mahdî = der Rechtgeleitete (der verborgene/entrückte eschatologische Jesus)
4. al-Hâdî = der Heiland, Retter (Soter)
5. al-Rashîd = der Gerechte
6. al-Amîn = der So-sei-es
7. al-Ma’mûn = dem man trauen kann
8. al-Mu’tasim

Nach dem Zusammenbruch der anonymen Nachfolgeherrschaft von Verwandten der Familie ’Abd al-Maliks kommt es nach 132 nach den Arabern zu einer Restrukturierung im Zeichen einer anonymen messianischen Herrschaft. Belegt sind für diese Zeit (bis ca. J. 150) die Herrschernamen „Hâschim“ und „’Abbâs“, nicht jedoch al-Saffâh und al-Mansûr. Mansûr (Sieger) erscheint auf älteren Münzen als messianischer Name, z.B. auf einer arabo-sassanidischen Kupfermünze aus der Persis mit zweisprachiger Inschrift.

Der Nachfolger des nur der Traditionsliteratur bekannten, inschriftlich aber nicht erwähnten al-Saffâh und des nur der Traditionsliteratur bekannten, inschriftlich aber nicht erwähnten al-Mansûr ist der in Münzinschriften genannte „al-Mahdî Muhammad bn amîr al-mu’minîn“. Der Name und der Titel stellen ein Programm dar. Der messianische Name „al-Mahdî“ steht in Verbindung zu der Bezeichnung muhammad(un) (auserwählt). Demnach wäre al-Mahdî der Erwählte. Es handelt sich diesmal um ein aus zwei Begriffen zusammengesetztes Motto und nicht um einen Doppelnamen, wie dies bisher angenommen wird. Zu verstehen wäre die Inschrift folgendermaßen: „Der Mahdî ist erwählt (muhammadun) und wird vertreten durch die Nachkommen von Landpflegern (amîr al-mu’minîn).“ In Inschriften auf Gewichten aus Ägypten wird der Name des Ausgebers mit „al-Mahdî“ angegeben [V. Popp, S. 192].

Der Name ’Alî erscheint um 160 auf Münzen aus der Region um Kirman. die Inschrift lautet: „’Alî(;) Muhammad / tayib“ (’Alî, Muhammad / in Ordnung).

Mose und Aaron

Der Nachfolger des al-Mahdî soll Mûsâ al-Hâdî (Mose der Retter) gewesen sein. Dazu gibt es Inschriften auf Münzen aus Basra (Jahre 160, 164):

„In Stellvertretung des Mahdî, es gilt nur der Befehl des Mose, des Kronprinzen (?) (walî ’ahd) der Muslime.“

Der Begriff walî ’ahd wird gemeinhin als defektive Schreibung von walî al-’ahd verstanden, was in einer Zeit der anonymen Herrschaft wenig Sinn ergibt. Nach Popp muss der Systemname Mose allegorisch aufgefasst werden. Der Begriff walî bedeutet eigentlich Beauftragter (der muhammad Jesus war der walî ’llâh). Der Begriff ’ahd bedeutet hier Bund, d.h. Pflicht, Versprechen, Satzung. Mose wäre demnach als walî ’ahd al-muslimîn der Beauftragte für den Bund, die Satzung mit den Friedfertigen (muslimîn).

Statt einem Kalifen Mose, dem Retter und Heiland der Traditionsliteratur, zeigen die Münzen eine Vertretung der messianischen Herrschaft des Mahdî, dessen Vertreter derjenige ist, der einem Mose gleich den Schutz des Bundes, die Satzung der Friedfertigen sicher stellt. Dieser Beauftragte wird dann auf einer Münze aus Arrân (Jahr 169) zum Stellvertreter des Mose als khalîfat Mûsâ [Popp S. 196/97]. Eine andere Münze aus al-’Abbâssiya (Jahr 170) nennt dagegen den Namen al-Hâdî. Es gibt also fast zeitgleich an verschiedenen Orten zwei Konzepte, das khalîfat Mûsâ und das khalîfat al-Hâdî.

Ähnlich verhält es sich bei dem anderen Beauftragten für die Satzung der Muslime, Aaron. Dieser wird auch zur Zeit der Herrschaft der Vertretung des Mahdî genannt. Für das Jahr 171 sind Silbermünzen aus einer Residenz Harûniya belegt. Die erste Variante spricht von einer Herrschaft in Vertretung des Mardî (des Wohlgefälligen), ist also noch von messianischen Vorstellungen geprägt. Die zweite spricht von einer Herrschaft im Namen des Rashîd(un) (des Rechtgeleiteten). Die Bestätigung der Herrschaft dieses Hârûn findet sich im selben Jahr auf einer Goldmünze (ohne Prägestätte): „’abd-Allâh Harûn amîr al-mû’minîn“. Hier findet der Übergang von der Herrschaft in Vertretung des Abwesenden/Verborgenen (Saffâh, Mansûr, Mahdî) zur Ausübung der Herrschaft durch einen namentlich Genannten statt, sozusagen der Übergang von einer proto-schiitischen zu einer proto-sunnitischen Herrschaftsform. Auf einer Münze des Jahres 172 aus al-Muhammadiya steht: „al-khalîfat al-Rashid(un)“. Hier wird also in Stellvertretung regiert, aber in Stellvertretung des Rechtgeleiteten. Rechtgeleitet aber ist der iranische Herrscher, der DÂDBAR (der Träger des Gesetzes). Eine Münze aus Harat (Jahr 193) zeigt dann wieder: „’abd-Allâh Harûn amîr al-mu’minîn“ [Popp S. 199].

Al-Ma'mûn

Im Jahre 196 gibt es eine Weiterentwicklung in der Herrschaftsideologie. Eine neue Münzinschrift auf einer Goldprägung lautet: lil-khalîfat al-Ma’mûn. Desweiteren auf einer anderen Goldprägung aus dem gleichen Jahr: lil-khalîfat al-Imâm. Aus dem Beauftragten für den Bund der Friedfertigen wird nun der Führer der Gemeinde beim Gebet. Al-Ma’mûn („dem man trauen kann“) ist der Nachfolger des Entrückten/Verborgenen (al-Saffâh, al-Mansûr, al-Mahdî).

Die Inschriften der Jahre 202 bis 205 verweisen auf eine neue Organisation:

1. Muhammad rasûl Allâh (Muhammad ist der Gesandte Allâhs)
2. Al-Ma’mûn khalîfat Allâh (al-Ma’mûn ist der Stellvertreter Gottes)
3. Es gibt nur den Befehl des Amîr (nicht Imâm) al-Rîdâ
4. Walî ahd al-Muslimîn (Beauftragter für den Bund der Friedfertigen)
5. ’Alî bn Mûsâ bn ’Alî bn Abî Tâlib
6. Dhû'l-riyâsatayn (der mit den beiden Kommandos; Titel des Wesirs al-Fadl bn Sahl)

Eine Münzprägung mit diesen Inschriften gibt es nur im iranischen Raum: Fârs, Isfahân, al-Muhammadiya (Rayy), Samarqand. Die Erwähnung eines „khalîfat Allâh“ für die Zeit ’Abd al-Maliks und während der Jahre 202 bis 209 der Herrschaft al-Ma’mûns genügte der Islamwissenschaft, um ein ununterbrochenes Kalifat im Sinne einer Theokratie seit der Frühzeit des Islams anzunehmen. Mit seiner Umdeutung des Kalifats im Sinne der Stellvertretung des messianischen Herrschers zur eigenen Stellvertretung Gottes hat al-Ma’mun sich als Nachfolger der sassanidischen Könige eingesetzt. Er ist jetzt der Exekutor des göttlichen Gesetzes, des altpersischen DÂDBAR. Er ist der neue Mose und Aaron.

Nach der Traditionsliteratur war ’Alî al-Rîdâ der 8. Imâm der Schiiten. Er soll zuerst von al-Ma'mun als Nachfolger (nach neuer Lesart Beauftragter) eingesetzt, dann aber im Jahr 203 ermordet worden sein. Tatsächlich gibt es Münzen mit seinem Namen bis ins Jahr 205. Desgleichen der Wesir al-Fadl bn Sahl. Er soll 202 wegen Freundschaft mit den Persern hingereichtet worden sein. Er ließ noch 203 in Baghdad Münzen mit seinem Titel "Dhû'l-riyâsatayn" prägen. Für das Jahr 204 findet sich man ihn auf Prägungen in al-Muhammadiya (Rayy), 205 in Isfahân.

Um 210 beginnt der Niedergang der Herrschaft al-Mâ’mûns. Die letzte Nennung seines Namens auf Münzen erfolgt 209 in Ostiran, 210 in Samarkand, 215 in Ägypten. Stattdessen gibt es Münzen regionaler Machthaber wie des Tahiriden Talha 210 in Abarshahr an der Grenze nach Baktrien oder anonyme Münzen: 217 in Samarkand, Marw, al-Quds (Jerusalem) und dem Jemen. In Baghdad gibt es vom Jahr 218 an wieder Herrschernamen auf den Münzen, aber ohne Nennung einer Amtsbezeichnung wie „khalîfat Allâh“ oder „imâm“.

(wird fortgesetzt)

22:13
15. April 2008


DB

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Beiträge 75

These 1 – Herkunft aus dem Islam ist zweifelsfrei richtig.
These 4 – Entwicklung des Islam nach der Illigschen Phantomzeit (bei mir aber bis 919) wohl auch.

Weitere Ausführungen folgen.
Sie sollten sich aber mit der Entstehung der arabischen Schrift in Hira, dem angeblichen Zentrum des nestorianischen Christentum beschäftigen. Hira ist auch Arabien. Der Hinweis zu Hatra als Teil Arabiens ist zutreffend, arabische Kleidung in Urfa schon im 2. Jahrhundert durch Mosaike bewiesen.

07:12
16. April 2008


jb

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Beiträge 477

MZ schrieb:

In der griechischen Bauinschrift Maavias vom Jahr 42 bei den heißen Bädern von Gadara in Galiläa wird die Ära der arabischen Herrschaft bezeichnet als: „Ära nach den Arabern“ (KATA ARABA[S]). Als Zeitangabe nach der kaiserlichen Indiktion heißt es: „6. Jahr der Indiktion, 2. Wochentag, 5. Tag im Dezember”. Dann wird das Jahr nach der Ära der Colonia angegeben: 726. Diese Angabe lässt sich überprüfen. Gadara gehört zur Dekapolis. Die Münzen von Gadara sind datiert. Ein Exemplar des ersten Jahres der römischen Besatzung (Pompejus, 64/63 v.u.Z.) mit der Jahresangabe 1 ist erhalten. Daraus folgt: das Jahr 42 der arabischen Ära ist 662/63 AD.
Da selbstverständlich auch in der arabischen Ära wie bei Römern und Persern nach Sonnenjahren gerechnet wird, entspricht das Jahr 1 der arabischen Ära dem Jahr 621/622.

Zu diesen Datierungen habe ich eine Frage. Wie es scheint, wird durch die Bauinschrift Muawiyas der Zeitabstand der arabischen Ära zur Römerzeit eindeutig fixiert. Die traditionelle Gleichsetzung des Jahres 1 der arabischen Zeitrechnung mit dem Jahr 621/622 AD wird durch die Inschrift bestätigt. Ob dieses Jahr auch das Jahr der Hidschra war, steht auf einem anderen Blatt, aber das ist nicht der Punkt, um den es hier geht.

Meine Frage betrifft die Zeitrechnung und die Münzen Gadaras. Zeitrechnungen wurden nicht selten rückwirkend eingeführt. Insofern stellt das Vorhandensein einer Münze mit dem Jahr 1 der betreffenden Zeitrechnung eine interessante Besonderheit dar. Meine Frage lautet nun, ob Geschichte, Zeitrechnung und Münzen Gadaras durchgängig belegt und etwa auch archäologisch unterfüttert sind? Oder könnte es sein, dass hier mit Hilfe einer Münzprägung versucht wurde, nachträglich eine Chronologie zu etablieren, die den erwünschten Abstand zur Römerzeit bzw. zu Christi Geburt erst schafft?

14:25
16. April 2008


zam

Member

Beiträge 12

Die Ausführungen von mz sind geprägt von den Interpretationen und Deutungen der Saarbrücker Islamwissenschaftler, welche hier größtenteils übernommen und offenbar geteilt werden.
Meine Auffassung über die wissenschaftliche Haltung Luxenbergs (Pseudonym) geht bereits aus zwei früheren Leserbriefen in den Zeitensprüngen hervor [ZS 1-03,235 u. 2-03, 462]. Nach den letzten Veröffentlichungen der Saarbrücker bin ich auch in Bezug auf deren Inhalte skeptisch.

Dies gilt insbesondere für Luxenbergs Behauptung, Muhammad sei ein Epitheton für Jesus. (Die Idee stammt von Popp, jedoch ursprünglich in ganz anderer Art, als sie dann von Luxenberg aufbereitet wurde [s. Mavro d. M.].) Darin „bündeln“ sich verschiedene widersprüchliche Vermutungen darüber, wie der Islam entstanden sei. Eine von den Saarbrückern produzierte und von mz unterstützte Variante ist die „Befreiung christlicher Aramäer von persischer Unterdrückung“ und die Idee von einem in Südwest-Afghanistan durch deportierte Aramäer konservierten Christentum, aus welchem sich der Islam sich „unberührt vom Kirchenchristentum und seiner Theologie“ entwickelt habe [in Deutschlandradio]. Das scheint mir für Absicht und Ideologie der Saarbrücker unter Leitung des katholischen Theologen Ohlig entscheidend und ist die Saarbrücker Alternative zu den Thesen von Lüling und Wansbrough: Islam wird zu einer durch Eroberungen verbreiteten christlichen Randerscheinung, und ist nicht mehr die mächtige, urchristliche Theologie bewahrende (judenchristliche) Hauptströmung im Kampf gegen die Neuerung der Gottessohnschaft, auf welcher die römisch-katholische Kirche basiert. Ich halte diese Saarbrücker These für interessengeleitete Geschichtsfälschung. Dabei wird der Islam in der Verdrängung seiner christlichen Herkunft unterstützt und die Interessen beider Orthodoxien gewahrt.

Die Frage, ob Muhammad wirklich eine reale Person war oder woraus die Gestalt sonst hervorgegangen sein könnte, halte ich für wichtig. Nicht gleichgültig ist allerdings die Absicht dabei, und methodisch gewarnt sein sollten die Wissenschaftler durch die hundertjährige Endlosdebatte über den „realen Jesus“. Bisher wird die gen. Idee in die dünnen Fakten eher hinein interpretiert als aus ihnen belegt und andere Möglichkeiten werden gar nicht erwogen.

Im Folgenden einige Erwägungen im Zusammenhang mit dem Felsendom
zunächst zum Bau selbst, dann zu den Inschriften und zur gen. These

„Felsendom“ wird jener achteckige Bau mit überragender Mittelkuppel genannt, der den Blick in die Höhle des Felsens Moriah in Jerusalem schützend umgibt. Die Felsenhöhle war schon zuvor eines der vielen Höhenheiligtümer im Sinne einer Ka’aba an der Handelsstraße vom Jemen nach Syrien. Sie wurde dann nach heutiger Meinung von den Umayyaden in den Machtstreitigkeiten nach Zerfall des persischen und byzantinischen Reiches in Konkurrenz zu Mekka und Byzanz prächtig umbaut. Als anti-adoptianische Judenchristen wollten die Umayyaden vielleicht das Zentrum muslimischen (= abgewandt von der Beigesellung) Glaubens errichten. Dies könnte erklären, wieso im 11./12. Jh. hier das gleiche Ritual wie in Mekka (konkurrierend?) vollzogen wurde einschließlich des kultischen Umlaufs (tawaf) um das Oktogon der alten Ka’aba von Jerusalem.
Inschriften stellen ein wichtiges Gestaltungselement des Gebäudes dar. Sie wurden u.a. von Heribert Busse vollständig in deutscher Übersetzung veröffentlicht, folgend der Übersetzung von Rudi Paret.

Die älteren Texte am Felsendom sind im kufischen Duktus geschrieben und größtenteils bereits mit diakritischen Punkten versehen.

Die religiösen Texte „sind ganz dem Koran entnommen oder aus verschiedenen Stücken des Korans, vermischt mit Paraphrasen und freien Formulierungen, zusammengesetzt. Hier fällt auf, daß letztere sämtlich in die Zeit der Erbauung gehören.“ Busse folgert, dass man es später nicht mehr gewagt habe, den Koran frei zu zitieren oder einen Text aus frei gewählten Koranstücken zu zitieren [ebd. 10]; heute muss mit bedacht werden, dass es – bis wann? – noch gar keinen einheitlichen Korantext gab.
Eine Vereinheitlichung des Schrifttextes war erst möglich durch Einführung der diakritischen Punkte, die eine Fixierung der orthodoxen Deutung (samt Verfälschung der älteren Bedeutung) ermöglichten, was erstmals 1973 Günter Lüling ausführlich belegte.
Nach allgemeiner Lehre entstand diese Punktation seit dem 7. Jh.. Dafür gibt es jedoch kaum zeitgenössische Belege, weshalb verschiedene Varianten der rezitierenden Deutung bestanden haben sollen. Auch die in Jemen gefundenen angeblich ältesten Koranfragmente sind vielfach unpunktiert. Erst im 10.Jh. tritt Punktation schriftlich in Erscheinung. Gelegentlich wird sie im Zusammenhang und zeitgleich mit der Vokalisation der masoretischen Texte gesehen, die von der gleichen Datierungs- und Quellenproblematik betroffen sind. Al-Biruni (973-1050) soll in einem seiner Texte die Bedeutung der diakritischen Punkte und Vokalzeichen für die arabische Schrift benannt haben.
Der dritte Kalif, Uthman ibn Affan aus dem Hause Umayya (konv. 644-656) ließ angeblich einen einheitlichen Korantext erstellen und alle anderen Versionen vernichten; da aber noch aus dem Jahre 1007 die Verbrennung eines vorothmanischen Korantextes bekannt ist, wurde die Vereinheitlichung vielleicht erst Ende des 10. Jh./Anfang 11.Jh. vorgenommen. [vgl. Lüling 1981, S.365, Anm. 60]

Da die europäischen Oktogone erst um 950 beginnen [Illig 1996, 252ff], wäre weiter zu prüfen, ob die Erbauung des oktagonalen Felsendoms frühestens im 10.Jh. stattfand. Die Form selbst könnte ein Hinweis sein auf ihre judenchristlichen Erbauer: Die Steigerung der Roma quadrata (das einfache ‚Abbild’ der Welt), nun als ‚doppelt gesicherte Welt’ irdisches und himmlisches Jerusalem, der „salomonische Tempel“. In dieser Tradition stehen die Templerkirchen, ebenso wie der „Kaiserdom“ in Aachen, dessen realer Auftraggeber noch gesucht wird.

Die außen angebrachten Inschriften stammen aus osmanischer Zeit (Anfang 17.Jh.), die älteren befinden sich im Innern. Die ältesten aus der Zeit der Umayyaden bzw. des Abd al Malik ibn Marwan (685-705) sind jene am Nord- und Osttor (Nr. I und II) und an der Außen- und Innenseite des inneren Oktogons (III u. IV). Weitere Inschriften folgen erst in der Aiyubidenzeit (1187-1250).

Eine ausgiebige chronologiekritische Betrachtung der Baudaten muss Querverbindungen berücksichtigen, die sich ergeben (?) aus Papyrusurkunden und den Berichten arabischer Historiographen, u.a. Tabari, Ibn Kathir u. Baladhuri [laut wikipedia].
Direkt am Gebäude befinden sich zwei Daten.

Eine Bauinschrift „im Jahre 72“ am äußeren Ambulatorium über den Bögen (III-f) nennt als Erbauer der Kuppel den Abbasiden al-Ma'mun (gest. 833) der – als er die Besitzergreifung des Felsendoms symbolisch ausdrücken und die Erinnerung an die Umayyaden auslöschen wollte – vergessen haben soll, bei der Tilgung des Namens von Abd al-Malik (Kalifat 687-705) dies ursprüngliche Baudatum abzuändern. Das Jahr 72 gilt als Jahr der Fertigstellung des Felsendoms und habe am 4. Juni 691 begonnen. Aber handelt es sich bei diesem Datum um die heute übliche Hidschra-Datierung?

Eine weitere Bauinschrift befindet sich am Osttor (I-c). Wiederum heißt es, der Bau wurde errichtet auf Befehl des „Gottesdieners Abdallah al-Imam al-Ma’mun […] in der Statthalterschaft des Bruders des Fürsten der Gläubigen, Abu Ishak, Sohn des Harun ar Raschid […] im Rabi II des Jahres 216.“ Dieser „begann am 18. Mai 831“ [Busse, S. 11].
Während an der Kuppel also das erste Datum stehen blieb, wurde hier ein für al-Mamuns Umfälschung passendes Datum eingefügt? Die Abbassiden wären also reale „Fälscher“?
Eine andere These vermutete die Abassiden-Dynastie selbst als „Fälschung“. Im ersten Fall hätten sie selbst ein Datum ihrer Herrschaft eingefügt, im zweiten Fall hätte jemand anders Name und Datum eingefügt (analog zur Erfindung der Dynastie?)
Wer brachte wann also die Inschriften und Datierungen an, und egal ob es falsche oder richtige Angaben sind: auf welche Chronologien bezog man sich?
Es sei daran erinnert, dass bisher unbekannt ist, wann, wie und von wem die Gleichsetzung von 622 mit Hidschra 1 vorgenommen wurde, welche Datierung(en) die verschiedenen Kalifate (bzw. „Sunniten“ und „Schiiten“) benutzten.

Der heute aus dem Schiitentum bekannte Titel al-Imam war der offizielle Titel für den Kalifen.
Als Bestandteil des Titels trugen alle Kalifen den theophorischen Namen Abdallah („Gottesdiener“), weshalb er für al-Mamun zweimal vorkommt (Titel und Name).
Al-Mamun und sein Bruder Abu Ishak gelten als Söhne des Harun al-Raschid, d.i. Aaron, der Rechtgeleitete. Das ist eine äußerst judenchristliche Benennung, die durchaus den Verdacht wecken kann, hier sei das arabische Pendant zur aaronitischen Priesterschaft entstanden. Wer bereits sicher war, der so schwer belegbare Harun ar Raschid sei bloß eine Märchenfigur, muss erneut ins Grübeln geraten – über die Gestalt und die Inschrift. Falls Harun eine Erfindung ist (was genauer zu prüfen wäre), kann die Inschrift erst entstanden sein, als bereits orthodoxe sunnitische „frühislamische Geschichte“ literarisch fabriziert war (was m. E. unter Ghazzali seinen Höhepunkt und Abschluss findet).

Bei den Inschriften können nur die ältesten für die fragliche These herangezogen werden.

Kern der These der Saarbrücker /Luxenberg (SDL) ist die Formulierung muhammadun abdu allahi wa-rasulluhu, die bisher übersetzt wird als „Muhammad ist der Knecht/ Diener Gottes und sein Gesandter“. Muhammad bedeutet „der Gelobte“, was Ohlig [im Deutschlandradio] sinnigerweise kommentierte mit dem Hinweis, das sei eben „benedictus“. Man darf froh sein, dass die Realexistenz des hl. Benedict schon von der Kirche selbst bezweifelt wurde und nicht mehr als alter ego Muhammads in Frage kommt [vgl. Illig 2-94].
Behauptet wird, die Nominativbildung muhammadun (der Gelobte) sei zu übersetzen als „zu loben ist“ oder „gelobt sei“, so dass dort eigentlich stehe „Gelobt sei der Knecht Gottes und sein Gesandter“ – was auf Jesus zu beziehen sei. Ob grammatisch dann zwei Gelobte da stehen, Knecht und Gesandter, mag hier offen bleiben. Muhammad sei ursprünglich ein christologischer Titel gewesen. Von Jesus wird das nicht gesagt, er gilt weiter als Person. Jesus und Christus werden von SDL nicht unterschieden, was religionsgeschichtlich eine beschränkte Sichtweise darstellt.

Wenn muhammadun am Felsendom in den ältesten Inschriften den gelobten Jesus meinen soll, muss diese Deutung auch für jene Stellen gelten, in denen muhammad steht. Hier einige im Zusammenhang:

Osttor:
I-1): Betont wird, dass Allah nur Eins und Einer ist: „Er hat weder Kinder gezeugt, noch ist er selber gezeugt worden. […] „Er ist erhaben über das, was die Polytheisten ihm beigesellen.“ (Also: Einen Gottessohn zu behaupten ist Beigesellung und das ist – im Kontext der Entstehung des Islam – Polytheismus.)
I-2) Es folgt eine Anrufung an die Barmherzigkeit und anderer Eigenschaften Allahs, mit der Bitte, am Tag der Auferstehung zu erretten: „…dass du den Segen sprichst über Mohammad, deinen Diener und deinen Propheten, und seine Fürsprache für seine Gemeinde (beim Jüngsten Gericht) annimmst.“
Nach der SDL wird Gott hier gebeten, den Segen zu sprechen über „den gelobten Diener und Propheten“ (Jesus).
I-3) enthält die oben genannte Datierung in Rabi II, 216

Nordtor:
II-a) wieder die Betonung der Einzigkeit und Kinderlosigkeit Gottes.
II-b) „Mohammad ist sein Diener und sein Gesandter“. Nach SDL: „Gelobt sei der Diener Gottes und sein Gesandter“.
Es folgt der religiöse Führungsanspruch aus Sure 9:33: „Gott hat ihn mit der Rechtleitung und der wahren Religion geschickt, um ihr zum Sieg zu verhelfen über alles, was es sonst an Religion gibt – auch wenn es den Heidenchristen zuwider ist.“ SDL glaubt, hier sei Jesus gemeint – den doch die Heidenchristen verehren. Sinn macht der Satz „christlich“ nur, wenn er von Judenchristen stammt.
II-c): Glaube an das, was (als Offenbarung) an Mohammad herabgesandt worden ist und die Propheten von ihrem Herrn erhalten haben, „ohne dass wir bei einem von ihnen einen Unterschied machen“ (Sure 2:136). Nach SDL wird (eine Offenbarung) herabgesandt zu dem Gelobten (Jesus); dann wäre hier seine Gleichheit in Bezug auf alle judenchristlichen Schriftpropheten betont. Sollte Muhammad als Prophet gemeint sein, wird allerdings das Gleiche gegenüber den anderen Propheten (einschließlich Jesus) betont.

Inneres Ambulatorium:
IV. betont zunächst wieder die Einzigkeit Gottes und handelt dann von „Jesus Christus“. Da dieser hier mehrfach genannt wird und stets „Sohn der Maria“ heißt, bleibt die Frage, wieso er in I bis III gar nicht namentlich genannt wird, wenn er doch laut SDL gemeint sei.
IV-ab) „Muhammad ist der Gesandte Gottes“. [SDL: „Der Gelobte ist der Gesandte Gottes] Gott, seine Engel und die Gläubigen werden aufgefordert, den Segen über ihn zu sprechen.
Es ist also zunächst von Muhammad die Rede. Dann folgt:
IV-ba) „Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist (nicht Gottes Sohn. Er ist) nur der Gesandte Gottes und sein Wort, dass er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und an seine Gesandten [Plural] und sagt nicht (von Gott, dass er in einem) drei (sei). “. „Christus wird es nicht verschmähen, ein bloßer Diener Gottes zu sein…“
IV-bb) „Gott. Sprich den Segen über deinen Gesandten und deinen Diener Jesus, den Sohn der Maria…“

Die islamische Historiographie schildert das ‚Haus Umayya’ seit Mu’awija I. als Konkurrenten im Kampf um das Kalifat mit den direkten Nachkommen des Propheten (dem ‚Haus Alis’) von dem die Schiiten ihre Imamkette herleiten. Zeigt sich darin der als „frühislamische Geschichte“ verfälschte Kampf muslimischer Judenchristen gegen muslimische Heidenchristen? Insofern ist der Begriff Muhammad in der Inschrift eines Umayyaden-Bauwerks durchaus klärungsbedürftig.
„Muslime“ waren zunächst alle „von der Beigesellung (Gottes-Sohnschaft) abgewandten“ Christen, mit durchaus unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Gerade deshalb kann aber vor der Vereinheitlichung zum „Islam“ (die ich Anfang des 12. Jh. sehe) keineswegs davon ausgegangen werden, dass der Begriff muhammad bei den sich bis dahin als eigenständig begreifenden muslimischen Glaubensrichtungen in einheitlicher Bedeutung verwendet wurde.
So wäre denkbar, dass muhammad(un) in einigen Gruppen keinen „arabischen Propheten und/oder Gesandten“, aber ebenso wenig Jesus meint, sondern z.B. einen erwarteten Messias (= Christus) – und tatsächlich taucht dies als These bei Popp auf, der den Islam ursprünglich durchaus in Arabien entstehen ließ. Deshalb darf die Suche nach einer Lösung nicht in Philologie stecken bleiben (wie bei Luxenberg), nicht in kirchengeschichtlicher Dogmatik (wie bei Ohlig), sondern muss geschichts- und chronologiekritisch umfassender vorgehen.

Literatur:
Busse, Heribert (1997): Die arabischen Inschriften im und am Felsendom in Jerusalem. In: Das Heilige Land. 109 , S. 8–24
Deutschlandradio Kultur (9.8.2006), Moderation Rolf Cantzen: Der Koran – historisch-kritische Auseinandersetzungen. (Internet)
Illig, Heribert (1994): Doppelter Gregor – Fiktiver Benedikt. Pseudo-Papst erfindet Fegefeuer und einen Vater des Abendlandes. VFG 2, 20-39
- (1996): Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte. Düsseldorf
Kögel, Gerd (2003): Was steht wirklich im Koran? Wie steht er zum Christentum? Die Thesen des Islamgelehrten Luxenberg. Zeitensprünge 1, 191-203
Lüling, Günter (1981): Die Wiederentdeckung des Propheten Muhammad. Eine Kritik am christlichen Abendland. Erlangen
- (1993): Über den Urkoran. Ansätze zur Rekonstruktion der vorislamisch-christlichen Strophenlieder im Koran. Erlangen. Erweitert: (2003): A Challenge to Islam für Reformation. Dehli
Mavro di Mezzomorto (d.i. Volker Popp) (2002): Mohammad auf Abwegen. Mainz
Müller, Z. A. (2002): Yesdegird und Djalali. Zu persischen und islamischen Kalendern. Zeitensprünge 2, 341-364
- (2003): Leserbrief zum Hinweis auf Christoph Luxenberg. Zeitensprünge 1, 235ff
- (2003): Leserbrief zu Kögel und Illig (Luxenberg – Lüling) Zeitensprünge 2, 462f
Popp, Volker (o. D.): http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/mainframe.html
- Christen im frühen Islam III.
- Omaiyadisches Christentum: http://www.alevi_forumu.de
Topper, Uwe (1998): Ein neues Bild des mittelalterlichen Spanien. Über das Werk von Ignaz Olagüe. Zeitensprünge 3, 466-491
Zeller, Manfred (1993): Das Kalifat der Omajjaden. Der Iran in frühislamischer Zeit. VFG 3-4, 69-110

Zur Übersetzung von : muhammadun abdu allahi wa-rasulluhu

Während Popp überwiegend numismatisch argumentiert, widmet sich Luxenberg ganz der Philologie. Dabei ist entscheidend, dass er den Ausdruck muhammadun als Gerundivum deutet („gelobt sei“, „zu loben ist“). Diese grammatische Form (und damit eine entsprechende Wortform) gibt es im Arabischen aber nicht. Die Behauptung, das sei Aramäisch, ist durch nichts untermauert. Deshalb müssten zur Belegung der These ganz andere Beweise vorgelegt werden; Popps Münzen reichen hier keinesfalls.
Da Popp seine Texte im Internet mit einem Link für Kommentare per Mail versehen hat, sandte ich ihm Ende 2006 in Kurzform diesen Einwand, vergaß dies aber bald, da ich in der Zeit an mehreren Texten arbeitete. Umso verblüffter war ich, am 9.1.07 eine freundliche Mail von Herrn Ohlig zu bekommen, den ich nie kontaktiert hatte. Darin teilte er mir „auf Bitten von Herrn Luxenberg“ folgendes mit (ich fasse zusammen):

- Es sei richtig, dass es in den arabischen – oder überhaupt semitischen – Grammatiken kein Gerundivum sondern nur Partizipien gebe.
- Manche dieser Partizipien seien, abhängig vom Zusammenhang, gerundivisch zu verstehen. Zum Beispiel übersetze „Brockelmann gelegentlich gerundivisch, ohne diese Variante dann in der formalen Grammatik aufzuführen (was vielleicht erwogen werden sollte)“. Belegstellen für solche Übersetzung wurden nicht genannt.

Erst nach einer Weile begriff ich: Popp äußerte sich nicht selbst zu meinem Einwand, sondern gab an Luxenberg weiter, der wiederum Ohlig bat, mir zu antworten…ein Drei-Männer-Triomphirat?
Da es zu keinem weiteren Austausch über das Gerundivum kam, habe ich mich privat noch ein wenig kundig gemacht:
Ebenso wie der genannte Brockelmann hat schon der grammatisch hier als viel wichtiger zu nennende Reckendorf kein einziges Mal einen Bezug zu einem Gerundivum hergestellt. Muhammadun gilt allgemein als Partizip passiv im 2. Stamm und muss übersetzt werden als „der Gelobte / Gepriesene, der, der gelobt wird“; nach Wright: „der über einen langen Zeitraum -/ von Vielen – / immer wieder Gepriesene“.
Der Einzige, der ein Gerundivum nennt („löblich“), scheint Wehr zu sein. Die Gründe für diese Nennung sind mir nicht bekannt (und Luxenberg offenbar auch nicht).
Angesichts dieser einen Ausnahme und angesichts der Brisanz der Frage muss eine genaue Untersuchung der einzelnen Stellen, an denen muhammadun auftaucht, gefordert werden darauf hin, ob stets gerundivisch zu übersetzen möglich ist. Die zwei oder drei Beispiele von Luxenberg reichen keinesfalls; vielmehr sind daraufhin alle Parallelformen zu untersuchen. Nur dann kann entschieden werden, ob es das Gerundivum als grammatische Form wirklich gibt (oder einst gegeben hat), und ob es in diesem Falle vorliegt.

Brockelmann, Carl (1956): Arabische Grammatik
Reckendorf, Hermann (1921): Arabische Syntax. Heidelberg, 2.Bde.
Wehr, Hans (1952): Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Leipzig.
Wright, W. (1874): Grammar for the arabic language. Cambridge

19:09
16. April 2008


DB

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Beiträge 75

In der ersten Zeile meines Verweises 975 ist das Wort Islam natürlich durch das Wort Iran zu ersetzen. Mein Hinweis bezieht sich allerdings zunächst auf die Religion des Zarathustra.
Als ich mich in den Jahren 1997 ff. intensiver mit dem Islam beschäftigt habe, bin ich zur Auffassung gelangt, dass wesentliche des fiktiven Mohammed aus der historischen Person des Zarathustra abgeleitet. Die Frage war damals nur – warum ? Später las ich dann, dass auch angelsächsische Wissenschaftler diese Ableitung bemerkt hatten.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Islam keine retrospektive Zeitrechnung kennt, sondern vor der Hidschra mit der Seleukidenära rechnet, was von den Sassaniden übernommen worden sein soll. Für mich undenkbar, dass gerade diese Dynastie diese Ära nutze. Man sollte daher prüfen, ob die vermeintliche Ära nicht tatsächlich eine Achaemenidenära ist und nur wegen einer weiteren Phantomzeit, die den bei der Einführung der christlichen Zeitrechnung in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts notwendigen Sprung um 297 Jahre zur Vollendung eines Osterzyklus erklären würde.
Ich hatte Illig schon 1999 darauf hingewiesen, dass die christliche Zeitrechnung, nicht die Rechnung seit Christus, durch bloße Verschiebung um 532 Jahre zustande kam. Zuvor wurde die Geburt Christi im Jahr 533 im 42. Jahr des Augustus angesetzt und der Beginn der Regierung Justinians auf 1051.
Durch die Verschiebung kam Justinian dann zunächst ins Jahr 532, um mit ihm einen neuen Zyklus beginnen zu können, und erst später in die Jahre 527. Allerdings wurde Heinrich IV auch erst 1111 beigesetzt, obwohl er schon 1106 verstorben sein soll. Die Differenz zwischen 1111 und 814 beträgt im Übrigen genau 297 Jahre und auch der tatsächliche Regierungsbeginn Heinrich IV im Jahr 1065 trennt den Regierungsbeginn Karl I im Jahr 768 um genau 297 Jahre. Auch dies sollte man näher prüfen und ggf. das Schisma 1054 hinterfragen, da es möglicherweise ein Abfall oder besser noch eine Hidschra war mit der Begründung eines von Ostrom unabhängigen Kalifats Heinrich III in Form der röm.-kath. Kirche. Zu beachten ist, dass Heinrich III 1029 König von Burgund wurde.

14:14
19. April 2008


mz

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Beiträge 47

Zu jb’s Frage (Verweis-ID: 975) nach der Ära von Gadara:

Ich zitiere wörtlich nach V. Popp, S. 58 [in Ohlig (Hg.) 2007]: „Die Münzen von Gadara waren datiert. In der Sammlung des Franziskanerklosters in Jerusalem findet sich ein Exemplar des 1. Jahres der römischen Besatzung. Jahr 1 von Rom ist 64/63 v. Chr. In der Inschrift von Mu’âwiya wird als städtische Ära das Jahr 726 angegeben.“
Eine Fußnote dazu: „Augustus Spijkerman, The Coins of the Decapolis and Provincia Arabia. Jerusalem 1978, p. 128-29, No. 1. Die Münzprägung von Gadara endet im Jahr der Stadt 304 = 240/41 n. Chr.“

Zu den Umdatierungen:

Alle Versuche die Anfänge der „Islamischen Ära“ oder – wie hier genannt – „Ära nach den Arabern“ in frühere Zeiten zu verlagern, bleibt reine Zahlenspielerei, wenn keine archäologischen Beweise vorgebracht werden können, die dies stützen.

Die arabo-byzantinischen Münzen sind von Münzen des Haraclius und seiner Nachfolger abhängig. Die arabo-sassanidischen Münzen tragen das Bildnis und die Standardinschrift Chusros II. in mittelpersischer Sprache, so auch auf einer Silberdrachme aus Bishapur [Münzkabinett Berlin]:

Vorderseite: „Al-Haggag bin Yussuf – Der königliche Glanz ist vermehrt worden“ [Kufisch/Mittelpersisch]. Drapierte Büste mit diademierter Kronhaube mit zwei Mauerzinnen, darüber zwei Flügel, nach rechts. Außen das islamische Glaubensbekenntnis.
Rückseite: Feueraltar flankiert von zwei Assistenzfiguren. Rechts Münzstättenkürzel BYSh und links Jahr 76 [A. H.] (= 695 n. Chr.).

Zur Zeit werden zwei Umdatierungen vorgeschlagen, Verschiebung um 297 oder 198 Jahre. Beide führen zu einem ausgezeichneten Datum für den Start der Arabischen Ära:

622 – 297 = 325 –> Konzil von Nizäa / Regierung Konstantins I. (306-37)
622 – 198 = 424 –> Unabhängigkeit der Persischen Kirche / Regierung Theodosius’ II. (408-50)

Aus Sicht des Ostens scheint das zweite Datum vielversprechender zu sein. Man müsste aber ein schlüssiges archäologisches und historisches Konzept entwerfen. Ich möchte hier auf einen Punkt vorgreifen, der in den Materialien Teil 4 noch nicht ausgeführt ist:

Nach den numismatischen Untersuchungen von Volker Popp scheint al-Ma’mûn der erste Kalif im heutigen Sinne zu sein, der sich selbst als Stellvertreter Gottes auf Erden gesehen hat und nicht in Stellvertretung des Muhammad als Stellvertreter Gottes regiert hat. Popp sieht hier den Übergang von einer proto-schiitischen zu einer proto-sunnitischen Herrschaftsform. Unter al-Ma’mûn werden die frühesten islamischen Münzen in Mekka geprägt (Belege für die Jahre 201, 203). Bei einer Verschiebung um 198 Jahre käme seine Regierung in die Zeit, die konventionell dem Heraclius zugeschrieben wird.

PS: Ich habe in Materialien Teil 4 Ergänzungen eingetragen.

19. April 2008

PS 2: Da in der Antwort von zam von den Koranfragmenten aus dem Jemen die Rede war, hier ein Link dazu:

http://www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/1999/3/20-UdS_neues_zentrum.html
http://www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/1999/4/10-Koran-f.html
http://www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/2000/1/16-Religionswissenschaft-f.html
http://www.uni-saarland.de/de/profil/veroeffentlichungen/campus/

Eine kritische Stimme:

http://meine-islam-reform.de/attachments/130_Luxenbergs%20Visionen.pdf
http://meine-islam-reform.de/

Noch ein Link (Presseschau aus Österreich):

http://www.europainstitut.at/upload/artikel/artikel_18.pdf
http://www.europainstitut.at/upload/publikationen/publikation_29.pdf

20. April 2008

06:10
21. April 2008


jb

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Beiträge 477

DB schrieb im Beitrag 977:
Ich hatte Illig schon 1999 darauf hingewiesen, dass die christliche Zeitrechnung, nicht die Rechnung seit Christus, durch bloße Verschiebung um 532 Jahre zustande kam. Zuvor wurde die Geburt Christi im Jahr 533 im 42. Jahr des Augustus angesetzt und der Beginn der Regierung Justinians auf 1051.
Durch die Verschiebung kam Justinian dann zunächst ins Jahr 532, um mit ihm einen neuen Zyklus beginnen zu können, und erst später in die Jahre 527.

Hier würden mich Quellen und/oder Gründe interessieren, die Ihre Auffassung stützen. Wer hatte vor der Einführung der christlichen Zeitrechnung Christi Geburt ins Jahr 533 und Justinians Regierungsbeginn auf 1061 datiert?

09:11
21. April 2008


jb

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Beiträge 477

DB schrieb im Beitrag 978:

Gleiches gilt zur Behauptung Beauforts, der Islam habe zu Beginn des 10. Jahrhunderts in voller Blüte gestanden, weshalb nun viele Autoren den Islam vor 622 suchen.

Mir scheint der Islam eine Reaktion auf Justinians Verbot des "Arianismus" zu sein. Er stellt sich mir als Ergebnis eines Vertrages der Shi'iten (d. h. der antitrinitarischen "Arianer") mit Muawiya dar:

Justinian hatte sich im Streit zwischen antitrinitarischen „Arianern“ und trinitarischen Kopten auf die Seite der letzteren geschlagen. Irgendwann muss es zu einer Rebellion der Shi’iten („Arianer“) gekommen sein. Vermutlich erhielten sie Unterstützung von persischen Truppen. Entscheidend für die Entstehung des Islam war m. A. n. die Schlacht bei Siffin und deren Nachspiel im Jahre 657 CE (konventionell datiert). Muawiya gab hier kurz vor einer drohenden militärischen Niederlage bekannt, den Koran (m. A. n. den "Urkoran", das noch weitgehend christlich geprägte heilige Buch der Shi'iten) anerkennen und unter diesem Vorzeichen Verhandlungen führen zu wollen. Sowohl die Person des Muawiya als auch die Schlacht bei Siffin werden von Shi'iten und Sunniten stark unterschiedlich bis widersprüchlich erinnert und gedeutet. Einig sind beide aber darin, dass es um eine Schlacht zwischen zwei muslimischen Gruppierungen ging. Ich halte das für eher unwahrscheinlich. Die Schlacht kann sogar selbst eine Erfindung sein. Der Vertrag war es allerdings nicht. Vielmehr war er die Geburtsstunde des Islam sowie auch des islamischen Gründungsmythos: Sowohl Muawiya als auch die shi'itischen Imame wurden darin zu Verwandten Mohammeds mit legitimen Herrschaftsansprüchen. Der vormals möglicherweise byzantinische Schützling Muawiya unterwarf sich den Geboten des Koran und wurde dafür von den Shi’iten als Kalif anerkannt („Paris vaut bien une messe“).

657 wäre demnach das Entstehungsjahr des Islam als Zusammenschluss von Shi’iten und Sunniten. Mag sein, dass es eine Art quraischitischen oder umayyadischen Prä-Islam mit einem Gründer Mohammed gegeben hat. Das ist sogar wahrscheinlich, denn der Islam hat offenbar arabische Wurzeln. Der Koran wurde dagegen eher von den Shi’iten in die gemeinsame Religion eingebracht, wobei aus der Übersetzung ins Arabische wohl zugleich eine tiefgreifende Überarbeitung geworden ist.

Soweit meine augenblickliche Sicht auf die Entstehung des Islam. Wie das alles zeitlich einzuordnen ist, ist eine andere Frage. Ich möchte nicht gerade behaupten, sie endgültig beantworten zu können. Viel hängt davon ab, wie das Jahr 1 Hidschra gemäß CE oder BP zu datieren ist.

20:45
22. April 2008


DB

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jb in Verweis 997:

In Kurzfassung – Beda Venerabilis in seiner Abhandlung De temporum ratione – Wattenbach übersetzte dann Christi Geburt +1.

In der Abhandlung befinden sich Ostertafeln für den Zeitraum 532 bis 1063. Tatsächlich fehlen die letzten 12 Jahre, so dass die Abhandlung mit dem Jahr 1051 – Justinian – endet.

21:37
22. April 2008


DB

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Beiträge 75

Ergänzung zum letzten Hinweis:

Illig vertrat damals die Meinung, das 42. Jahr des Augustus sei gem. Schedels Weltchronik (immerhin schon 1493 u.Z.) das Jahr 0, wohingegen ich die Ansicht vertrat und vertrete, das sei das Jahr 14, da die Rechnung der Jahre des Augustus mit dem 16.01.27 v. u. Z. beginnt. Demgemäß ist Christ Geburt – reichsdogmatisch dann auch im 4. Jahrhundert vertretbar – auf den 25.12.14 gesetzt und damit nach dem Tod des Gottes Augustus.

Dies setzt natürlich ein konstruiertes Christentum im Wege der Göttervermischung (griechisches Wort ist mir grade nicht präsent) nach der Machtübernahme Konstantins im Osten 325 ff. zum Zwecke der Ersetzung des Kaiserkults mit seinen Vielen Gottkaisern voraus. Hier folgt Konstantin den Sassaniden, die ihre Könige schon als Stellvertreter Gottes ansahen, und hier sicher den Achämeniden folgten.

Bei Christi Geburt im Jahr 14 u. Z. ist die Ära des Osterzyklus bei 519 v. u. Z. und im Umfeld der Religion des Zarathustra – Tempel in Jerusalem ist symbolisch zu verstehen – zu suchen. Dann steht der Osterzyklus nicht in Beziehung zum Christentum, sondern zum persischen Neujahr.

22:00
23. April 2008


DB

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Hinweis an jb – Änderung im Verweis 1004

15:22
24. April 2008


jb

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Beiträge 477

DB schrieb im Beitrag 1004:

In Kurzfassung – Beda Venerabilis in seiner Abhandlung De temporum ratione – Wattenbach übersetzte dann Christi Geburt +1.

In der Abhandlung befinden sich Ostertafeln für den Zeitraum 532 bis 1063. Tatsächlich fehlen die letzten 12 Jahre, so dass die Abhandlung mit dem Jahr 1051 – Justinian – endet.

Hier sind sämtliche Werke Bedas nachzulesen, auch De temporum ratione: http://oll.libertyfund.org/files/1917/0990.06_Bk_SM.pdf.

Von welchem Kapitel spricht DB? Kapitel LXVI gibt einen chronologischen Abriss, der Justinian erwähnt, aber diesen traditionell einzuordnen scheint.

20:38
24. April 2008


DB

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Beiträge 75

Genauer Hinweis für jb:

Habe mir 1998 eine Ausstellung des Diözesanmuseums Köln mit alten Handschriften aus dessen Bestand angesehen und den Katalog mitgebracht "Glaube und Wissen im Mittelalter – Die Kölner Dombibliothek". Darin Beda Venerabilis, Naturlehre, etc. in Dom.Hs. 103- Köln 795- auf Seite 129 beginnend und auf Seite 133 gibt es eine Inhaltsangabe der Teile 9r bis 22v den Tabellen des Osterzyklus, beginnend 532 und endend 1063.

Auf Seite 9r sind Kolumnen und unter 11. kommen Annales. Diese beginnen 533 mit "Jesus Christus Dei filius natus est anno XLII Octaviani Augustus und enden 1051 (mit Justinian). Die Regierungsantrittsdaten der nachfolgenden röm.-byz. Kaiser und fränkische Könige bis Carlus (Karl I. Seite 15v) finden sich bei den den entsprechenden Jahreszahlen der Zyklen (auf A.D.1 ff. umgerechnet bei Jaffé / Wattenbach 1874, 131-133).

Die Handschrift soll für Erzbischof Hildebald (vor 787-818) entstanden sein. Dem Kölner Humanisten Johannes Bronchorst (Noviomagus, 1494-1570) diente sie 1537 zur Edition der Schulwerke Bedas.

In der Handschrift befindet sich die Kombination des antiken "Cyclus lunaris" mit dem "Cyclus solaris", des Weks Bedas und hier die von Dionysius Exiguus für die Jahre 532-626 berechneten und dann von Beda für 627- 1063 weitergeführten Tafeln des " Cyclus decemnovennalis", d. i. der Osterzyklus.

Auch der Kölner Annalist selbst beginnt seine Weltgeschichte mit der Geburt Jesu Christ im Jahr 532, weshalb "der Leser die Daten bitte umrechnen möchte auf das Jahr 1 = 532.

Da das Jahr 795 in die FZ fällt und Illig wohl richtig Beda im 11. Jahrhundert vermutet, steht die Handschrift für meine These, dass die Einführung der christlichen Zeitrechnung erst nach 1054 – Entstehung der römisch-katholischen Kirche – in Abgrenzung zur bisher verwandten Weltenära Ostroms.

Auch die konventionelle Geschichtsdarstellung, ich hatte Illig u.a. Mayer zitiert, geht davon aus, dass die christliche Zeitrechnung erst in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts und die retrospektive Zeitrechnung, also vor Christus durch Einführung der Null, sogar erst in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts kam.

Daher gehe ich davon aus, dass die Illigsche FZ durch die Einführung bei Verschieben der alten Daten um 532 Jahre quasi zwangsläufig oder gezielt wegen der Differenz zwischen 325 + 622 erfolgte. Die sog. Malekiära rechnet jedenfalls auf 325, ist aber nicht islamisch. Die Hidschra folgt der Ära des Maleki.

06:25
26. April 2008


jb

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Beiträge 477

DB schrieb im Beitrag 1013:

Auf Seite 9r sind Kolumnen und unter 11. kommen Annales. Diese beginnen 533 mit “Jesus Christus Dei filius natus est anno XLII Octaviani Augustus und enden 1051 (mit Justinian). Die Regierungsantrittsdaten der nachfolgenden röm.-byz. Kaiser und fränkische Könige bis Carlus (Karl I. Seite 15v) finden sich bei den den entsprechenden Jahreszahlen der Zyklen (auf A.D.1 ff. umgerechnet bei Jaffé / Wattenbach 19874, 131-133).

Bemerkenswert! Vor allem stellt sich mir jetzt die Frage, bei welchen Jahren welche fränkischen Könige eingetragen wurden.

In Bezug auf die Datierungen von Jesus und Justinian bin ich gleichwohl skeptisch: Wenn es sich so verhielte, wie Sie schreiben, dass der Autor also Jesu Geburt ins Jahr 533 gesetzt hätte, wäre zu fragen, auf welches Ereignis sich dann die Epoche dieser Zeitrechnung bezöge. Also wann wäre das Jahr 1 dieser Ära anzusetzen und warum?

Aus diesem Grund würde ich vorerst eine andere Deutung vorziehen: Es handelt sich in meinen Augen bei der betreffenden Zeitrechnung durchaus um die übliche christliche Ära – und zwar genauer um deren zweiten 532-jährigen Zyklus. Nur wurden hier auch Personen und Ereignisse des ersten Zyklus eingetragen. Ein solcher Vorgang scheint bei Osterzyklen nichts Ungewöhnliches zu sein: In der Ostertafel am Sockel der Hippolytstatue etwa werden die wichtigsten Lebensdaten Jesu hinter den entsprechenden Jahren des (16- bzw. 112-jährigen) Zyklus erwähnt – siehe meinen Artikel Hippolyt und die Hekkaidekaëteris.

Es wäre interessant zu erfahren, wie Ulrich Voigt die Lage einschätzt.

13:52
26. April 2008


DB

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Beiträge 75

Die Meinung von Ulrich Voigt würde mich auch interessieren.

Zur Epoche des Osterzyklus teilte ich bereits mit, dass vor allem wichtig, das 42. Jahr des Augustus zu definieren. Ich sagte hierzu bereits im Verweis 1005, dass es das Jahr 14. u. Z. sei und demgemäß die Epoche im Umfeld der Begründung der Religion des Zarathustra zu suchen ist, und diese griff Darius I. auf.

Ich habe auch ein vorzügliches Buch, das Zarathustra deutlich später datiert und er demnach Darius I. kannte. Den Inhalt des Buches und seinen Autor wollte ich allerdings erst später bekanntgeben, da ich mich zunächst – so ich Zeit habe – mit dem Metacharakterismos beschäftigen wollte, der in der Debatte um Konstantin VII. wohl falsch interpretiert wird, so Illig 1999.

Mit Bezug auf die Diskussion in den neunziger Jahren zu fehlenden 200 Jahren bei den Achämeniden und Seleukiden ist natürlich das von Voigt gefundene Kopfjahr 222 (Alexander) sowohl des Namen wegen als auch des Datums selbst zu beachten. 222 – 532 = 311, Epoche der Seleukidenära. Wenn diese wegen fehlender Jahre mit einer Achämenidenäre identisch ist, wäre das Rätsel gelöst, warum die Sassaniden vermeintlich die Seleukidenära nutzten.

Zudem bestätigt sich in diesem Fall mein Verdacht, dass alle drei Buchreligionen aus der Religion des Zarathustra abgeleitet sind, was vor dem Hintergrund zunehmender Diskussionen über die Ursprünge des Islam geprüft werden sollte. Man denke hier bitte auch an Äußerlichkeiten – Schleier, Weihrauch, ewiges Licht, etc., aber auch den Heiligen Geist und den Teufel, sowie Manis Idee von Ahura Mazda als Gottvater und Mitra als Gottsohn.

15:34
27. April 2008


mz

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Materialien Teil 5 – Chronologie anhand zeitgenössischer Quellen (Stand 27. April 2008)
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591

Der Sassanidenherrscher Chosrau II. wird mit Hilfe eines römischen Heeres (unter Imp. Mauricius) auf den Thron zurückgebracht.

597

Der Jemen unter sassanidischer Herrschaft.

602

Ende der den Persern als Grenzwacht dienenden Lachmiden von Hira (Südmesopotamien).
Chosrau II. wirft sich zum Rächer seines ermordeten Förderers, des Imp. Mauricius, auf und unternimmt Feldzüge gegen den neuen Imp. Phocas.

610

Sieg des Heraclius über Phocas. Die Perser setzen den Krieg fort.

613

Die Perser siegen bei Antiochia. Vernichtende Niederlage der Römer.

614

Die Perser erobern Jerusalem. Entführung des hl. Kreuzes.

619

Die Perser erobern Ägypten. Der gesamte römische Orient unter persischer Herrschaft.

622 (1)

„Das Jahr der Araber“: Der Imp. Heraclius bricht zum Kampf gegen die Perser auf. Überraschungssieg über eine persische Armee in Armenien.

623-628

Heraclius hält sich mit einem Heer lokaler Hilfstruppen (foederati) im Gebiet des Sassanidenreichs auf. Im Jahr 627 ist der Gegner zermürbt; Heraclius schlägt die Perser auf ihrem eigenen Gebiet bei Niniveh. Im Frühjahr wird die königliche Residenz Dastagird geplündert.

628

Chusrau II. wird von Höflingen ermordet. Verzichtfrieden: Die Perser ziehen ihre Truppen aus den besetzten römischen Gebieten zurück.

630

Heraclius besucht Jerusalem mit der von den Persern zurückgegebenen Kreuzesreliquie. Die Machtverhältnisse lassen sich nicht mehr im Sinne von Konstantinopel klären. Heraclius entschließt sich zur Aufgabe des römischen Orients. Annahme des griechischen Titels Basileus. Prätorianer in Syrien in Nachfolge der Sassaniden wird später Maavia (Mu’awiya).

641 (20)

Mit dem Tode des Heraclius endet die Bündnistreue der „foederati“. Diese werden später arabisch „Quraisch“ genannt. Zusammenbruch der sassanidischen Herrschaft im Iran. Beginn der arabischen Selbstherrschaft im Osten. Erste Münzprägung der arabischen Emire der Deportierten im Iran.

662 (41)

Maavia verwaltet Syrien weiterhin als Prätorianer der Römer. Um die Araber Irans auf seine Seite zu ziehen, führt er die sassanidische Politik gegen Konstantinopel fort und lässt sich zum ersten „amîr al-mu’minîn“ in der Persis bestimmen (Münzprägung).

663 (42)

Maavias Inschrift in Gadara ist nach drei Systemen datiert.

674 (53)

Gescheiterter Angriff auf Konstantinopel. Mu’awiya verliert den Rückhalt im Osten, dort wird al-Zubair amîr al-mu’minîn (Münzprägung). Krieg zwischen den Arabern Irans und Syriens.

681 (60)

’Abd al-Malik aus Marw (Chorassan) stößt zwischen die kämpfenden Parteien und kann mit seinen Anhängern Jerusalem erobern. Seine religiöse Bewegung erwartet die Wiederkehr des eschatologischen Messias und das Weltende in Jerusalem (Münzprägung).

693 (72)

Der Tempel wird als Felsendom wieder aufgebaut (Inschrift).

698 (77)

Die Parasieerwartung endet im Jahr 77 der Araber mit einer Enttäuschung. Jerusalem wird aufgegeben. Al-Walîd regiert in Damaskus (Münzprägung).

707 (86)

Al-Walîd lässt an seinem Heiligtum in Damaskus eine Inschrift anbringen. Der eschatologische Jesus wird nicht mehr als ’Isâ bn Maryam erwähnt, sondern nur noch als „muhammad(un)“, d.h. der „Gepriesene“, der „Erwählte“.

746 (125)

Bis zum Tode Hîschams, des letzten Sohnes ’Abd al-Maliks, Herrschaft der chiliastischen Bewegung aus Marw.

748 (127)

Interregnum, Regentschaft in Stellvertretung (Khalîfat) des „Mannes aus Marw“, d.h. Marwân (Bleibullen).

748 (127)

Aufstand in Zentraliran (Kirmân, Isfahân) der Anhänger einer Jesus-Vorstellung als ’Alî (erhaben).

749 (128)

Die Kirmanier überfallen Marw. Münzprägung mit Inschrift: Âl-Kirmânî bn ’Alî.

749 (128)

Abu Muslim sammelt Anhänger in Ostiran und Chorassan, um das Kalifat des „Mannes aus Marw“ (Marwân) zu beenden. Er führt die Âl-Muhammad. Diese sind Anhänger des eschatologischen Jesus, des „muhammad(un)“ (Münzen).

754 (133)

Beginn der Herrschaft der Âl-Muhammad in Ägypten. In Mesopotamien kommt es zur messianischen Herrschaft der Hâschim und der Banu ’Abbâs.
Es kommt zur Defacto-Herrschaft des eschatologischen Jesus, in dessen Stellvertretung (Kalifat) das Regiment geführt wird von Nachkommen der „bn amîr al-mu’minîn“ (der Familie ’Abd al-Maliks in Marw). Die messianische Herrschaft wird im Namen verschiedener Prädikate des eschatologischen Jesus ausgeübt: al-Saffâh, al-Mansûr, al-Mahdî (Münzen).

778 (157)

Erste bekannte Münzprägung in al-Yaman (Zentralarabien): anonyme Kupfermünzen im Namen der Vertretung der Herrschaft des Mâhdî.

um 790 (169)

Neues Konzept der Herrschaft: Jetzt in Vertretung des Bevollmächtigten des Bundes der Friedfertigen (muslimîn), Mose und Aaron

793 (172)

Erste bekannte islamische Münzprägung in San’â’ (Jemen): Silbermünzen nach lokalem Standard.

um 800 (179)

Herrschaft im Namen des Mose (Mûsâ), des Heilands (al-Hâdi), des geliebten Sohnes (al-Mardî), des „so sei es“ (al-Amîn), des Aaron (Harûn), des Gerechten (al-Raschîd) (Münzen).

817 (196)

Münzprägung des Kalifats al-Mâ’mûn und des Kalifats al-Imâm.

822 (201)

Erste Erwähnung von Mekka auf Münzen.

824 (203)

Zweite Erwähnung von Mekka auf Münzen.

824-26 (203-05)

Münzen mit Nennung des Imâms ’Alî al-Ridâ (Titel: „Beauftragter für den Bund der Friedfertigen“) sowie des Wesirs Al-Fadl bn Sahl (Titel: „Der mit den zwei Kommandos“).

um 831 (210)

Beginn des Niedergangs der Herrschaft al-Mâ’mûns. Letzte Nennung auf Münzen: 209 Ostiran, 210 Samarkand, 215 Ägypten. Münzen des Tahiriden Talha: 210 Abarshahr. Anonyme Münzen: 217 Samarkand, Marw, al-Quds (Jerusalem), Jemen.

ca. 840 (219)

Beginn des abbasidischen Kalifats (al-Mu'tasim). Gründung von Sâmarra. Einrichtung der Rechtsschulen nach altem zoroastrischem Vorbild, ebenso der Stiftungen für die Seelen. Übergang von einer proto-schiitischen auf eine proto-sunnitische Herrschaftsform.

Quelle: K.H. Ohlig (Hg.) 2007 (s.o.)

14:03
1. Mai 2008


mz

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Beiträge 47

Nochmal zu den Münzen aus Gadara – Die Ära der Decapolis:

Die Münzen haben eine griech. Beschriftung: H = Eta, C= Sigma, W = Omega

Quasi-Autonom – Bild der Athena / LA/ROMH (1)
Quasi-Autonom – Bild der Tyche / GADA-ARA L IH (18)
Quasi-Autonom – Bild der Tyche / GADA/REWN LEK (25)
Augustus – SEBASTW – KAISARI / GADAREIS L LD (34) = 31/39 BC
Tiberius – TIBEPIW KAICAPI / GADAPEIC LyB (92) = AD 29/30
Gajus Caligula – …RILRA… / GADARA LRD (104) = AD 40/41
Claudius – CEBACTOC / GADARA LHP (108) = AD 44/45
Claudius – CEBACTWI KAICAPI / LDIR (114) = AD 50/51
Nero – NERWN / GADARA LALP (131) = AD 67/68
Vespasian – OYECPACIAN OC KAICAP / GADARA LELP (135) = AD 71/72
Titus – TITOS KAISAP / LZLP (137) = AD 73/74
Antoninus Pius – AYT KAIC ANTWNEINOC CEBEYC / GADAPEWN•GKC (223) = AD 159/60
Marcus Aurelius – AUT KAIC M NUR ANTWNEINOC / GADAREWN DKC (224) = AD 160/61
Lucius Verus – AYT KAIC L AYPOYHPOC / GADARE-WN DKC (224) = AD 160/61
Lucius Verus – AYT KAICAP – L •AYPOVHPOC / PO M GA*-DAR • EKC (225) = AD 161/62
Faustina Sr. – FAVCTINA CEBACTH / GADAREWN•EKC (225) = AD 161/62
Marcus Aurelius – AUT KAIC M NUR ANTWNEINOC / GADAREWN DKC () = AD 160/61
Commodus – AVT K L AVP KOMMODO / GADAR EMC (245) = AD 181/182
Gordian III. – AUTOK K MAR ANTW GORDIANOC / POMP GADAREWN GT (303) = AD 239/40
Gordian III. – AUT K M AN GRODIANO / POMP GADAREWN DT (304) = AD 240/41

Quelle: http://www.forumancientcoins.com/

Münzfunde in Schweden

Eine Meldung vom 5. April 2008:

LONDON, (CAIS) — Swedish archaeologists say they have uncovered a horde of Viking-era silver coins near Stockholm's Arlanda international airport in the country's Uppland region.

Swedish National Heritage Board (SNHB), announced the find as about 450 silver coins — representing the largest collection of coins from the era found in the region during the modern age, Swedish news agency TT reported Friday.

According to SNHB the coins are dated between 500 CE to 840 CE. The earliest coins are of Sasanian-Iran and later ones are Islamic Arab-Sasanian coins which were minted in Baghdad, Damascus and North Africa. The hoard appear to have been buried around 850 CE near a grave that is thought to be about 1,000 years older than the finds and no human remains were found. According to Karin Beckman-Thoor, an archaeologist with SNHB, Vikings that buried the hoard thought they may be guarded by the ancestral souls.

In July 1999 and November 2006 over 1,100 similar coins belonging to Sasanian and Arab-Sasanian periods were discovered in Swedish island of Gotland.

A number of news agencies including the BBC have reported the find as 470 purely Arab coins dated between 7th and 9th century CE.

Quelle: The Circle of Ancient Iranian Studies http://www.cais-soas.com/News/2008/April2008/05-04.htm

Siehe auch: http://www.thelocal.se/10906/20080404/ http://www.thelocal.se/gallery/49/6/

Die verlinkte Meldung vom 2. November 2006:

LONDON, (CAIS) — Swedish experts have confirmed the finding of over 1,100 silver Sasanian and Arab-Sasanian coins in a Viking-era hoard discovered by chance on the Swedish island of Gotland.

The treasure was believed to have been buried in the 10th century and weighed about 3 kilos (7 pounds), local curator Majvor Ostergren told the TT news agency.

Edvin Sandborg, 20, and his 17-year-old brother Arvid said they found the hoard last week when they were helping a neighbor with his garden.

The brothers said they dug up more than 100 coins and decided to contact a local museum, which sent archeologists to excavate the site.

Officials said the two brothers could expect a finder's fee from the government, but it was unclear how much they would be paid.

Dozens of silver hoards have been uncovered on Gotland, the largest island in the Baltic Sea, which used to be a major trade center for the Vikings.

Over 700 Viking treasure troves have been found on the island of Gotland, which lies off Sweden's east coast. The world's largest known Viking hoard was found on the island in 1997. The find included coins and jewelry, amounting to about 65 kilos (143 pounds) of silver and 20 kilos (44 pounds) of bronze.

Die verlinkte Meldung vom 20. Juli 1999 (Schatzfund von Spillings):

On Sunday 16th July 1999 the most sensational hoard discovery of the 20th century was made at Spillings in Othem Parish in Sweden.

It turned out to be the largest preserved Viking Age hoard in the world, and had been deposited in two caches situated three metres apart and weighing a grand total of 65 kilos!

The components of the hoard – or rather hoards – are all considered to be nothing other than a medium of exchange. Several of the artefacts would seem to have originated from Scandinavian regions, but even objects from Ireland in the West to Russia in the East can be traced in the silver hoards. Much of the material has been grouped into units of equal weight. Both the hoards also include 12 000 – 13 000 coins [genau 14 295 Stücke], the majority of which are Persian and Islamic. The coins span a period of just over two centuries, from the 7th century Sasanid Empire of Iran to the 9th century Abbasid dynasties. The most recent coin dates from 866-867, which is also the preliminary TPQ of the hoard. Two coins are so-called Hedeby coins, minted in about 825 in the town Hedeby, then situated in Schleswig-Holstein [Haithabu].

Das Königliche Münzkabinett zum Schatzfund von Spillings: http://www.myntkabinettet.se/notiser/spillings2.htm

Ein PDF zu Münzfunden auf Gotland: http://www.arkeodok.com/Nya%20filer/Silverhoard.pdf

Ein kleiner Fund (54 Münzen bei der Gartenarbeit) vom Sept. 2007.
Überwiegend Ethelred II., Otto III, außerdem Heinrich II., Olaf Schoßkönig, Sihtric (York) sowie 2 islamische Münzen des 10. Jh. aus Bagdad bzw. Taschkent: http://www.arkeodok.com/newhoard.html



 
"Es erscheint mir aber methodisch höchst bedenklich, auch im Fall bekannter Fälschungszentren das ohnehin fragwürdige Prinzip des ‘im Zweifel echt’ anzuwenden, wie dies nur allzu häufig geschieht."
C. [Brühl in ‘Die Fälschungen im Mittelalter III, Hannover 1988 (MGH-Schriften 33,III), S. 25]