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Konstantinische Schenkung

BenutzerBeitrag

02:41
26. Oktober 2007


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Nach nochmaligem Besuch Triers (insb. der Nachwirkungs-Ausstellung im Simeonsstift) möchte ich auf folgendes Problem aufmerksam machen.

Es ist das Problem der Wiedertaufe, die die von Otto III. und dann von der Neuzeit als Fälschung erkannte "Konstantinische Schenkung" vielleicht doch rehabilitiert.

Am Anfang des Arianismus stehen bekanntlich die Novatianer, benannt nach Novatius (+ um 258), der 251 exkommuniziert wurde, sowie Lukian von Antiochien (+ 312), ebenfalls exkommuniziert und erst kurz vor seinem Tod wieder aufgenommen. Lukian wiederum war der Lehrer von Eusebius von Nikomedien (+ 341), Biograph Konstantins des Großen und von Arius.

Eusebius von Nikomedien war wahlweise Vertreter der sog. "Mittelpartei" zwischen Athanasius und Arius, und des Arianismus selbst. So unterzeichnete er 325 das Nicaeum, um kurz darauf zu wiederrufen. Arius wurde 325 exkommuniziert, 327 rehabilitiert, 333 erneut verurteilt und 335 wieder aus der Verbannung zurückgeholt.

Eines der großen Hauptthemen des Konzils von Nicaea war die Wiedertaufe der Häretiker. Während die Lateiner seit Papst Stephan I. sich immer wieder gegen diese Wiedertaufe aussprachen (Synoden von Karthago 255 und 256), hielten die arianischen, insbesondere auch eunomianisch und donatistisch geprägten Häretiker an der Wiedertaufe fest (siehe Epiphanius von Salamis, + 403, Panarion).

Wenn man sich daraufhin die kaiserlich-päpstliche Chronologie genauer anschaut ergibt sich folgendes Bild:

307 Severus stirbt (von Maxentius ermordet)
311 Galerius stirbt, verfügt aber noch kurz vor seinem Tod das Toleranzedikt von Nikomedien (gilt laut Lactancius als Anstifter der Christenverfolgung unter Diokletian => Reue oder Bekehrung am Sterbebett).
312 Sieg über Maxentius, vorher Kreuzesvision. "Arianer" Lukian von Antiochien stirbt. Schon vorher läuft Konstantin auf einen Monotheismus (Sol invictus)
313 Licinius heiratet die Halbschwester von Konstantin dem Großen und vertreibt Maximinus.
313 Konstantin und Licinius lassen im Zwei-Kaiser-Edikt von Mailand Christentum zu (Toleranzedikt).
314 Silvester wird Papst. Bürgerkrieg zwischen Konstantin und Licinius. Licinius wird von Konstantin zweimal schwer geschlagen. Konstantin lässt ihn leben, reduziert aber seine Gebiete auf Thrakien, Kleinasien, Syrien und Ägypten.
315 Konstantin ruft Lactancius zur Erziehung seines Sohnes Crispus nach Trier!
315/317 Angebliche Ausstellungszeit der Konstantinischen Schenkung laut Valla (1440), der sie unter anderem deshalb als Fälschung sieht, weil ja nicht Silvester, sondern Eusebius den Kaiser getauft habe. Der Text besteht aus einem Confessio- und einem Donatio-Teil: "In dem Confessio-Teil steht, dass Kaiser Konstantin als Christenverfolger gegen Ende seines Lebens vom Aussatz befallen wurde. Die römisch-heidnischen Kapitolinischen Priester raten ihm, im Blute unschuldiger Kinder zu baden, doch wird er von der Klage der Mütter von Mitleid ergriffen, und er schickt Mütter und Kinder nach Hause. Wie zum Lohn wurde er in einem nächtlichen Traum von den ihm erscheinenden Aposteln Petrus und Paulus an Papst Silvester I., der ihm helfen könne, verwiesen. Silvester hält sich am Berg Soracte vor der Christenverfolgung verborgen. Konstantin lässt Silvester herbeiholen, der ihn durch ein Taufbad heilt.")
316 Streit mit Licinius um Illyrium. Konstantin ist erfolgreich.
320 Licinius beginnt mit erneuter Christenverfolgung (siehe BBKL), wogegen sich Konstantin wendet.
321 Konstantin führt Sonntag ein. Er duldet zunächst die Donatisten, geht dann aber zunehmend gegen sie vor.
322 Konstantin verlegt seinen Regierungssitz nach Thessaloniki.
324 Erneuter Krieg gegen Licinius. Konstantin wird Alleinherrscher. Nach Sieg ändert er Beinamen vom heidnischen Invictus in Victor. Heidnische Symbole auf Münzen verschwinden.
325 Hinrichtung Licinius (Sein gleichnamiger Sohn im Rang eines Caesars stirbt 326)
325 Konzil von Nicaea: Wiedertaufe ist Thema, Arius wird verurteilt
326 Edikt gegen Häretiker. 326 Tötung von Crispus wegen Vorwurfs seine Schwiegermutter zu bedrängen, Tötung der Fausta nach Entdeckung seinen Sohn wegen deren falschen Anschuldigungen getötet zu haben.
327 Arius wird rehabilitiert.
330 Nach Ende der Bauzeit (feierliche Einweihung) verlegt Konstantin die Hauptstadt des römischen Reiches nach "Ostrom" (später nach ihm Konstantinopel benannt). In Rom gibt es nur noch einen Stadtpräfekten. (Papst Gregor der Große war bis 575 im Übrigen Stadtpräfekt von Rom, wurde dann Mönch, 579 Apokrisiar in Konstantinopel, 590 als erster Mönch Papst)
333 Arius wird erneut verurteilt
335 Papst Silvester stirbt. Arius wird aus Verbannung zurückgeholt, Athanasius in die Verbannung geschickt. (=> Arianische Partei gewinnt Oberhand)
336 Arius stirbt.
337 Konstantin stirbt. Auf dem Sterbebett tauft ihn Eusebius von Nikomedia (=> nur Wiedertaufe macht Sinn!!!)
341 Eusebius von Nikomedia stirbt. In den letzten vier Jahren nach Konstantins Tod verfasst er eine Biographie, in der
364-375 Valentinian I. (lateinisch gesinnt) und Valens (arianisch gesinnt) haben unter anderem unterschiedliche Auffassungen über die Wiedertaufe
381 Konzil von Konstantinopel bildet für Ostrom vorläufiges Ende des Arianismus und der Wiedertaufe von Häretikern
385: In der ältesten päpstlichen Dekretale hält Papst Siricius das Verbot der Wiedertaufe fest, nachdem Erzbischof Himerius von Tarragona (Spanien) danach gefragt hatte.
388 In Westrom wurde das Ende durch Valentinians II. Mutter Justina hinausgezögert bis zu deren Tod.
Bei den Ostergermanen, inklusive den Westgoten utner Wulfila hielt sich der Arianismus (der gängigen Chronologie nach) bis ins 7. Jahrhundert.
um 750 Papst Stephan II. verbindet sich mit dem Frankenkönig Pippin III., worauf Pippin dem Papst die Herrschaft über vorher langobardische Gebiete in Mittelitalien überließ.
1001 Kaiser Otto III. verwirft Konstantinische Schenkung als Fälschung, schenkt dann den heruntergekommenen Kirchenstaat dem Papst NEU! Die Frage der Fälschung wird aber nicht weiter verfolgt, weil Kaiser Otto III. 1002 starb.
1054 Unter Papst Leo IX. kommt es zum Schisma zwischen Ost und Westkirche, wobei Kardinal Humbert in der Bannbulle ausdrücklich das Thema "Arianer, die Lateiner wiedertaufen" beinhaltet.
11. Jahrhundert: Die Konstantinische Schenkung wurde fester Bestandteil des Kirchenrechts, woran auch nichts änderte dass sie um 1440 wieder als Fälschung "erkannt" wurde (Nikolaus von Kues, Lorenzo Valla).

Dieser Zeit- und logische Ablauf macht die Konstantinische Schenkung doch sehr wahrscheinlich, zum Konstantin in Ostrom als Heiliger verehrt wird, während er in der lateinischen Kirche lange als Häretiker galt.

09:54
26. Oktober 2007


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Wenn also die Konstantinische Schenkung stattgefunden und sich Konstantin auf den Osten beschränkt und die Macht im Westen einem Stadtpräfekten unter der Regie des Papstes überlassen hätte, dann würde sich meiner Meinung nach erklären, warum eine Dopplung der oströmischen Kaiser nach Konstantin notwendig war. Dass man damit auch den Islam auf zeitliche Distanz zu Konstantin brachte, war dann sogar ein positiver, wenn auch vermutlich nicht gewollter Nebeneffekt (abgesehen vielleicht von der Zahlenspielerei mit 666 und 616). Wenn Mohammed aber nun in Mitleidenschaft gezogener Quasi-Arianer um 325 war, erklärt das, darauf hat Topper ja schon hingewiesen, auch späteres historisches Geschehen, zum Beispiel den Vandalenzug Geiserichs nach Karthago.

Zitat Topper: "Wenn aber diese Eroberung Nordafrikas – genau wie die Andalusiens – eine von Wandalen und Berbern und Perser-Arabern gemeinsam gegen Byzanz gerichtete Sache war (was die zweisprachigen islamischen Münzen um 100 Hedschra nahelegen, siehe Codera 1879 und I. Topper 1998), erhellen sich manche Unklarheiten. Dann würden auch die arianische Geisteshaltung dieser frühen islamischen Bewegung und die streng religiöse Triebfeder der Wandalenführung, besonders Geiserichs neue Gesetzgebung, plausibel werden." Damit würden wiederum die Berichte des Bonifatius, comes Africae (+ 432) glaubwürdig, er habe Geiserich zu Hilfe gerufen. Der Foederatenvertrag wäre demnach kein Friedensvertrag, sondern ein Bündnis, wie er ja auch dem Namen nach sagt.

"Der römische Feldherr und Statthalter Bonifacius, berühmt seit 413, dem Jahr der großen Gotenschlacht von Massilis, bekannt aber auch als Briefpartner des Augustinus. Er hat diesen Karrieregeneral umworben. Augustinus war zu Bonifacius in eine Wüstengarnision gereist, weil ihm dieser Kommandeur gotisch-arianischer Hilfstruppen seiner braven katholischen Frau wegen der richtige Ordnungshüter zu sein schien. Aber Bonifacius bereitete Augustinus eine tiefe Enttäuschung. Nach dem Tod seiner katholischen Frau heiratete er eine reiche arianische Erbin, umgab sich außerdem mit einer Anzahl von schönen Beischläferinnen verschiedener Rassen und schien auch sonst jenem Rex Gildo nacheifern zu wollen, der sich im Angesicht Roms zum Herrn Afrikas aufgeschwungen hatte. … Ohne daß irgendein Chronist sicher zu sagen wüßte, was sich eigentlich begab, ist Hippo im August 431 eine vandalische Stadt. Bonifacius ist nach Rom zurückgerufen worden und die Vandalen haben dem hartnäckigen Gegner, der mit ein paar hundert Goten Hippo vierzehn Monate gehalten hatte, die Abreise gewiß so leicht wie nur möglich gemacht." (Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993, zitiert nach Mittelalter-Genealogie) Dazu Isidor von Sevilla für 428 (Kap. 74 seiner Sätze): Geiserich »wurde aus einem katholischen Christen ein Abtrünniger und soll sich als erster zu der arianischen Irrlehre bekannt haben.«

455 Eroberung und Plünderung Roms durch den Arianer Geiserich. Papst Leo dem Großen blieb nur noch die Verhandlung mit Geiserich, die er der Überlieferung nach so geschickt machte, dass Geiserich die Stadt zwar plünderte, aber die einfachen Bürger weitgehend verschont ließ. Leo wird daher als Retter Roms verehrt. 452 hatte er schon geschickt gegen Attila verhandelt.

472 plünderten dann noch die Burgunden Rom.

Zurück zu Konstantin:

Der Historiker Zosimus berichtet, dass Konstantin nach dem Tod des Crispus und der Fausta solche Schuldgefühle plagten, daß er Christ wurde, um Vergebung für seine Sünden zu finden.
Waren womöglich diese Schuldgefühle Auslöser für seinen Aussatz, den Silvester dann durch die Taufe heilte. Dann wäre die ERSTE Taufe um 330/333 anzusiedeln. Der heidnische Historiker Zosimus (seine Historia Nea entsteht nach allgemeiner Annahme zwischen 498 und 518) beschreibt Konstantin in II,28,1 als durchaus schlechten Menschen, da er zuerst Licinius, nach deren Auseinandersetzung, Gnade gewährte und ihn später doch umbringen ließ. Er untermauert den schlechten Charakter Konstantins indem er betont, dass es „seine gewöhnliche Art“ war einen Eid zu brechen. In II,29,1 geht Zosimus auf den Wechsel zum Christentum ein. Konstantin ließ allein aus politischer Berechnung nicht von den alten Sitten ab. Da er zudem vermutete, dass sein Sohn Crispus ein Verhältnis zu seiner Frau Fausta unterhielt, ließ er beide hinrichten. Daraufhin wandte er sich an die heidnischen Priester, die ihm eine Sündenfreisprechung aufgrund der „riesigen Gottlosigkeit“[2] verweigerten. Ein Ägypter aus Spanien versprach Konstantin, dass Jesus alle Sünden vergeben würde sofern er zum Christentum übertrete und Konstantin nahm das Christentum an. Doch wie Zosimus berichtet, geriet er sofort in einen Konflikt mit dem Senat und dem Volk, da er sich nicht an den Feierlichkeiten auf dem Kapitol beteiligte. Zudem berichtet er in II,30,1, dass der nunmehr christliche Kaiser Konstantin in Rom nahezu verachtet wurde und sich deshalb in Byzanz seinen neuen Sitz errichtete. Konstantin soll dort zwar die Statuen der alten römischen Götter aufgestellt haben, sie jedoch zum christlichen Zwecke verändert haben, wie z.B. bei der Statue der Rhea.[3]

Vielleicht sollte man den zeitnäheren Geschichtsschreibern doch mehr Glauben schenken als bisher.

23:23
26. Oktober 2007


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Weiter:

Grundsätzlich ist eine Schenkung infolge von "Heilung" oder "Lossprechung" (Buße) durch Adelige an die Kirche nichts besonderes. Die Kirche hat vermutlich wertvollere Geschenke bekommen als durch die Konstantinische Schenkung.

Dass hier christliche und heidnische Geschichtsschreibung und Legendenbildung bereits im 4. bis 6. Jahrhundert so gut übereinstimmen, spricht ebenfalls für die Existenz einer Schenkung.

Unabhängig davon ist die Frage nach der Echtheit der Urkunde selbst eine andere. Diese kann auch nachträglich niedergelegt worden sein, setzt aber letztlich eine Schenkung voraus. Denn:

Wikipedia: "Seit dem 4. Jahrhundert wuchs der Grundbesitz der römischen Kirche in Italien durch Schenkungen zahlreicher Güter in Süd- und Mittelitalien und auf Sizilien an. Die Patrimonium Petri (Vermögen des Petrus) genannten Besitzungen machten den Bischof von Rom im 6. Jahrhundert zu einem der größten Grundbesitzer in Italien. Durch die von Papst Gregor I. während seiner Amtszeit durchgeführte Reform und den Wechsel zu einer straffen Zentralverwaltung bekam das Patrimonium Petri viel mehr den Charakter eines Herrschaftsgebildes. … Zu Anfang des 8. Jahrhunderts kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der weströmischen Kirche, den Langobardenkönigen und dem oströmischen Kaiserreich, in deren Folge viele Besitzungen wieder verlorengingen. Es verblieb lediglich der Dukat (byzantinischer Verwaltungsbezirk) Rom als Herrschaftsgebiet. Als Pippin III. 751 zum König der Franken gewählt wurde, ließ er sich von Papst Zacharias die Wahl bestätigen. Dadurch wurden die Karolinger als Königsgeschlecht bestätigt. Die Expansionsbestrebungen des Langobardenkönigs Aistulf in Italien bewogen Papst Stephan II. 754 dazu, sich von Byzanz abzuwenden und die Franken als Gegenleistung für deren Legitimierung um Schutz zu bitten. Pippin versprach als christlicher König, die von den Langobarden zurückeroberten Gebiete dem Nachfolger Petri zu übereignen. In der Urkunde von Quierzy 754 garantierte er dem Papst das Dukat Rom, das Exarchat Ravenna, die Pentapolis, Tuszien, Venetien, Istrien und die Herzogtümer Spoleto und Benevent als kirchliche Territorien. Diese Zusage wurde als Pippinische Schenkung bekannt und gilt als Grundlage des Kirchenstaates. Der genaue Text ist nicht bekannt und die Schenkungsurkunde nicht erhalten, sodass die genauen Umstände der Pippinischen Schenkung von einigen Historikern kontrovers diskutiert werden."

Gemäß der FZT müsste die Pippinische Schenkung zumindest an den Beginn des 7. Jahrhunderts vorrücken, was grundsätzlich denkbar ist, wenn sie nicht von Pippin III., sondern von Pippin I. vollzogen worden ist. Der Kirchenstaat ist bekanntlich im 5. und 6. Jahrhundert faktisch mit Rom geplündert worden. Gerade deshalb mußten sich die Päpste an die Franken um Unterstützung wenden.

02:18
25. Februar 2008


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Der Nicht-Reaktion zufolge scheine ich hier ein heikles oder Tabu-Thema angesprochen zu haben.

Die älteste Überlieferung der Konstantinischen Schenkung ist eine Handschrift, die aus dem Kloster Saint-Denis bei Paris stammt. Dort hat sich seinerzeit der Papst aufgehalten, als er der Tradition nach König Pippin im Frankenreich besuchte. Insofern ist das ein Indiz, daß der Papst die Schenkung bei diesem Treffen zumindest bestätigt hat, außer man geht auch von einer Fälschung der Pippinischen Schenkung aus. Die falsche Konstantinische Urkunde müsste dann aber ebenfalls zeitnah zur Pippinischen Schenkung entstanden sein, später macht sie keinen Sinn mehr, da Pippin selbst sie ja autonom begründet. Doch dann spricht eigentlich auch nichts mehr gegen eine frühere Entstehung. Denn nach dem Zerfall des weströmischen Reiches und dem Zusammenbruch der byzantinischen Herrschaft im Westen bemächtigten sich die Päpste allmählich auch der weltlichen Herrschaft über Mittelitalien. Dabei wäre die gefälschte Urkunde der "Konstantinischen Schenkung", nach der Kaiser Konstantin dem Papst die Westhälfte des Römischen Reiches geschenkt habe, durchaus von Nutzen gewesen.

Bekanntlich besitzen wir aber weder die Schenkungsurkunde Pippins noch die Bestätigungsurkunde Karl des Großen, sondern erst diejenige Ludwigs des Frommen, das sog. Hludowicianum, und auch dieses nur in einer Abschrift des 11. Jahrhunderts, die bereits deutliche Spuren einer späteren Überarbeitung zeigt.

Die Frage ist also, hätte ohne ein kaiserliches Privileg der Kirchenstaat zwischen 4. und 6. Jahrhundert so wachsen und sich derart stabilisieren können, wie dies der Fall war?

17:58
25. Februar 2008


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Interessant ist daher das Verhältnis von Stadtpräfektur, Senat und Papst zwischen der Regentschaft Konstantins des Großen und der Zeit Papst Gregors des Großen. Letzterer war von 590 bis 604 Papst. Er stammte aus der Patrizier-Familie der Anicii, aus denen schon im 5. Jahrhundert zwei der letzten weströmischen Kaiser entstammten, sowie Papst Felix III. (+ 530). Schon Gregors Vater Gordianus war hoher Beamter der Stadt Rom und Gregor selbst Stadtpräfekt von Rom, dem höchsten Amt, das ein Senator in Italien bekleiden konnte. 575 gab er das Amt des Stadtpräfekten auf, wurde Mönch, aber schon 579 trat er unter Papst Pelagius II. in den Kirchendienst ein (u.a. als Apokrisiar in Konstantinopel bis 585, dann als persönlicher Berater) und wurde 590 schließlich selber Papst.

Seit dem Gotenkrieg (535-552) befand sich der weströmische Senat in Auflösung, der jeweilige Papst musste mit den neuen europäischen Völkern arrangieren, der Stadtpräfekt hatte daher alsbald keine richtige Funktion mehr, auch wenn es formal ab 556 wieder zum oströmischen Reich gehörte.

Papst Johannes I. war vom Ostgotenkönig Theoderich inhaftiert worden.
Theoderich setzte sich für die Wahl Felix III. ein, der sich dementsprechend auch ostgotenfreundlich verhielt.
Papst Bonifatius II. war von Geburt her ein Ostgote und verdankt seine Wahl dem Einfluss des gotischen Königs Athalarich.
Papst Johannes II. legte fest, dass die Wahl zum Papst der Zustimmung des ostgotischen Königs bedurfte.
Nach wirren Zeiten des Schismas wurde mit Pelagius II. ein gebürtiger Römer mit ostgotischem Vater Papst.

Faktisch war im gesamten 6. Jahrhundert der oströmische Einfluss auf die Stadt Rom äußerst gering, während der Papst sich vor allem mit den Ostgoten, später auch den Langobarden arrangierte.

Im 8. Jahrhundert sollen unter Pippin nun die Ämter des Stadtpräfekten und des Dux in die alleinige Abhängigkeit des Papstes gekommen sein. Unter Fantomzeitperspektive muss dies aber spätestens zu Beginn des 7. Jahrhunderts gewesen sein.

Daher müssen wir nun Schritt für Schritt zurückgehen: Da steht zunächst Papst Gelasius I. an, der gegenüber Kaiser Anastosios I., Odoaker und Theoderich das Verhältnis des Papsttums („auctoritas sacrata pontificum“) und des Kaisertums („regalis potestas“) als der beiden gemeinsam die Welt regierenden Mächte im Sinne der auf ihn zurückgeführten Zwei-Schwerter-Theorie beschreibt. Er setzte sich für die Behauptung der dem Bischof von Rom in Süd- und Mittelitalien verbliebenen Rechte und Besitzungen ein. Daran dürfte kein Zweifel sein, zumal sich in der pippinisch-karolingischen Tradition Anküpfungen ausgerechnet auf Gelasius und Gregor dokumentieren lassen (siehe Evangeliar Karls des Kahlen).

Das heißt Ende des 5. Jahrhunderts ist der Status quo bereits gegeben.

23:38
25. Februar 2008


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

Die Namen der römischen Stadtpräfekten sind uns vom Chronograph von 354 bis zu diesem Jahr überliefert, dannach nur noch punktuell und schwer nachprüfbar. Danach gab es nicht mehr allzu viele namentlich bekannt sind.

Betrachten wir zunächst die nachkonstantinischen Konstellationen. Sollte es die Schenkung gegeben haben, wäre es kein Wunder, wenn sie unter Julius Apostata negiert worden wäre, denn:

Marcus Caeionius Iulianus Camenius, Stadtpräfekt, geboren um 285 (Religion: pag.), 333/334, Stadtpräfekt, gestorben nach 334
* Tochter: Basilina, heiratet Bruder von Konstantin dem Großen: Flavius Iulius Constantius
** Sohn: Flavius Claudius Constantius Gallus wird 354 hingerichtet. Dessen Stiefbruder ist: Flavius Claudius Iulianus (Iulian II.) (Apostata (der Abtrünnige)), Ks. Geboren 331 in Konstantinopel (Religion: r.K.), gestorben 26.6.363 in Maranga, am Tigris. Er wird 355 Caesar im Westen 355, nachdem er schon zuvor vom Christentum abgefallen war. Er versucht durch Zurückdrängung des Christentums als Kaiser das Heidentum wieder als bevorzugten Kult einzuführen und holt sich dabei insbesondere während seiner Kaiserzeit von 361 bis 363 Unterstützung vom mehrheitlich nichtchristlichen Senat und damit auch vom jeweiligen Stadtpräfekten.

Allein der wohl zunächst von Christen zugeschriebene Titel Julius als "Apostat", Abtrünniger, lässt die Frage auftauchen, wovon er wirklich abtrünnig geworden ist. Zu späterer Zeit erhielten Könige, Kaiser und hohe Adelige diese Beinamen vor allem dann, wenn sie kirchliche Besitztümer in Frage gestellt haben (siehe "Arnulf der Böse").

351 ist uns Clodius Celsinus Adelphius als Stadtpräfekt übermittelt. Sein Sohn Quintus Clodius Hermogenianus Olybrius war 369-70 Stadtpräfekt, sein Schwiegersohn Lucius Valerius Septimus Bassus 379 und/oder 383

Hinzu kommt in der Zeit von 352 bis Dezember 384 das Papstschisma:
Liberius (lat.: der Freie; * in Rom; † 24. September 366) war Bischof von Rom (Papst) vom 17. Mai 352 bis 24. September 366. Da er im arianischen Streit Athanasius unterstützte, verbannte ihn Kaiser Constantius II. (Kaiser seit 337) im Jahre 355 nach Thrakien und machte Felix II. zum Gegenpapst. 357 stimmte Constantius dem dringenden Bitten einflussreicher römischer Damen zu, Liberius aus der Verbannung zu holen. Constantius erließ ein Edikt, dass beide Bischöfe gleichberechtigt zusammen zu herrschen haben, aber Liberius wurde 358 bei seiner Ankunft in Rom von allen Schichten derart enthusiastisch empfangen, dass Felix sich gezwungen sah, Rom umgehend zu verlassen.

Von 354 bis 360 sind uns keine Stadtpräfekten namentlich bekannt.

Von 357 bis 394 wird zwischen römischen Heiden und Christen der Streit um den Victoriaaltar im Sitzungsgebäue des Senats von Rom ausgetragen. Der christliche Kaiser Constantius II. ließ ihn zum ersten Mal entfernen, Julian Apostata (Kaiser von 361 bis 363) machte die Entscheidung noch einmal rückgängig. Unter Julian war der Christ (!) Valerius Maximus Basilius (geboren um 330, gestorben nach 364) Stadtpräfekt, der mit der heiliggesprochenen Melania (die Ältere) verheiratet war. Er war Sohn von Lucius Valerius Maximus Basilius, Stadtpräfekt von 327 bis 337.

Lucius Aurelius Avianius Symmachus (signo Phosphorius) († 376) war ein spätantiker römischer Senator und 364/65 Stadtpräfekt.

Gaius Caeionius Rufius Volusianus Lampadius (geboren um 315, gestorben 371/402), Sohn des Gaius Caeionus Rufius Albinus, der selbst 337 Stadtpräfekt war, war im Jahr 365 Stadtpräfekt.

Vettius Agorius Praetextatus war 367 Stadtpräfekt von Valentinian zum Stadtpräfekten gemacht worden. Er entschied den Papst-Nachfolgestreit zwischen Damasus I. und Ursinus. Obwohl Damasus mit großer Mehrheit zum Papst gewählt wurde, musste er sich erst in langwierigen Auseinandersetzungen gegen den von der Minderheit zum Gegenpapst gewählten Ursinus durchsetzen, und zwar nur mit Hilfe der Staatsmacht, allen voran der Stadtpräfekt Viventius und dem Praefectus Annonae (Vorsteher der Getreideverwaltung). Vettius Agorius Praetextatus bestätigte Damasus I. Nach Fürsprache beim Kaiser konnte Ursinus am 16. November 367 von seinen Anhängern triumphal empfangen wieder nach Rom zurückkehren. Doch bereits kurz darauf wurde er vom Stadtpräfekten erneut nach Gallien verbannt.

Der Christ Gabinius Vettius Probianus (geboren um 325, gestorben nach 377) war 377 Stadtpräfekt.
Flavius Hypatius war 378/79 Stadtpräfekt. Hypatius, dessen Todesjahr unbekannt ist, war vermutlich Christ, wie aus einem Brief des Bischofs Gregor von Nazianz an ihn hervorgeht

Kaiser Gratian legt 379 unter dem Einfluß von Ambrosius von Mailand die Insignien und den Titel des Pontifex Maximus ab und beendet den arianischen Streit. Im Winter 382/83 ordnete Kaiser Gratian erneut die Entfernung des Victoria-Altars samt Statue an. Gleichzeitig strich er die finanziellen Zuwendungen an heidnische Einrichtungen wie den Tempel der Vestalinnen. Während dieser Zeit war entweder 379 und/oder 383 Lucius Valerius Septimus Bassus Stadtpräfekt (Er war Sohn von Lucius Valerius Maximus Basilius, Stadtpräfekt von 327 bis 337). Anicius Auchenius Bassus war 382 Stadtpräfekt.

Als 383 Kaiser Gratian starb, versuchte der mehrheitlich antichristliche Senat noch einmal Oberwasser zu gewinnen. Unter dem "toleranteren", sprich "gleichgültigeren" Valentinian II. und der Führung des 384 vom ihm zum Stadtpräfekten ernannten Quintus Aurelius Symmachus (* um 342; † 402/3), Sohn von Lucius Aurelius Avianius Symmachus, wurde noch einmal der Versuch unternommen, die Entscheidung rückgängig zu machen. Valentinian hatte zwar zunächst die Entscheidung bestätigt, doch schrieb der Stadtpräfekt aus der angesehenen Familie der Symmachi seine dritten Relatio, die er dem kaiserlichen Hof in Mailand übermittelte. Er bat Valentinian darin ein weiteres Mal um die Rücknahme der Entscheidung seines Vorgängers unter Verweis, dass unter anderem die Schlacht gegen die Goten 378 nur deshalb verloren ging, weil man sich von den heidnischen Göttern abgewandt habe. Der Relatio trat Bischof Ambrosius von Mailand, ein enger Berater des Kaisers, energisch entgegen, so dass sich der Senat nicht durchsetzen konnte.

Ab 384 nennt sich der Nachfolger von Papst Damasus I., Papst Siricius erstmals Papst. Er wurde einmütig gewählt und mit Blick auf den Gegenpapst Ursinus am 25. Februar 385 von Kaiser Valentinian II. bestätigt.

Unter Valentinian und seinen Nachfolgern gibt es zwar weiterhin heidnische Stadtpräfekten, allerdings in klarer Unter- und Zuordnung zum Papst:

Caeionius Rufius Albinus (geboren um 345, gestorben nach 391), Stadtpräfekt von 389-391
Tarrutenius Marcianus (geboren um 350, gestorben nach 410), Stadtpräfekt 409

402 wird Mailand von den Westgoten belagert und infolgedessen die Hauptstadt des weströmischen Reiches nach Ravenna verlagert.
410 wird Rom von Alarich belagert und zerstört.

Rufus Antonius Agrypnius Volusianus (geboren um 370, gestorben 6.1.437) wurde auf dem Totenbett getauft. Er war 417/18 Stadtpräfekt.

Rufius Probianus (geboren um 380, gestorben nach 416), 416 Stadtpräfekt, verheiratet mit der Tochter des früheren Stadtpräfekten und Christen Gabinius Vettius Probianus
* Sohn: Rufius Postumius Festus (geboren um 405, gestorben nach 439), Stadtpräfekt um 439
** Sohn: Rufius Synesius Hadrianus (geboren um 440, gestorben nach 470), Stadtpräfekt um 470

432 baut Papst Sixtus III. Rom wieder auf.
440 Leo I. verwendet als erste Patriarch von Rom den Titel des Pontifex Maximus, 450 führt er außerdem den Titel "Patriarcha Occidentis", Patriarch des Abendlandes ein.

Gaius Sollius Modestus Sidonius Apollinaris (* um 430 in Lyon † nach 479 in Clermont-Ferrand) war ein hoher gallo-römischer Aristokrat. Er war 468 Stadtpräfekt von Rom, danach bis zu seinem Tod Bischof der Auvergne, was die enge Verknüpfung dieses "weltlichen" Amtes mit der Kirche dieser Zeit dokumentiert.

476 mit dem Ende des weströmischen Reiches sowie der Machtergreifung durch Odoakers wird 483 Felix II. mit der Zustimmung König Odoakers zum Papst gewählt.

Nar. Manlius Boethius war 487 zum zweiten Mal Stadtpräfekt, das erste Mal wohl vor 480. Er gilt als Vater von des christlichen Philosophen Anicius Manlius Torquatus Severinus Boëthius (* zwischen 475 und 480 in Rom, † zwischen 524 und 526 in Pavia), der als "letzter Römer" gilt. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde Quintus Aurelius Memmius Symmachus († 526) zum Pflegevater und schließlich Schwiegervater. Boethius und Symmachus wurden 525/526 unter Theoderich wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet.

Agapitus war wohl 508/509 Stadtpräfekt, nachdem er zuvor von Ostgotenkönig Theoderich ein hohes Amt bekommen hatte.

Die Nachrichten von Stadtpräfekten werden zunehmend dünner.

Die Urkunde mag also irgendwann zwischen 410 und 614 gefälscht worden sein, der Umstand einer großzügigen Besitzschenkung Konstantins an Papst Silvester scheint aber notwendig zur Erklärung der nachfolgenden Auseinandersetzungen um Rom, in der die Päpste immer dann die Oberhand über die Stadtpräfekten behielten, wenn der Senat schwach und der römische Klerus einig war. Ab dem 5. Jahrhundert verhandeln nicht die Stadtpräfekten, sondern die Päpste selbst mit den jeweils neuen westgotischen und langobardischen Machthabern um ihre Besitzungen rund um Rom. Die Mär, dass die Besitzungen unter den Langobarden verloren gingen und Pippin sie wieder eneuern mußte, wird ab dem Zeitpunkt obsolet, wenn die Pippinische Schenkung selbst im Zuge der Fantomzeit in das 6. oder spätestens Anfang des 7. Jahrhunderts wandert.

09:05
26. Februar 2008


jb

Member

Beiträge 477

Vinzenz Obinger:
Die Namen der römischen Stadtpräfekten sind uns vom Chronograph von 354 bis zu diesem Jahr überliefert [...].

Die älteste noch vorhandene Handschrift des Chronographen von 354 ist allerdings eine Kopie aus dem 16. Jh. (siehe meinen Artikel Filocalus im LexMA, ZS 1/2007).

00:04
27. Februar 2008


Vinzenz Obinger

Member

Beiträge 177

ACK, ändert aber nichts an meiner Argumentation, denn die Stadtpräfekten unter Konstantin dem Großen und Constantius II. sind auch anderweitig belegt. Der entscheidende Punkt meiner Argumentation war ja, warum eine mögliche Schenkung Konstantins sich bis Gratian nicht durchsetzen ließ, danach aber faktisch möglich ist, weil die entscheidenden Handlungsträger auch im Gegenüber zu den westgotischen und langobardischen Belagerern immer die Päpste waren, umgekehrt aber die entscheidenden Päpste Siricius, Leo der Große, Gelasius und Gregor der Große tatsächlich große Besitzungen in und um Rom herum gehabt haben, die sie im politischen Notfalle mit in die Waagschale warfen, entweder zur Linderung der Not, in puncto Tributzahlungen oder als Verhandlungsbasis. Jedenfalls scheint es mir nicht sonderlich tragfähig zu behaupten, dass eine „Konstantinsche Schenkung“ erst ab dem 11. Jahrhundert ihre Wirkung gehabt habe, denn gerade in der Auseinandersetzung mit dem überwiegend heidnischen Senat samt seinen Stadtpräfekten wäre es sonst schwerlich denkbar, dass sich die Päpste mit ihren Ansprüchen hätten durchsetzen hätten können. Die Pippinische Schenkung besagt außerdem ja nur, dass zusätzlich zu den bisherigen Gütern nach dem Sieg über die Langobarden auch die Gegend um Bologna und Ravenna an den Kirchenstaat fielen.

Ende des 4. Jahrhunderts war faktisch der Mailänder Bischof, sprich Ambrosius, "mächtiger" als die römischen Bischöfe. Es ist auch jener Ambrosius von Mailand (339-397), der Rom erstmals "Roma christiana". Faktisch könnten die römischen Kaiser über die römische Kirche keine Suprematie erlangen. Dies konnte aber nur auf einer eigenständigen materiellen Basis gelingen. Der von Konstantin abgeleitete Anspruch wurde Ende des 4. Jahrhunderts durchgesetzt und gegen die Westgoten durch geschickte Verhandlungen verteidigt. Die Verhandlungen mit den Langobarden waren schwieriger und konnten erst durch eine Zusammenarbeit mit den Franken, sprich einem Pippin und wohl auch einem Karl, überwunden werden. Allerdings fand dies wohl kaum im 8. Jahrhundert, sondern Ende des 6. Jahrhunderts/Anfang des 7. Jahrhunderts statt.

09:30
27. Februar 2008


jb

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Vinzenz Obinger:
… Eusebius von Nikomedien (+ 341), Biograph Konstantins des Großen und von Arius.

Traditionell gilt als Biograph Konstantins des Großen und Autor der Vita Constantini nicht Eusebius von Nikomedien, sondern Eusebius von Caesarea. Das macht die Biographie aber nicht unbedingt glaubwürdiger …

14:28
2. März 2008


Vinzenz Obinger

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ACK

Eusebius von Nikomedien: Freund und Mitschüler des Arius bei Lucian sowie Verteidiger des Arius, nicht zuletzt auch Erzieher des Kaisers Julian und hat insofern zu Konstantin dem Großen Bezug, dass er ihn arianisch getauft hat! Er wurde 325 von ihm verbannt, von der er 328 zurückkehrte. Athanasius berichtete, dass er ab diesem Zeitpunkt wieder Einfluss am Hof Konstantins gehabt habe, dessen Bedeutung aber umstritten ist.

Eusebius von Caesarea: Biograph Konstantin des Großen verwandte er sich bei Alexander für Arius, gehörte auf dem Konzil aber zur sog. "Mittelpartei" in der Tradition des Origenes.

20:50
5. März 2008


Vinzenz Obinger

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Wenn wir die Konstantinische Schenkung als unhistorisch betrachten (unabhängig davon, ob es eine Urschrift der Konstantinischen Schenkung aus dem 4. Jahrhundert gegeben hat oder nicht), müssten wir in jedem Falle auch einige andere Umstände mit in Frage stellen:

311 Papst Militiades erhielt von Kaiser Maxentius die während der diokletianischen Verfolgung eingezogenen Kirchengüter zurück.
312 Nach Konstantins I. Sieg über Maxentius erhielt er wahrsch. bei der Anwesenheit des Kaisers in Rom den Palast der Kaiserin Fausta auf dem Lateran als Schenkung für die röm. Kirche; auf diese Weise gelangte der Bisch. v. Rom in den Besitz einer herrschaftlichen Residenz.
Juli 312: Eine weitere Urkunde von Kaiser Konstantin I. an das Volk von Rom; Rom, Juli 312 besagt: "Einem jeden soll es freistehen, bei seinem Tode der heiligen katholischen und ehrwürdigen Kirche von seinen Gütern, was er selbst will, zu hinterlassen, und sein Letzter Wille soll nicht angefochten werden."

Das würde nämlich heißen, dass alles, was zur Grundlage eines eigenständigen Kirchenstaates notwendig wäre, schon vor der Konstantinischen Schenkung gegeben war. Der Kern der Schenkung wäre daher weniger konkreter Besitz (der kam von den adeligen Christenfamilien Roms), sondern eben das "Patrimonium Petri", das damit unter kaiserlichen Schutz stand.

Papst Gregor I. der Große gestaltete diese Besitzungen dann durch eine straffe Zentralverwaltung zu einer Art territorialen Herrschaft um und brauchte dafür nunmehr die fränkische Zustimmung. Diese kam von einem Pippin und einem Karl nicht zuletzt dadurch, dass sie diesen Besitz sogar erweiterten.

Das heißt der in der späteren "Fälschung" erhobene kirchenpolitische Anspruch mag durch Konstantin noch nicht gegeben gewesen sein, die Ausstattung und der Schutz des "Patrimonium Petri" jedoch sehr wohl, sonst hätte der Papst nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches nicht jene Stellung einnehmen können, die er faktisch hatte, noch mehr, wenn man eine FZT zugrundelegt, nach der diese Stellung im 7 bis 9. Jahrhundert gar nicht aufgebaut werden hätte können.

Wenn Kaiser Valentian III. 445 Papst Leo I. die Alleinherrschaft über die abendländische Kirche bestätigt und infolgedessen drei Jahre später die Theorie von der päpstlichen Monarchie entwickelt wird, welche die Macht des Papsttums in Westeuropa begründet, fällt es schwer, sich dies ohne "Konstantinische Schenkung" (Schutz für das Patrimonium Petri + Papst als Herrscher des Kirchenstaates "Rom") vorzustellen. 452 wurde ausgerechnet Papst Leo "als Parlamentär" zu Attila geschickt, der diesem eine beträchtliche Abstandsumme überbrachte habe, damit er Rom verschone. Nur brauchte Leo dafür keinen Auftraggeber! Er wird als Retter Roms gefeiert.

501 erhoben die Römer Klage gegen Symmachus wegen Abhaltung der Osterfeier am falschen Datum, wegen unsittlichen Lebenswandels und wegen Veruntreuung von Kirchenbesitz.

519 ließ Justinian sich von Papst Hormisdas seine Oberherrschaft über die Römische Kirche bestätigen. Als Gegenleistung erließ er die Bestimmung, dass Kirchenbesitz unveräußerlich sei und damit hatte das Papsttum eine gute Basis für die Zukunft.

All das müsste man letztlich mit wegwischen, wenn das von Ambrosius an als "Roma christiana" gesehene "Patrimonium Petri" keinen Schutz, keine rechtliche Grundlage und keine politische Macht gehabt hätte.

00:08
31. März 2012


Basileus

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Auch die wirkungsmächtigste aller Fälschungen überhaupt, die sogenannte Konstantinsche Fälschung, ist eine antizipatorische Fälschung mit 700 Jahren Vorlauf. Angeblich stammt sie von 315/317. Sie wird aber erst im Jahre 1054 wirksam, und gehört seitdem zum Kirchenrecht.

Nun gibt es kurz davor zwei "Ausreißer": Im Jahre 979 soll sich der Papst in einer Urkunde an den Text der Konstantinschen Schenkung "angelehnt" haben. Dies war allerdings rechtlich völlig unerheblich und folgenlos. Und angeblich soll der Wunderkaiser Otto III. 1001 auch die Fälschung der Konstantinschen Schenkung erkannt haben, hat das aber nie offiziell dokumentiert, und so blieb auch das vollkommen ohne Folgen. Man kann also bei diesen beiden Ausreißern aus gutem Grunde von einer späteren Erfindung ausgehen.

Vor dem Jahre 1054 wurde die Konstantinsche Schenkung nie offiziell vom Papst oder sonstwem erwähnt. Das scheint aber bisher noch keinen Historiker gestört zu haben. In diesem Jahr 1054 schrieb Papst Leo IX. einen Brief an den Patriarchen von Konstantinopel, in dem er mit der Schenkung die übergeordnete Stellung des römischen Papstes in der Kirche begründete. Der Patriarch von Konstantinopel wies diese Ansprüche ab und zeigte sich beim Empfang einer päpstlichen Delegation im selben Jahr demonstrativ mit den kaiserlichen Insignien, die angeblich auch Konstantin der Große dem Papst Silvester übersandt hatte. Im selben Jahr begann das Schisma zwischen der Ost- und Westkirche.

Seitdem berief sich die römische Kirche ständig auf die Konstantinsche Schenkung bei der Begründung irgendwelcher Forderungen und bei Konflikten – davor aber nie, über 700 Jahre lang !

 Man kann also aus gutem Grunde davon ausgehen, daß es es bis zum Jahre 1054 bzw. kurz davor die Konstantinsche Schenkung noch gar nicht gab.

Übrigens gibt es genau zweimal in der gesamten Geschichte Zeiträume, in denen es sowohl einen alleinherrschenden Kaiser mit Namen Konstantin und einen römischen Papst mit Namen Silvester (der in der Schenkung genannte Papst) gab:
1) 324-335: Konstantin I., der Große, und Silvester I. (zuvor, also auch 315/317, dem angeblichen Jahr der Schenkung, hieß Konstantinopel noch Byzantion, und Konstantin war Westkaiser und hatte sich im Osten noch nicht durchgesetzt)
2) 1045-1046: Konstantin IX. Monomachos und Silvester III., also 9 Jahre vor 1054. Da hieß auch Konstantinopel Konstantinopel, so wie es in der Schenkung steht.

Übrigens erwähnt auch Lupus Protospatharius Barensis in seiner von 860-1102 gehenden Chronik erstmals 1046 einen Papst in Rom. Und zu diesem Zeitpunkt gab es gleich drei Päpste in Rom, wie Lupus schreibt, "Sylvester in Ecclesia S. Petri; in Laterano, Gregorius; et Benedictus in Tusculano". In der Schenkung richtet sich Konstantin an Silvester, "Bischof der Stadt Rom und Papst, und allen seinen Nachfolgern, die auf dem Sitz des seligen Petrus bis zum Ende des Zeitalters sitzen" (urbis Romae episcopo et Papae atque omnibus eius successoribus qui in sede beati Petri usque in finem saeculi sessuri sunt). Die Basilika St.Peter (des Silvester) wurde direkt über dem Grab des Apostels Petrus errichtet. Und Konstantin schenkt Silvester die Lateranbasilika.



 
"Alles, was sich bloß der Erinnerung verdankt, hat prinzipiell als falsch zu gelten." [Johannes Fried, Schleier der Erinnerung, S. 48]