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Dunkelheit oder Leere im frühen Mittelalter?

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Der frühe Islam – Materialien

BenutzerBeitrag

13:07
26. Mai 2008


mz

Member

Beiträge 47

Die “frühislamischen” Herrscher haben im Iran Münzen mit mittelpersischer Inschrift geprägt und in Nordafrika mit lateinischer Inschrift. Warum gibt es von ihnen nicht eine einzige griechische Münzprägung?

Ist es möglich, dass man ihre griechischen Münzen für die Münzen regulärer byzantinischer Kaiser hält, der Kaiser der Phantomzeit, die zum Teil als Ikonoklasten beschrieben werden? Man hätte sie dann einfach in die Reichsgeschichte integriert, um die Reichsspaltung zu verheimlichen und um leere Zeit auszufüllen.

Die Araber haben während der Phantomzeit Sizilien erobert. Wo sind ihre Spuren vor der Zeit der Normannen? Warum verlegt Konstans II. seinen Regierungssitz nach Sizilien? Wegen der Bedrohung Konstantinopels durch die Awaren oder Araber? Lächerlich! Er ist eher als ein Gegenregent anzusehen. Schon sein Vater Heraclius wurde möglicherweise in Konstantinopel gestürzt, als er mit arabischen Hilfstruppen den Krieg gegen die Perser führte. Falls diese Herrscher (bis zu Justinian II., dessen Münzen nicht mit denen des ersten Justinian verwechselt werden können) doch in Konstantinopel regiert haben, müsste die Phantomzeit entsprechend korrigiert werden.

Zur Klärung bedarf es einer Untersuchung der Fundorte der Phantomzeitmünzen.

18:25
26. Mai 2008


DB

Member

Beiträge 75

Zu mz im Verweis 1164: Sollen gb und ich hier die Debatte aus dem anderen Thread fortsetzen ?

21:35
28. Juni 2008


timeslip

Member

Beiträge 335

Da selbstverständlich auch in der arabischen Ära wie bei Römern und Persern nach Sonnenjahren gerechnet wird, entspricht das Jahr 1 der arabischen Ära dem Jahr 621/622.

Laut H.C das Jahr 1 (AH 1) beginnt n.u.Z. 816. 30. July. (200 Mondjahre=194 Sonnenjahren unterschied…)

21:14
5. August 2008


mz

Member

Beiträge 47

Ein internationales Kolloquium von Koranforschern in der Europaakademie Otzenhausen/Saar ging vier Tage lang den Ursprüngen des Islams nach

Bodo Bost berichtet in imprimatur Heft 3/2008:

Koranforscher um die Arbeitsstelle für Religionswissenschaft der Universität des Saarlandes haben den Verein „Inârah“ gegründet, was soviel bedeutet wie „Erleuchtung“. Ziel dieser Forschergruppe von Orientalisten, Islamisten, Historikern und Theologen ist es, auch für den Koran dieselben textkritischen Methoden anzuwenden, die seit langer Zeit auch für die christliche Theologie und andere Geisteswissenschaften angewandt werden. Die Saarbrücker Koranforscher vertreten deshalb eine Position, die derzeitig nur von einer Minderheit von Orientalisten vertreten wird. Bereits zwei Sammelbände hatte die Saarbrücker Forschergruppe 2005 und 2007 herausgegeben, die das bisherige Bild der Entstehung des Koran und des Islam revolutionieren. Die interdisziplinäre Forschergruppe, zu der auch der Semitist und Koranforscher Christoph Luxenberg gehört, widmet sich seit einigen Jahren der Sichtung und Neubewertung der Quellen zur Frühgeschichte des Islams. Dabei stehen die spärlichen urkundlichen Zeugnisse des 7. und 8. Jahrhunderts – meist Inschriften und Münzen – im Mittelpunkt. Diesem Ziel war Mitte März ein internationales Kolloquium unter dem Titel „Frühe Islamgeschichte und der Koran / Early History of Islam and the Koran“ in Otzenhausen/Saar gewidmet. Mitveranstalter war das “Committee for the Scientific Examination of Religion” (CSER) ein 1983 gegründetes Forschungsinstitut in Washington, DC.

Im Einleitungsreferat stellte Karl-Heinz Ohlig (Saarbrücken) den gegenwärtigen Stand der Arbeiten der Gruppe dar:

Für das 7. und 8. Jahrhundert fehlen urkundliche Zeugnisse einer neuen Religion im nahen und mittleren Osten. Die frühen arabischen Herrscher treten in ihren Urkunden entweder ohne religiöse oder mit christlichen Kennzeichen auf. Ausgangspunkt der auf das Jahr 622 bezogenen neuen arabischen Zeitrechnung und der damit verbundenen Zeitenwende scheint der Beginn einer arabischen Alleinherrschaft in Syrien zu sein, der mit dem Sieg der Byzantiner und ihrer arabischen Verbündeten unter Herakleios über die Sassaniden unter Chosrau II. in diesem Jahr zusammen hängen könnte. Mit dem endgültigen Zerfall des Sassanidenreiches im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte dehnte sich der Machtbereich der arabischen Hilfstruppen der Byzantiner auch auf den iranischen Raum aus. Auf Münzen aus dem Osten dieses Raumes tritt erstmals ab 660 als eine unter mehreren Herrschaftsdevisen die Losung “MHMT / muhammad” auf, wörtlich “der Gepriesene / der Gelobte” (benedictus). Hierbei handelte es sich – und dies ist der Kern der theologischen Neubewertung – zunächst um eine Ehrenbezeichnung für Jesus Christus, wie noch in der aus dem Jahre 691 stammenden Inschrift Abd el-Maliks im Innern des Felsendoms zu ersehen ist. Die Christologie der arabischen Herrscher stand allerdings in einem markanten Gegensatz zu Byzanz, dessen Lehre von der Gottessohnschaft und Dreieinigkeit abgelehnt wurde. Wesentliche Aussagen des in dieser Zeit in Entstehung begriffenen Korans stimmen mit diesem syrischen “vornizäischen” Christentum überein. Erst im Verlaufe des 9. Jahrhunderts wurde der zunehmend abstrakt verstandene und von der Person Jesu losgelöste Begriff “muhammad” sekundär mit neuen theologischen und biographischen Inhalten gefüllt, bis schließlich die islamische Historiographie zur Zeit der Bagdader Abbassidenherrschaft im Wege der historischen Projektion ein festgefügtes Geschichtsbild schuf, in dem ein in Mekka und Medina wirkender arabischer Prophet gleichen Namens im Mittelpunkt steht.

Der Romanist Johannes Thomas (Paderborn), lieferte in seinem Referat: „Frühe spanische Zeugnisse in arabischer Sprache und erste Aussagen zum Islam“ Belege, dass die legendäre islamische Eroberung Spaniens im Jahre 711 eher als eine Fehde zwischen Arianern und katholischen Spaniern anzusehen sei, bei der die maurischen Hilfstruppen der Arianer schließlich zu arabischen Eroberern wurden, die mit dem Islam so wenig zu tun hatten wie die Omayaden, die nach dem Tode Mohammeds mehr als Hundert Jahre lang die Vorreiterrolle in der islamischen Welt übernommen haben sollen. Wie im syrischen Raum fehlen auch in Spanien im 8. Jahrhundert alle Anzeichen für eine neue Religion. Erst im Verlaufe des 9. Jahrhunderts zeichnet sich eine Wandlung ab. Politisch wird zunehmend Druck auf Christen ausgeübt, diese identifizieren ihrerseits Mohammed als Antichrist. Gleichwohl betrachten noch in den Akten des Konzils von Cordoba (839) die dort versammelten Bischöfe lediglich die häretischen “Casianer” als ihre Gegner. Der islamisch-christliche Gegensatz steigert sich erst ab 1100 zu einem “Heiligen Krieg”.

Gemessen an den üblicherweise von Historikern angelegten Maßstäben, wissen wir über Mohammed so gut wie gar nichts. Alles, was Islamwissenschaftler über das Leben Mohammeds wissen, stammt fast ausschließlich aus der Biografie Ibn Ishâqs, der umfassendsten und frühsten Quelle, die um 750 im Irak entstanden ist. Wenn es einen Religionsgründer Mohammed nur als legendäre Rückprojezierung gegeben hat (ähnlich wie die biblischen Figuren Abraham oder Moses), wer war dann der Autor des ihm geoffenbarten Buches, dem Koran? Hier vertritt der pseudonyme Koranforscher Christoph Luxenberg, dessen Werk die „Syro-aramäische Lesart des Koran“ im Jahre 2000 für großes Aufsehen in der Fachwelt gesorgt hatte, die Auffassung, dass der Koran nicht nur in einem syro-aramäischen Sprachumfeld entstanden ist, sondern zumindest in großen Teilen auf einer syrischen christlichen Grundschrift basiert.

Christoph Luxenberg teilte in Otzenhausen Überlegungen zu den sogenannten “geheimnisvollen Buchstaben” des Korans mit, die sich am Beginn mehrerer Suren finden. Vergleicht man den Koran mit dem siebenbändigen aramäischen Liturgiebuch, so drängt sich der Vergleich mit den darin verwendeten Buchstaben auf, die sich teilweise auf die Zahl eines bestimmten Psalms beziehen, teilweise auf liturgische Abkürzungen, Anweisungen oder Tonarten. In einigen Fällen scheinen sich auch die im Aramäischen als Abkürzungszeichen dienenden Oberstriche im Koran erhalten zu haben. Dies deutet auf eine frühere Funktion eines Teils der koranischen Texte im christlichen Gottesdienst hin. Eine andere Funktion lässt sich für die Suren 73 und 74 nachweisen. Ihr Inhalt wird erst verständlich, wenn man mit der von Luxenberg angewandten philologischen Methode das Aramäische zu Hilfe nimmt. Sie erweisen sich dann als Regeln für ein Mönchsleben. Ein in Sure 73 offenbar zu einem späteren Zeitpunkt eingeschobener Kommentar zeigt, dass diese Bedeutung von Korankommentatoren nicht mehr erkannt wurde.

Einer der meist erwarteten Redner des Kolloquium in Otzenhausen war der durch zahlreiche Publikationen berühmt gewordene Autor Ibn Warraq, der 1946 in Indien geboren wurde und in Pakistan aufgewachsen ist, wo er verschiedene Koranschulen besuchte. In Edinburgh hat er Islamwissenschaft studiert und sich vom Islam abgewandt. Er veröffentlicht unter dem Namen Ibn Warraq, einem Pseudonym, das traditionell von kritischen Denkern im Islam verwendet wird. Nicht einmal seine Familie weiß, dass er 1994 den Bestseller “Warum ich kein Muslim bin” veröffentlichte.

In Otzenhausen sprach er über sein neuestes Buch “Defending the West: Eine Kritik an Edward Said's Orientalismus” das im August 2007 in Amherst/ New York erschienen ist. Das Buch entlarvt Edward Saids antiwestliche Thesen, die von der orientalistischen Schule Saids benutzt wurden um kritische Studien zur islamischen Welt und in islamischer Geschichte zu blockieren. Ibn Warraq führte aus, wie Said zu diesem Zweck die fundamentalen Errungenschaften vieler westlicher Orientalisten, darunter vieler deutscher jüdischer Orientalisten, diskreditieren wollte. Damit, so Ibn Warraq befindet sich Said in einer in islamischen Ländern sehr populären Tradition antiwestlicher Diskurse, was dazu geführt hat, dass in 1000 Jahren weniger Literatur aus westlichen Sprachen ins Arabische übersetzt wurde, als in einem Jahr z. Bsp. fremdsprachige Werke ins Spanische. Diese antiwestliche Einstellung islamischer Länder, die auch zur Entfernung Tausender westlicher Kunstwerke aus den Museen islamischer Länder geführt hat, besorgt selbst die UNESCO, die in ihren Jahresberichten immer mehr einen Wissensrückgang der islamischen Länder gegenüber der Weltentwicklung dokumentiert. Diese Gefahr, so die Meinung vieler Kolloquiumsteilnehmer, hat bereits auch auf weite Teile der westlichen Islamforschung übergegriffen, die gerade im Bereich der Koranforschung viele ideologischen Scheuklappen der islamischen Koranrezeption übernommen hat.

http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/mainframe.html

11:26
7. September 2008


neukum

New Member

Beiträge 2

Wer die politische Lage um 623 (trad. Zeitrechnung) umfassend würdigt, muß sich eigentlich klar sein, daß Heraclius nie in der Lage gewesen sein kann, einen Feldzug gegen Chosrau in derart offensiver Manier zu führen. Höchstwahrscheinlich war er bereits um 614 abgetreten (auf welche Weise auch immer) – nach vergeblichem Abwehrkampf, denn Byzanz war nach der gescheiterten Reform des Maurikios ruiniert, der Balkan danach unter Phokas größtenteils verloren und die Perser stießen zweimal bis zum Bosporus vor und eroberten Syrien, Palästina u. Ägypten. Die Rückeroberung u. Demütigung Persiens unter Heraclius ist nur ein schönes Geschichtsmärchen.

13:48
7. September 2008


DB

Member

Beiträge 75

Zu dem Beitrag Neukums:

Natürlich hat Heraclius die Gebiete nicht zurückerobert. Der Beginn der Rückeroberungen ist auf 622 datiert und genau dort geht es dann 919 mit Romanos weiter. Die Geschichte der Rückeroberungen dient nur dem Zweck, den frühen Islam sinnvoll in die Illigsche Phantomzeit einbinden zu können, indem der Kampf zwischen dem römischen Reich und den Sassaniden beide Seiten so schwächte, dass es den in jeder Beziehung unterlegenen Arabern möglich war, Teile des römischen Reiches und das komplette Sassanidenreich einzunehmen.

Hier waren die späteren Geschichtsverfüller der Illigschen Phantomzeit gezwungen, den von den Sunniten erfundenen frühen Islam zu synchronisieren. Ich weise allerdings darauf hin, dass der frühe Islam nur insoweit erfunden ist, als reale Geschichte der Vergangenheit vor 622 islamisiert wurde, so beispielhaft aus Zarathrustra dann Mohammed und aus vier sog.die  echten Achämeniden die vier rechtgeleiteten Kalifen. 

Aber genau hier, am Übergang 622/919, zeigt sich, dass das 10. Jh. nicht nur teilweise, sondern erheblich mit verfälscht ist. Die Anhänger der These, das 10. Jh. sei im wesentlichen richtig wiedergegeben, müssen daher versuchen, den Beginn des Islam deutlich vor 622 zu suchen, was ich grundsätzlich für falsch halte.

15:27
7. September 2008


neukum

New Member

Beiträge 2

Genau. Die Wurzeln des Islam sind allerdings m.E. vor allem in den monotheistischen christlichen Glaubensrichtungen zu suchen. Bereits dort sind die älteren iranisch-chaldäisch-kleinasiatischen Elemente in unterschiedlicher Ausprägung integriert worden.

15:32
7. September 2008


admin

Admin

Beiträge 51

Da fällt mir gerade auf, dass wir uns wieder im Materialien-Thread bewegen, bitte das Thema im Diskussions-Thread zum frühen Islam diskutieren.

20:46
10. September 2008


zam

Member

Beiträge 12

mz schrieb:

Ein internationales Kolloquium von Koranforschern in der Europaakademie Otzenhausen/Saar ging vier Tage lang den Ursprüngen des Islams nach

….Bodo Bost berichtet in imprimatur Heft 3/2008:

…der pseudonyme Koranforscher Christoph Luxenberg,  

…. Ibn Warraq, einem Pseudonym, das traditionell von kritischen Denkern im Islam verwendet wird. Nicht einmal seine Familie weiß, dass er 1994 den Bestseller “Warum ich kein Muslim bin” veröffentlichte.


Keine Angst, ich will nicht wiederholen, was ich oben schrieb.

Aber genauso interessant wie die Frage, warum ein Kirchenblatt dieser These begeistert so viel Raum gibt (zumal der Papst sich ja gegen die kritische Textexegese – oder galt das nur für christliche Texte ?- ausgesprochen hat) ist die Frage, warum Chronologiekritiker es tun und differenzierte Auseinandersetzung mit den Thesen genauso vermissen lassen wie die  Islamwissenschaft als Ganzes.

Ibn Warraq: Hat seine Familiee kein Internet ? Andere Leute haben eines. Das Pseudonym diene dazu, nicht erkannt zu werden? Wer den Mann sehen und hören will: Youtube: “Lunch with Ibn Warraq” und “Secular Islam Summit” Panel 1 Pt1 und folgende (Center for Inquiry)

Die Begründung eines Pseudonyms wegen 'Bedrohung durch Islamisten'  (bei Warraq und Luxenberg) ist eine Egomanie, eine Koketterie aus Selbstüberschätzung und funktioniert bei der Mehrheit des Publikums (ebenso wie in der offiziellen Machtpolitik) als Verkaufsstrategie: was von den Bösen bedroht wird, kann nicht weit vom Guten sein.

Warraq teilt in seinem Buch “Warum ich kein Muslim bin” mit, er sei “säkularer Humanist geworden und [halte] sämtliche Religionen für den Humbug kranker Hirne” [14]. Jeder muss selbst entscheiden, was von einem Mann zu halten ist, der es für nötig hält, sich als geistig gesund zu positionieren, indem er andere pathologisiert. Sein Buch ist eine interessante Sammlung, krankt jedoch immer wieder an Warraqs polemisch-einseitiger Sichtweise und teiweise am Unverständnis des Autors für das, worüber er schreibt.

Im Vorwort dazu gibt Hoffmann (Leiter des CSER) seinem Glauben Ausdruck, das “universelles Wissen” und  die “Unausweichlichkeit humanistischer Kultur im 21. Jahrhundert alle speziellen Formen der Religion ablösen wird.” Das ist eine schöne Perspektive, doch wie soll es geschehen? Was für ein “Humanismus” kommt da auf uns zu, der von Wertschätzung nichts hält? Auch Herr Küng und die UNO haben Ideen von der Abschaffung aller Religionen wenn nicht freiwillig dann…, über die man durchaus geteilter Meinung sein kann  [http://www.haefely.info/gesellschaft+politik_uno-eine-art-religion.htm].

Schließlich noch ein Exkurs zur Symbolik von  INÂRAH :

Der Name INÂRAH bedeutet „Beleuchtung, Erleuchtung, Erhellung“ (von arab. menarah “Leuchtturm”) und  im Englischen ist enlightment das Wort für “Aufklärung”. Man will also mit den Ideen des “Lichtträgers” (Luxenberg), die Welt weiter erhellen. Das wäre eigentlich schon des unerträglich Guten genug und war – wegen der Namensähnlichkeit zu Luxenberg (der nur leuchten kann, solange er aus dem Dunkel agiert) – wohl beabsichtigt.

Doch INARA war die hethitische Schutzgöttin aller wilden Tiere, außer der Drachen [wikipedia]. Diese eliminiert sie erbarmungslos als das Böse und reicht damit an den Michael der Apokalypse so wie etliche tote und lebende Regierungshäupter heran.  Jede Symbolik ist zweischneidig, was den Saarbrückern eigentlich unangenehm als schreckhafte Erleuchtung in die Knochen fahren müßte.

Doch ihren gefährlichsten Drachengegner besiegt Inara nicht selbst, dazu benötigt sie die Hilfe ihres Vaters, des Wettergottes. Auch diesen Vater scheint es zu geben: Inâra könnte ein Kind des CSER sein.

Das 1. internationale wissenschaftliche Symposium (”Frühe Islamgeschichte und der Koran”, 13.3.– 16.3.08 in der europäischen Akademie Otzenhausen) war laut Einladungstext „möglich auf Grund der großzügigen finanziellen Unterstützung durch CSER“, dem Committee for the Scientific Examination mit Hauptquartier in Amherst, New York, wo es eng mit dem dortigen Prometheus-Verlag zusammenarbeitet, der großen Einfluss im Bereich des angelsächsischen Fundamentalismus und (!) Atheismus hat und u.a. Warraqs Bücher verlegt. Es macht nachdenklich, dass dies – zumindest den Islam betreffend – mit den Interessen des bekennenden Katholiken Ohlig in Einklang steht.

 Neben den Autoren der beiden Sammelbände („Die dunklen Anfänge“ und „Der frühe Islam“) waren 21 weitere Autoren geladen, darunter Joseph Hoffmann (Leiter des CSER), der das Vorwort schrieb zu Warraqs Buch. Auch Günter Lüling war geladen, nahm aber auf Grund seines Alters und seiner einschlägigen Erfahrungen mit diesen Leuten in den letzten Jahrzehnten nicht teil. Mir sei die Skepsis gestattet, ob die Einladung an ihn überhaupt mehr war als der Versuch, bei irgendwem einen guten Eindruck zu machen; jedenfalls sollte sich an der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Lülings Werk zeigen, wie diese Einladung zu bewerten war.

Wer sich als Leuchtturm sieht, wähnt sich in Finsternis, braucht sie und muss sie um sich herum immer neu erschaffen. Doch irgendwann geht die Sonne auf (und alles kommt ans Licht). Haben die Saarbrücker mit dieser hehren Namenswahl nicht nur ihre Anspruchshaltung sondern auch das Schicksal ihres Instituts beschieden? Die als „sehr hartherzig“ geltende Inara verschwindet am Ende spurlos und nicht mal die Biene Hannahanna kann sie jemals aufspüren.

 

09:08
4. Mai 2009


mz

Member

Beiträge 47

Materialien

In der Zeitschrift imprimatur [1997/1998] erschien eine Artikelfolge von Karl-Heinz Ohlig, die sich mit der Herausformung der Trinitätslehre im Frühchristentum beschäftigt. Es wird klargestellt, dass die Trinität nicht aus den Schriften des Neuen Testaments abgeleitet werden kann, sondern das Werk hellenistischer Theologen ist. In den orientalischen Kirchen stieß diese Theologie auf große Ablehnung, womit der Weg zum Islam vorgezeichnet war. Den folgenden Text habe ich aus den Abstracts zu den einzelnen Folgen zusammengestellt.

Einer oder drei? Vom “Vater Jesu” zur Trinität

Es wird dargelegt, daß die Trinitätslehre bis heute in ihrer Bedeutung umstritten ist. Ein Defizit der Diskussion um die Trinität scheint es zu sein, daß die Ergebnisse historisch-kritischen Forschens in Bibel und Theologiegeschichte nicht genügend gewürdigt werden. Die ersten Ansätze bini- und trinitarischer Vorstellungen im hellenisierten Frühjudentum werden vorgestellt: In Weisheits-, Engel- und Logoslehre wurde die ökonomische Funktion Gottes aus ihm heraus hypostasiert (zu einer Binität), gelegentlich auch gesondert in ihren beiden Varianten, der demiurgischen und der heilsgeschichtlichen Aufgabe (dann ergab sich eine Triade). Diese “Pluralisierung” des Gottesdenkens erweist sich als Produkt des Synkretismus von Judentum und Hellenismus.

Nach heutigem Wissensstand hat das Neue Testament den Gott Israels und Vater Jesu verkündet und kennt keinerlei trinitarische Differenzierungen in Gott (auch die sogenannten triadischen Formeln sind nicht trinitarisch zu verstehen). Lediglich in einigen wenigen, stark von hellenistischem Denken beeinflußten Passagen wird Jesus eine Göttlichkeit zugesprochen, die Anlaß zu späterer binitarischer Reflexion geben konnte.

Das Christentum brachte aber zwei neue Aktivitätsbereiche Gottes ein: Gott handelt in Jesus bzw. ist in ihm inkarniert und wirkt in der Kirche. Vor allem die (hellenistische) Christologie wurde bald zu einem Anstoß für die Ausbildung einer Binitätslehre. Dennoch blieb es bei einem Teil der judenchristlichen Schriften des 2. Jahrhunderts bei einem undifferenzierten Monotheismus, aber es wurden auch Motive der frühjüdischen Engellehre aufgegriffen. Christus und der Geist nahmen hierbei die Stelle der beiden Engel zur Seite Gottes ein.

Die frühchristlichen Apologeten aber formulierten eine Logoslehre, die das “Wort” als eine von Gott unterschiedene, ihm untergeordnete Hypostase behauptete; lediglich im syrischen Raum blieb es weiterhin bei dem ererbten Monotheismus (Monarchianismus). Einen entscheidenden Anstoß für die Ausbildung der Trinitätslehre gab die christliche Gnosis im und seit dem 2. Jahrhundert. Irenäus und Tertullian vertreten weiterhin die Gottesauffassung der Apologeten; sie versuchen, einen “innergöttlichen” Monotheismus mit einer sich in der Heilsgeschichte entfaltenden Dreiheit (mit einem “ökonomischen” Subordinatianismus) zu verbinden. Origenes verlagert die Dreiheit, und damit den Subordinatianismus, schließlich in Gott selbst hinein.

Im 4. Jahrhundert formuliert das Konzil von Nizäa die Gleichwesentlichkeit des Sohnes mit dem Vater, eine – wie auch die nachnizänische Diskussion zeigt – keineswegs eindeutige Lehre. Schließlich wird in der Auseinandersetzung mit Gegnern der Geist auch ausdrücklich in das Sein Gottes einbezogen. Die Formel des Basilius von dem einen Wesen und drei Hypostasen erweist sich als latent tritheistisch, wird aber nach dem Konzil von Konstantinopel zur Sprache der trinitarischen Orthodoxie in der Ostkirche.

Die lateinische Theologie hatte an der Ausbildung der Trinitätslehre keinen Anteil, sie war mehr an dem einen Gott interessiert, übernahm aber die östlichen Einigungsformeln. Diese reflektierte vor allem Augustinus, dem es darum ging, die Einheit Gottes deutlich herauszustellen, dennoch aber irgendeine Form von Dreiheit aufrechtzuerhalten; zu ihrer Umschreibung verwendete er den Relationabegriff. Gegen seine eigenen Intentionen griff Augustinus aber auf eine neuplatonische Umschreibung des Geistes als “Band” zurück und lehrte ihn als “Band der Liebe”, worauf wohl die westliche Vorstellung von einem Hervorgang des Geistes aus dem Vater und dem Sohn (filioque) zurückgeht und die Trinität wie eine Gemeinschaft von drei Subjekten erscheinen kann. Diese Linien wurden im Mittelalter noch weiter ausgezogen, so daß die Trinität bei einigen Theologen als eine ewige Liebesgemeinschaft dargestellt wird.


Hier das Schlusskapitel der Folge mit dem Resumee:

Religionswissenschaftliches Resümee und theologische Anfrage

Religionswissenschaftlich betrachtet ist die Trinitätslehre erwachsen aus dem Synkretismus von Judentum und Christentum mit dem Hellenismus und der daraus folgenden Addition von jüdischem und christlichem Monotheismus mit dem hellenistischen Monismus. Gott konnte somit zugleich der personenanalog anzusprechende Adressat der Christen sein wie auch, durch Vermittlung des Logos, immanentes Schöpfungsprinzip und “Subjekt” der Offenbarung, Inkarnation und Heiligung. Die Erweiterung dieser “Doppelung” zur Trinität lag kulturgeschichtlich durchaus nahe, war aber im wesentlichen eine Konsequenz, die man später aus den triadischen Formeln des Neuen Testaments, vor allem aus dem Taufbefehl, zog.

Die Zusammenfügung dieser beiden entgegengesetzten Gottesvorstellungen wurde dadurch erleichtert, daß der monotheistische Gott im hellenistischen Christentum ganz von selbst mit seinshaften und gattungsmäßigen Zügen versehen wurde, die ihm seiner Herkunft aus der Tradition Israels nach fremd waren, zugleich aber auch der Logos durch seine Inkarnation in Jesus “persönliche” Färbung annahm. Diese “Erleichterung” trug aber dazu bei, daß das ökonomisch-trinitarische Reden nicht selten in die Nähe eines Polytheismus – eines Bi- oder Tritheismus – kam. Um dem entgegenzuwirken, mußte die Verlagerung der zweiten und dritten Hypostase in Gott selbst hinein und dann die Lehre von dem einen Wesen geschaffen werden. Im Ergebnis erscheint so die Trinitätslehre als ein Versuch, Monotheismus, Monismus und Polytheismus zu verbinden, also alle wichtigen weltreligiösen und hochkulturellen Gottesvorstellungen. Tendenziell aber ging es den meisten Theologen bei diesem Unternehmen, das zeigt die Geschichte, darum, den Monotheismus dabei als den zentralen Aspekt des Gottesglaubens festzuhalten, so unvollkommen das im einzelnen auch gelungen sein mag.

Vielleicht erklärt sich die Faszination der Trinitätslehre daraus, daß sie die Vorzüge all der genannten Gottesvorstellungen – auf eine spannungsreiche Weise – zu verbinden sucht: die Wärme und das Hoffnungspotential, das der Monotheismus erweckt, die rationale Plausibilität eines letzten immanenten Prinzips sowie die kommunikative und soziale Lebendigkeit des Polytheismus. Schon Gregor von Nyssa war der Meinung, daß die Trinitätslehre “die Mitte zwischen beiden Meinungen”, zwischen Polytheismus und jüdischem Monotheismus darstelle – den hellenistischen Monismus identifizierte er wohl mit dem Monotheismus -: “Behalten wir aus der jüdischen Lehre die Einheit der Natur, aus der heidnischen aber bloß die Unterscheidung der Personen, so ist auf beiden Seiten die Gottlosigkeit durch die entsprechenden Heilmittel geheilt”.

Jesus – Gottes ewiger Sohn?

Was der Religionswissenschaftler einfachhin konstatieren kann, bedeutet aber zugleich eine Anfrage an die Theologie nach der Legitimität eines solchen Konstrukts.

Wenn es feststeht – und daran scheint kein Weg vorbeizuführen -, daß Jesus selbst nur vom Gott Israels, den er Vater nannte, und nichts von seiner eigenen späteren “Vergottung” wußte, mit welchem Recht kann dann eine Trinitätslehre normativ sein? Muß man sie nicht vielmehr als einen Inkulturationsvorgang, der nur innerhalb der damaligen Kontexte unausweichlich und wohl auch legitim war – weil anders das Christentum nicht lebbar war -, verstehen, also als eine kontingente, kontextuelle Komplizierung der jesuanischen Gottesvorstellung?

Darf man die wenigen neutestamentlichen Stellen, die Anstoß für eine spätere binitarische Reflexion gaben und die ihrerseits ganz deutlich ein neues Gedankengut einbringen, als bleibende Maßstäbe des christlichen Gottdenkens auswählen? Wie also ist eine Lehrentwicklung zu legitimieren, die eigentlich erst im zweiten Jahrhundert begann, erst im dritten die Wendung zu einer – gänzlich neuen – immanenten triadischen Aussage fand, im vierten Jahrhundert – mehr schlecht als recht – in Formeln gebracht und im lateinischen Westen wiederum eine gegenüber der bisherigen Geschichte andersartige Variante hervorgebracht hat? Wenn man die Trinitätslehre auf “Offenbarung” gründet, muß man auch sagen können, wo und auf welcher Stufe denn um alles in der Welt diese Offenbarung erfolgt sei: durch Jesus, durch neutestamentliche Aussagen, durch die Apologeten oder gar Origenes oder Augustinus?

Wie auch die einzelnen Etappen zu interpretieren sein mögen, so steht doch fest, daß die Trinitätslehre, wie sie sowohl im Osten wie – erst recht – im Westen am Ende “Dogma” wurde, keinerlei biblische Grundlage besitzt und auch keine “ununterbrochene Aufeinanderfolge” (continua successio) kennt. Die Behauptung einer Übereinstimmung der verschiedenen Gottesvorstellungen, die mittels der Anwendung des Schemas “implizit – explizit” gesucht würde, hat mit den Tatsachen nichts mehr zu tun. Auch helfen bloß verbale Vorschläge – etwa daß die immanente die ökonomische Trinität einfachhin sei – nicht weiter. Allmählich muß sich die Theologie den Fakten stellen.

Diese Folgerung ist keineswegs eine willkürliche Infragestellung der verbindlichen Lehre, sondern Resultat der historischen Gegebenheiten, die eben nicht anders waren. Die Geschichte der Trinitätslehre selbst ist ihrerseits eine Anfrage an die Theologie, wie sie mit ihren eigenen Normen und mit der behaupteten Kontinuität zum für das Christentum kanonischen Anfang umgehen will.

Frage an admin: Wie lauten die richtigen Steuerzeichen für quotierten Text?

10:38
4. Mai 2009


jb

Member

Beiträge 477

mz: "Frage an admin: Wie lauten die richtigen Steuerzeichen für quotierten Text?"

Für Admin geantwortet: Am einfachsten ist es, den Text zu markieren und dann in der Symbolleiste auf das Dollarzeichen mit den geschweiften Klammern zu klicken. Wer selbst das HTML bearbeiten möchte, muss mit <span class="sfcode"> öffnen und mit </span> schließen.

01:21
5. Mai 2009


Volker Duebbers

Member

Beiträge 96

Nach diesem beachtenswerten Text  bleibt für mich unverständlich, weshalb man meinen sauberen mathematisch-komputistischen Ansatz zur bi- und tritheistischen Konstruktion von Jesus nicht weiter beachtet hat.

Die Zeugung und Geburt wurde dem Mondlauf folgend über 2 bzw. 3 Jahre entsprechend der Merkurglyphe/Monasglyphe folgendermaßen verteilt, alle Angaben im gregorianischen Kalender:

1. Zeugung des Mond-Geistes  (Mondsichel = KA) am 28.8.-1, Neumond; Geburt am 28. Mai 0  (Heiliiger Geist, Taube = Jona = 71, 5 x 71 = 355 Mondjahr)

An diesem Tag wurde  immer der neue römische Kaiser rückwirkend in Alexandria (als Volksseele) proklamiert! Lange davor schon die orientalischen Herrscher (30.8. im JK)

2. Zeugung der ewig kreisenden Sonnenseele (Kreis = BA oder RA) am 5.4.0, Vollmond;  Geburt am 6.1.0 im gleichen Kreislauf oder am 6.1.1 real (AIN = 0 = 61)

3. Zeugung des Köpers (Kreuz = LA) am 25.3.1, Vollmond; Geburt am 25.12.1

Beschneidung am 13.4.2, Vollmond sowie an diversen 1.1., die ich jetzt nicht näher aufführe.

Alle Angaben sind direkt den Angaben des Exiguus und en spätantiken Ostertafeln zu entnehmen.

Ein weiterer Beleg für die bi- bzw. trinitarische Konstruktion (=123) sind die Fasti Consulares des Filocalus.

Sie folgen einem 123er-Rhythmus, beginnend mit 0/1 für die Gründung Roms, dann der kabbalistischen Bibelauslegung, wonach die Schöpfung mit B = 2 beginnt:

2 x 123 = 246, das ist der Beginn der Fasti mit Mo, dem 1.1.246 u.c.

Die Liste endet 7 “123er-Zyklen” später im Jahre 1107 u.c. = 354 AD = Mondjahr.

Seit Gründung Roms sind demnach 9 Zyklen zu 123 Jahren vergangen.

Um die Liste mit Neumond am 1.1. starten zu können, wurde zugleich ein Beginn auf das Jahr 245 u.c. für die (zyklisch richtig, real aber falsch) angegebene Luna gelegt.

Die Liste endet exakt am 31.12.1107 u.c. wieder mit Neumond.

Die 2 unterschiedlichen Beginne werden in der Liste durch einen Trick wieder zusammengelegt, indem das Jahr 461 übersprungen wird.

Dem Jahr 460 folgte unmittelbar das Jahr 462, das über 2 x 231 eine Permutation von 123 und dem biblischen “B-Beginn” ist.

462 = 7 x 66 (66 Gematrie von Allah) oder 6 x 77 oder 8 x 5,25. (0,525m  ist die Länge der neueren altägyptischen Königselle, das idealmaß der Cheops wäre danach 440 x 0,525 m = 231 m für die Basislänge)

525 wurde angeblich der XK von Exiguus mit den beiden Frühlingspunkten 21. alexandrinisch und 25. römisch entworfen. 525 = 21 x 25. Die Quersumme ist 12 > 3 > März.

12:38
6. Mai 2009


jb

Member

Beiträge 477

Volker Duebbers: Nach diesem beachtenswerten Text  bleibt für mich unverständlich, weshalb man meinen sauberen mathematisch-komputistischen Ansatz zur bi- und tritheistischen Konstruktion von Jesus nicht weiter beachtet hat.

Obwohl ich meine, dass Ihre Beiträge in der Tat mehr Beachtung verdienen, als sie bekommen (was allerdings für den gesamten Bereich der Chronologiekritik gilt …), sehe ich im Zusammenhang mit der Islam-Diskussion zugleich ein Problem: Schließlich argumentieren Sie nicht historisch. Sie analysieren ein fertiges System, dass Ihrer Auffassung nach erst im 16. Jahrhundert entstanden sei. Das ist ganz sicher nicht im Sinne von mz, dem es darum geht, die Anfänge des Islam und wohl auch (nach dem obigen Beitrag zu urteilen) die Anfänge des Christentums zu rekonstruieren: also ein genuin historisches Anliegen.

20:39
15. Mai 2009


Volker Duebbers

Member

Beiträge 96

Sie haben natürlich recht.

Die Chronologiekritik findet zu wenig Beachtung, vor allem im studentischen Bereich. Obwohl vielleicht mehr gelesen wird als wir vermuten.

Wie kann mz noch historisch argumentieren, wenn nach den vorliegenden Fakten alles für eine Konstruktion “aus einer Hand oder aus einem Guß” spricht?

Ist es nicht so, dass er glaubt selbst  dort noch historisch sein zu können, wo es längst nur noch um romanhafte Märchen geht?

Da er nach dem historischen Ursprung der christlichen Trinität sucht, habe ich ihm die komputistisch überlieferte Konstruktion aufgezeigt.

Übrigens würde ich die Trinität eindeutig der gallischen (keltischen, skythischen, gutäischen, gotisch-langobardischen) Schule zuschreiben. Nicht der  unbestimmbaren “helenischen” Kultur, es sei denn, sie wäre mit diesen Völker identisch. Derwisch heißt eindeutig Druide, womit die gallischen Bewohner Kleinasiens als Träger dieser trinitaren Geheimlehre innerhalb des Islam zu identifizieren wären. Die Kabbala ist gleichermaßen trinitar strukturiert, sie war niemals monotheistisch. Sowohl der Alte der Tage als Ain wurde dreigeteilt als auch Kether, Binah und Chochma in der ersten götttlichen Triade. Wo entstand die Kabbala? Dort, wo die Goten und Langobarden (= Juden?) saßen: Gerona (=Gotalanien = Got-Amalier?), Südfrankreich, in den Städten entlang des Rheins. Da die Kabbala der Schlüssel zum Verständis der Thora ist, kann diese unmöglich davor entstanden sein. Kein Schloß ohne Schlüssel! Der phiolosphisch unhaltbare Monotheismus ist m.E. nichts als ein Trick zur Fehlsteuerung der Gläubigen.

21:34
15. Mai 2009


jb

Member

Beiträge 477

Auf der einen Seite sehen Sie eine im 16. Jahrhundert plötzlich vorhandene “Konstruktion aus einem Guß”, die anscheinend gar keine Entstehungsgeschichte hatte. Auf der anderen Seite bringen Sie plötzlich massiv historische und philosophische Behauptungen, die Sie mit dem Prädikat “eindeutig” versehen, als gäbe es da gar keinen Klärungsbedarf mehr. Beides will noch nicht so recht zusammen passen, wie mir scheint.

Wenn ich geschrieben habe, dass mz “historisch” argumentiert, meine ich damit, dass er versucht, plausible und nachvollziehbare Entwicklungsverläufe darzustellen. Woher kommen denn Islam und Christentum, wie hängen sie historisch zusammen? Darüber sind bestimmt auch “romanhafte Märchen” erzählt worden, wie Sie schreiben – und zwar, wie wir wissen, sehr viel mehr als heutige akademische Geschichtswissenschaft uns das glauben machen möchte. Aber möglicherweise sind die überlieferten Erzählungen nicht sämtlich falsch. Auch kann doch der Versuch sinnvoll sein, Geschichte aus einer Sicht zu rekonstruieren, die die Märchen als solche durchschaut und die Frage stellt, warum und von wem sie erzählt wurden, welche reale Geschichte dahinter steckt. Ein Mittel, um hier weiter zu kommen, sind archäologische Funde. Daran orientiert sich mz – und zwar gründlich, wie eben dieser Materialienthread zur Genüge zeigt.

Übrigens möchte ich anregen, bei Bedarf im Thread Der frühe Islam – Diskussion weiter zu diskutieren (sofern es noch um den frühen Islam geht), und mz's Anliegen zu respektieren, in diesem von ihm eröffneten Thread weiterhin nur Materialien zum frühen Islam zu sammeln.

22:50
15. Mai 2009


Volker Duebbers

Member

Beiträge 96

Die hohe Qualität der Beiträge von mz steht auch für mich außer Frage.

Unter welchem Thread kann die Frage der Trinität weiter diskutiert werden?

Mit "eindeutig" meinte ich eigentlich nur die Identität von Derwisch = Derwic = Druide.

Sie interpretieren mich aber richtig in der Hinsicht, dass ich die Thora, die Evangelien und den Koran nicht als das Ergebnis einer länger dauernden Entstehungsgeschichte sehe, sondern genauso, wie die Werke von ihren Anhängern präsentiert werden. Sie wurden frühestens im 13., wahrscheinlicher aber im 15. bis 16. Jh. auf Basis mathematisch-komputistisch-gematrischer Regeln, unter Zugrundelegung alter Überlieferungen, in einem Atemzug geschaffen, an die Bevölkerung ausgeliefert und erst danach zwangsläufig sukzessive leicht verändert. Davor finden sich offensichtlich nur die Ruinen und die alten Religionen der zerstörten Antike.

09:17
16. Mai 2009


jb

Member

Beiträge 477

VD schrieb: Unter welchem Thread kann die Frage der Trinität weiter diskutiert werden?

Vorschlag: Sie machen einen neuen Thread zum Thema in dieser Abteilung (Regionen, Bereiche, Religionen) auf.

15:21
19. Mai 2009


jb

Member

Beiträge 477

Kleine Korrektur: Da Sie ja die Illigtheorie zur Gänze zurückweisen, wäre ein neuer Thread über die Trinität in der Abteilung "Kritik" oder auch in der neuen Abteilung "Chronologiekritik allgemein" sinnvoller.

13:05
7. August 2010


mz

Member

Beiträge 47

Ich möchte hier eine Website eines Instituts zur Erforschung der Anfänge des Islam nach der historisch-kritischen Methode vorstellen. Hier finden sich auch Artikel, die zuvor schon an anderem Ort erschienen sind. Dass die Autoren ihre Forschungsergebnisse in die konventionelle Chronologie einbetten, ist nicht anders zu erwarten.

Website http://www.inarah.de/

Über INÂRAH
 
„Inârah. Institut zur Erforschung der frühen Islamgeschichte und des Koran. Inârah Institute for Research on Early Islamic History and the Koran“ mit Sitz in Saarbrücken wurde als gemeinnütziger Verein 2007 gegründet. In der arabischen Sprache kann inârah soviel wie „Aufklärung“ bedeuten ­– dieses Verständnis ist hier gemeint –, daneben gibt es auch die Bedeutung „Erleuchtung“ (sowie im Alltagsleben „Lampengeschäft“).
 
Ziel der Vereinigung ist es, Forschungen zur frühen Islamgeschichte und zur literarischen Eigenart und Theologie des Koran auf der Basis historisch-kritischer und philologisch über die Arabistik hinaus vertiefter philologischer Forschungen zu fördern.
 
Wissenschaftler aus aller Welt sollen zu diesen Forschungen angeregt, auf Tagungen und durch gemeinsame Publikationen mit einander bekannt gemacht und zu wissenschaftlichen Diskussionen veranlasst werden. Weil die koranische Bewegung in einem Umfeld entstanden ist, in dem zahlreiche Religionen, religiöse Sonderbewegungen, Sprachen, soziale und politische Umwälzungen eine Rolle spielten, arbeiten in Inârah nicht nur Kenner der arabischen Philologie mit, sondern darüber hinaus auch der Semistik und Indogermanistik sowie Religionswissenschaftler, Theologen, Epigraphiker, Numismatiker, Rechtshistoriker und Hispanisten.

INÂRAH und der moderne Islam
 
Das Anliegen von INARAH ist rein wissenschaftlich und könnte zusammengefasst werden als die Etablierung der historisch-kritischen Methode in den Islamwissenschaften. Sollte dies letztendlich dem Entstehen einer Aufklärung im Islamischen Kulturkreis förderlich sein, so wäre dies nur ein Nebeneffekt unserer Forschung, wenn auch ein erfreulicher. INARAH verfolgt keine politischen oder missionarischen Ziele. Die Mitglieder vertreten zudem ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Disziplinen und weltanschaulichen Ansichten.

Allen gemeinsam ist jedoch die Verpflichtung zu den Standards moderner philologischer und historischer Forschung.

Literatur

Bisher hat Inârah zwei internationale und interdisziplinäre islamwissenschaftliche Symposien jeweils im März 2008 und 2010 an der Europäischen Akademie Otzenhausen/Saarland, zusammen mit der Arbeitsstelle Religionswissenschaft der Universität des Saarlandes und der genannten Akademie durchgeführt und vier Sammelbände publiziert:

– Karl-Heinz Ohlig / Gerd-Rüdiger Puin (Hg.), Die dunklen Anfänge.
Neue Forschungen zur Entstehung und zur frühen Geschichte des Islam,
Verlag Hans Schiler: Berlin 2005, 408 S.

– Karl-Heinz Ohlig (Hg.), Der frühe Islam.
Eine historisch-kritische Rekonstruktion anhand zeitgenössischer Quellen,
Verlag Hans Schiler: Berlin 2007, 666 S.

– Markus Groß / Karl-Heinz Ohlig (Hg.), Schlaglichter. Die beiden ersten islamischen Jahrhunderte
(Inârah. Schriften zur frühen Islamgeschichte und zum Koran, Bd. 3),
Verlag Hans Schiler: Berlin 2008, 617 Seiten.

- Markus Groß / Karl-Heinz Ohlig (Hg.), Vom Koran zum Islam.
(Inarah. Schriften zur frühen Islamgeschichte und zum Koran, Bd. 4),
Verlag Hans Schiler: Berlin 2009, 720 Seiten.

Ankündigung Sept. 2010:

- Markus Groß / Karl-Heinz Ohlig (Hg.): Die Entstehung einer Weltreligion I.
Von der koranischen Bewegung zum Frühislam, 
Verlag Hans Schiler, Berlin 2010, 490 S.

http://www.verlag-hans-schiler.de/

Aus dem Umfeld von Inârah sind, außer zahlreichen Aufsätzen in wissenschaftlichen Sammelbänden und Zeitschriften, zwei weitere Monographien hervorgegangen:

– Christoph Luxenberg, Die syro-aramäische Lesart des Koran.
Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache,
Verlag Hans Schiler: Berlin 1. Aufl. 2000, 3. Aufl. 2007; englische Übersetzung 2007.

– Karl-Heinz Ohlig, Weltreligion Islam. Eine Einführung.
Mit einem Beitrag von Ulrike Stölting, 
Matthias-Grünewald-Verlag: Mainz und Edition Exodus: Luzern 2000, 381 S.

13:13
7. August 2010


mz

Member

Beiträge 47

Literatur auf der Website "INÂRAH"

Frühe Spanische Zeugnisse zum Islam – 1. bis 3. Teil 

Vollständiger Artikel: http://www.inarah.de/cms/Table…..-3-Thomas/

Johannes Thomas – Frühe spanische Zeugnisse zum Islam

Vorschläge für eine differenziertere Betrachtung der Konflikte und der religiösen Gemeinsamkeiten zwischen dem Osten und dem Westen des arabischen Reiches

Zusammenfassende Vorbemerkung

Die Darstellungen der frühmittelalterlichen Geschichte Spaniens leiden nicht nur unter dem Mangel an Dokumenten, sondern auch und vor allem daran, dass die religiösen Verhältnisse nicht differenziert genug betrachtet werden. So spricht die Al-Andalus-Propaganda vom friedlichen Zusammenleben der Christen, Juden und Muslime, ohne sich klar zu machen, dass es sehr verschiedene Christen und Muslime gab, sogar Bewegungen, die beiden Religionen zugerechnet wurden, wie etwa die gnostischen Strömungen, bei denen die Zuordnung zum Islam nicht gerade offensichtlich ist. Es wird auch nicht unterschieden zwischen kulturellen Traditionen und Sprachräumen. Dass etwa Ibn Rushd auf Arabisch geschrieben hat, bedeutet nicht, dass er einer Tradition arabisch-islamischer Auseinandersetzung mit der griechischen Philosophie zuzurechnen wäre. Vielmehr stammt die philosophische Tradition aus dem syro-aramäisch-persischen Raum. Berücksichtigt wird auch nicht, dass die Berberstämme im Wesentlichen christianisiert waren. Welche christlichen Traditionen bei ihnen und dann auch in Spanien lebendig waren, ergibt eine Betrachtung der frühen arabischen Geschichtsschreibung, obwohl diese dank der abbasidischen Neudeutung der Geschichte des Islam die realen Verhältnisse zu kaschieren tendiert. Sie orientiert sich nicht nur an den Topoi der älteren arabischen Eroberungsliteratur, sondern vor allem an bis heute gerne übersehenen biblischen Vorstellungen, die im Übrigen auch die lateinischen Quellen stärker geprägt haben, als bislang angenommen worden ist. Deren Schilderung der arabischen Geschichte lässt syro-aramäische Einflüsse ebenso wie die Orientierung an einer abbasidischen Sicht der Geschichte erkennbar werden. Es leuchtet ein, dass darin von religiös motivierten Konflikten keine Rede ist. Die darin als "arures" geschmähten Kharidjiten, angeblich die erste islamische Sekte, erscheint als christliche Sekte. Die Präsenz ebenso islamischer wie christlicher heterodoxer Bewegungen ist in Spanien durch die Jahrhunderte hindurch belegt. Dabei fällt für die christliche Seite auf, welch große Bedeutung in den Konzilsakten insbesondere den gnostisch-manichäischen Strömungen zugesprochen worden ist, die auch für die islamische Heterodoxie eine größere Rolle gespielt haben. Jenseits der unhistorischen Trennlinien zwischen Christentum und Islam wird so erkennbar: Die Verhältnisse im Westen des arabischen Reiches gleichen weitgehend denen im Osten. Hier wie dort herrschte jenseits und unbeschadet der sich jeweils um Verfestigung und Stabilisierung bemühten Orthodoxie ein heterodoxer islamisch-christlicher Synkretismus.

1. Spanien als Ziel des Dschihad und die Bodenlosigkeit der Al-Andalus-Propanda
1.1. Zur politisch begründeten Herkunft des Al-Andalus-Mythos in Spanien
1.2. Al-Andalus war nicht die Wiege des europäischen Rationalismus

2. Die "Eroberung" von 711: Probleme der spanischen Historiographie
2.1. Ein Vertrag zwischen Theodemir und Abd al-Aziz: der angeblich früheste arabische Text aus al-Andalus
2.2. Arabische Geschichtsschreibung: Märchenerzählungen?

3. Ausgewählte Beispiele spanischer Historiographie
3.1. Die "arabische" Sichtweise
3.2. Jenseits der arabischen Legenden? "Modernere" Ansätze
3.3. Skepsis und blindes Vertrauen
3.4. Topoi arabischer Geschichtserzählungen

4. Biblisch geprägte Vorstellungen, islamische und versunkene christliche Traditionen in arabischen Geschichtserzählungen
4.1. Ibn Abd al-Hakam schreibt eine Geschichtserzählung mit biblischen Zügen
4.1.1. Christliche Ibaditen in Nordafrika und Spanien
4.2. Ajbar Machmuâ: Epigonale Geschichtsschreibung und verdeckte Erinnerungen an christliche Traditionen
4.2.1. Lakhmiden in Spanien
4.3. Ibaditen und andere "islamische" Bewegungen

5. Die lateinischen Quellen
5.1. Syrisch-byzantinisch-arabische Einflüsse oder: Mekka liegt in Mesopotamien
5.2. Die Eroberung der Hispania in der Chronik von 754
5.2.1. Wechsel zwischen christlicher und arabischer Sicht, Ungereimtheiten und spätere Einfügungen
5.2.2. Kirchengeschichte: Orthodoxie vs. Heterodoxie und Verbindungen zum Orient

6. Heterodoxie im Spiegel der Konzilien

7. Adoptionismusstreit und weiteres zu syrisch-orientalischen Einflüssen

[...] In den christlich-lateinischen Chroniken leben nach allgemeiner Einschätzung syrische Geschichtsvorstellungen fort. Die syrischen Quellen zur Geschichte der Araber, die älter sind als die medinensischen, sind selbst untergegangen, so dass man heute nur noch die spanischen Chroniken zur Verfügung hat. [J. Wellhausen] In ihnen spürt man jedoch nicht einmal, und das unterscheidet sie von Syrern wie Theophilus von Edessa, eine sachliche Distanz gegenüber dem Islam als einer anderen Religion. Religiöse Fragen scheinen nur innerchristliche Heterodoxien zu betreffen.

Dafür, dass die Verbindungen zum Orient auch im 9. Jahrhundert noch lebendig waren, scheint zu sprechen, dass die Kenntnis des Pseudo-Methodius erst gegen Ende dieses Jahrhunderts in Spanien nachgewiesen ist und die Basis für eine prophetische Chronik im Sinne des Triumphs der Christen über die Araber liefert.

8. Die christlichen Märtyrer von Córdoba

Die Christen Córdobas waren im 9. Jahrhundert zu einem bedeutenden Teil Anhänger jener nicht-trinitarischen und christologischen Tendenzen, gegen die schon im 7. Jahrhundert die erwähnte rasche Folge von Konzilien anzugehen versucht hatte. Albar von Córdoba klagt in einem wohl um 840 geschriebenen Brief an den Abt Speraindeo, dass eine Häresie, von der er ihm schon früher geschrieben habe, die Kirche zerreiße und durch ihre tödliche Anmaßung die Gemeinde mit sich in den Tod führe. Im Einzelnen verleugneten sie die Einheit in der Dreiheit und glaubten nicht, dass Gott in der Dreifaltigkeit einer sei. Außerdem behaupteten sie, dass unser Christus, Gott und unser Herr, (nur) Mensch gewesen sei. Da die Menschen, auf die sich Albar bezieht, sich für ihre häretischen Überzeugungen auf das Matthäusevangelium berufen, ist die Vermutung, es seien gar nicht Christen, sondern Muslime gemeint, definitiv hinfällig. [„Scilicet quia heresis illa quam mea vobis iamdudum insinuavit inertia, die lacerat ecclesiam, et per assertionem lethalem catervam post se trahit ad mortem;... quot trinum in unitate et unum in trinitate Deum non credunt...Christum Deum Dominum Nostrum, hominem tantum asserunt...": Epistolario de Alvaro de Córdoba, ed. crit. por José Madoz, Madrid 1947, 173.]

Mit ihren Vorstellungen von Jesus und der Dreifaltigkeit stehen die Christen Córdobas eindeutig in der syrisch-vornizänischen sowie arabischen Tradition, die weitgehend die des frühen Islam ist. Diese geistige Verwandtschaft konnte auch den christlichen Märtyrern nicht entgehen. Eulogius kennt jedenfalls die Christologie des Koran, wie sie im Felsendom dokumentiert ist. Er sieht, dass Christus danach das Wort Gottes und sein Geist ist, aber das Entscheidende, das ihm dabei fehlt, ist das Bekenntnis zu seiner göttlichen Macht. ["ore blasphemo docuit Christum Dei Verbum esse, et spiritum ejus, et Prophetam quidem magnum, nulla vero Deitatis potentia praeditum"] [...]

9. Bischöfe sehen Gefahr in den "Casianern", nicht im Islam

10. Früheste inschriftliche und numismatische Zeugnisse

Die frühesten Zeugnisse sind, bis auf die Münzinschriften, sehr spät. Die Lücken in der Information über das 8. Jahrhundert werden auch nicht durch Inschriften an/in Bauten oder auf Gräbern gefüllt.

Was an Inschriften gefunden wurde, ist vielfach publiziert und zuletzt von Lévi-Provençal zusammengestellt und interpretiert worden. Sie müssen deshalb an dieser Stelle nicht mehr vorgestellt werden. Arabische Inschriften sind überhaupt nicht für das 8., sondern erst für das 9. Jahrhundert überhaupt bekannt, und zwar nicht mehr als sechs. Die erste verweist in der mit vielen Fragezeichen versehenen Lesart von Lévi-Provençal auf die Gründung einer Moschee in Sevilla durch Abd ar-Rahman II., die zweite auf die Gründung einer Burg in Mérida durch den gleichen Emir, die dritte bezieht sich auf die gleiche Baumaßnahme, eine vierte spricht die Restaurierung der Moschee in Córdoba durch den selben Bauherren an, die fünfte befindet sich auf der Grabplatte einer von al-Hakam I. freigelassenen Dame aus Córdoba, eine sechste befindet sich auf dem Grabstein eines Unbekannten in Torre del Campo, Provinz Jaen.52 Religiöse Formeln erscheinen in den Inschriften der Burg von Mérida und der Mezquita von Córdoba.

An der Mezquita steht in archaischer kufischer Schrift, soweit überhaupt noch lesbar: "Es hat befohlen der Emir – den Gott erleuchten möge – Mohammed, Sohn von Abd ar-Rahman, die Restaurierung von dem, was er für notwendig hielt in dieser Moschee und ihre Konsolidierung, in der Hoffnung auf die Belohnung Gottes zu seinem Nutzen und auf seine Belohung für dieses Werk. Und es wurde beendet…im Jahr 241 mit dem Segen Gottes und Seiner Hilfe. Masrur und…"

Nur in einer Inschrift aus dem letzten Viertel des 9. Jahrhundert kommt "muhammad/un rasul/u llah" vor. Dieses Ausblenden der Rolle eines Moham­med ist nicht ungewöhnlich für die frühe Zeit des Islam, wie Solange Ory festgestellt hat:

"Dans les formulations de la šahada la référence au Prophète n'est pas systématique. Aussi elle est absente du texte gravé à droite de la porte d'entrée de la mosquée umayyade de Busra. Elle est également absente de la plupart des textes funéraires."

Wenn also in Al-Andalus das Mohammed-Motto ausgespart wird, entspricht dies der Tradition omaiyadischer Inschriften zur Zeit Abd al-Maliks.

Offenbar war zu dieser Zeit das Bekenntnis zu einem Propheten noch nicht selbstverständlicher Bestandteil des islamischen Glaubensbekenntnisses.

[Weiter geht es mit einer Bewertung der Münzinschriften, anfangs in Latein]

Resümee

Die Geschichtserzählungen, auf welche sich auch noch die moderne Geschichtsschreibung stützt, liefern einerseits theologisch, andererseits dynastisch (Abbasiden) geprägte Geschichtsbilder.

Für Zweifel an der traditionellen Eroberungsgeschichte und für eine Verschwörung des westgotischen Adels gegen den eigenen König mit Hilfe von Berbern und den syro-aramäisch sowie persisch und jüdisch geprägten Omaiyaden sprechen nicht nur die übereinstimmend gegen die Theologie von Byzanz gerichteten religiösen Überzeugungen der christlichen Araber, Berber und vieler Spanier. Auch das Mordkomplott des Metropoliten von Toledo, der westgotischer Abstammung war, gegen den vorletzten westgotischen König und dessen Familie bezeugt zumindest ein spannungsvolles Verhältnis zwischen Adel und Königsgeschlecht. Eine ähnliche Konstellation ist im 9. und 10. Jahrhundert zu beobachten, als sich Territorialherren westgotischer Abstammung wie Ibn Hafsun dank der Unterstützung durch "schiitische" Berber gegenüber der Kalifatsgewalt behaupten können. Der Kalif in Córdoba argwöhnte nicht ohne Grund, dass "muslimische" Sekten, welche die Askese predigten und zugleich griechische Wissenschaft und Philosophie nach Spanien brachten, mit aufständischen Christen gemeinsame Sache machten. Sie teilten ja in der Tat jene christlich asketischen Ideale, gegen die nach Auffassung der christlichen Märtyrer von Córdoba Mohammed in gröbster Weise verstoßen hatte, und sie mussten in ähnlicher Weise wie die Christen die Verfolgung durch die der islamisch-abbasidischen Tradition verhafteten Richter fürchten. Zu einer religiös-kulturellen Blüte konnte es daher am ehesten dann kommen, wenn die Macht der Richter gebrochen war, so etwa nach dem Zusammenbruch des Kalifats 1031 und seinem Zerfall in viele "taifa"-Königreiche.



 
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