Fantomzeit

Dunkelheit oder Leere im frühen Mittelalter?

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21. Januar 2013                     Kategorie(n): Fantomzeit

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Gerhard Anwander verstorben

 

Gerhard Anwander

11. Juni 1945 – 17. Januar 2013

Ein persönlicher Nachruf von Heribert Illig

Eines Tages stand er 1997 an meiner Gartentür und erkundigte sich nach dem erfundenen Mittelalter. Wie sich schnell zeigte, war Gerhard ein eigenwilliger Denker und Grübler, der seine skeptische Grundhaltung in meinem Buch bestätigt sah. Der Kontakt zwischen uns war leicht, liegen doch Gräfelfings Ortsteil Lochham und sein damaliger Wohnort Lochhausen als Stadtteil Münchens nur ein paar Kilometer auseinander. Uns so erfuhr ich bald von ihm, dass der gebürtige Schwabe zunächst die Schulen abgelehnt und lieber eine Elektrikerlehre absolviert hatte, um dann doch seinem eigentlichen Potenzial zu entsprechen: zunächst zweiter Bildungsweg, dann Studium der Psychologie, um sich bald nach dem Diplom selbständig zu machen. Zusammen mit seiner zweiten Frau veranstaltete er Kurse, Seminare und Workshops vor allem für Kommunalbehörden. Daneben blieb Zeit für Kinder, für eine Gesangsausbildung und Tanztraining, für ökologischen Gartenbau samt Weinan- und -ausbau, ganz abgesehen von der büchersammelnden Leselust, die ihn von Arno Schmidt und Ernst Jünger zu immer neuen Ausflügen trieb.

Die Beschäftigung mit Geschichte und Kunstgeschichte rückte damals für ihn weit nach vorn. Indirekt knüpfte er an seine universitäre Arbeit an – Geschichtliches Interesse und politische Bildung Jugendlicher – und setzte dazu seine Fähigkeiten als Buchautor ein, der damals bereits einen Leitfaden für Behördenkultur geschrieben hatte, um späten Ausläufern köpenikischen Dünkels hinter Schaltern, Empfangstheken oder Tresen zu begegnen.
Vom Studium her mit statistischen Auswertungen ‘vorbelastet’, fand Gerhard sofort sein Thema: den flächenübergreifenden, quantitativen Nachweis, dass die Zeit des erfundenen Mittelalters tatsächlich frei von Artefakten ist. Gleich im ersten Heft des Jahres 1998 erschien Oberbayern als virtueller Urkundenraum. Begünstigt durch seine Veranstaltungen in ganz Bayern dehnte er seine Suche auf Regensburg aus, wo die Suche ebenso erfolglos, doch sein Bemühen umso erfolgreicher blieb [2/1999; 2/2000]. Daraufhin beschlossen wir, die Suche auf ganz Bayern auszudehnen, war es doch mit seinen 70.000 km² zu beiden Seiten des Limes ein idealer Prüfstein. Das Resultat gemeinsamer Anstrengungen konnte im Herbst 2002 auf einer Vernissage in München als opus magnum von 958 Seiten präsentiert werden: Bayern und die Phantomzeit · Archäologie widerlegt Urkunden des frühen Mittelalters, doppelter Baustein der Reihe Fiktion Dunkles Mittelalter.

Diese Zusammenstellung wurde von keinem Fachgelehrten kommentiert oder kritisiert, wie auch die Süddeutsche Zeitung nach monatelanger Bedenkzeit und sicher zahlreichen Rückfragen bei Mediävisten auf eine Rezension verzichtete und Hermann Unterstöger als eine ihrer besten Federn trotz langen Privatgesprächs lieber meine Person porträtierte; diesem Schweigen folgten alle anderen bayerischen Zeitungen. Wie schwer das massive Kaliber den Wissenschaftlern im Magen lag, ließ der Archäologe Dr. Jochen Haberstroh 2006 auf der unsäglichen Diskussionsveranstaltung in Ingolstadt erkennen, als er die beiden Bände – nach den wüsten Beschimpfungen durch Dr. Theodor Straub – als völlig veraltet und damit wertlos bezeichnete [vgl. Illig 2006], was bei Gerhard auf der Rückfahrt einige deftige Betrachtungen auslöste. Ihm kam in solchen Fällen zupass, dass er für sein psychologisches Training auch eine CD Entspannung nach Jacobson (Progressive Relaxation) besprochen hatte [2001].

Auch nach diesem Buch blieb Gerhard beim Aufdecken von Fälschungen und bei der Ausleuchtung der Hintergründe, ob mit dem Rückgriff auf Thomas Kuhns Paradigmenwechsel oder mit dem Hineinwühlen in längst verdrängte Bücher der Aufklärungszeit des 18. Jh. (Schwedische Frühgeschichte). Bei diesen Recherchen stieß er auf Konstantin Faußner, Münchner Rechtsanwalt und übers Mittelalter lehrender Rechtshistoriker, der schon 1986 auf dem Fälschungskongress in München seinen Kollegen Paroli geboten hatte, indem er entscheidende Motive für groß angelegte und weit zurückgreifende Fälschungen im 12. Jh. aufdeckte und mit Wibald von Stablo den Betreiber eines kreativen Fälscherateliers nachwies. Gerhard befreundete sich mit Faußner und lud ihn wiederholt zu Kreisgesprächen und Führungen ein, etwa auf dem Freisinger Domberg.

So erfüllte das gefälschte Mittelalter Gerhards Leben. Zusammen mit seiner nunmehrigen Frau Susanne reiste er auf den Spuren der „Karolinger“ durch Frankreich, jenes Land, das er wegen früherer Aufenthalte und der Sprache besonders liebte. Die dort unübersehbaren Ähnlichkeiten zwischen römischer und romanischer Architektur führte die beiden ‘Abenteurer’ Jahre vor Gunnar Heinsohn dazu, eine Phantomzeit von vielleicht 532 (Großer Osterzyklus) oder noch mehr Jahren ins Auge zu fassen, so auf den Jahrestreffen 2006 und 2008 in Kassel und Weimar. Sie wollten dazu aber keine definitiven Aussagen treffen. Mit dem später nachfolgenden Ansatz konnte er wenig anfangen.

Indem es Gerhard als Psychologen ergrimmte, wie uns die ach so kompetente Fachwelt in Sachen Vergangenheit belog und verdummte, spürte er aktuelle Lügen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens auf. Bald nach dem 11. September 2001 stand für ihn fest, dass hier globale Desinformation betrieben werde – ein psychologisches Phänomen, das keinen Lebensbereich auslasse, von den „Chemtrails“ am Himmel über behördliche Personenkontrollen (Stichwort: elektronische Kommunikationsmittel) bis hin zu bedrohlichen Auswüchsen unseres Gesundheitssystems.
All seine Bemühungen beendete sein plötzlicher Herztod viel zu früh. Er hinterlässt seine Frau Susanne, die als Ethologin/Kunsthistorikerin mit ihm zusammengearbeitet hat, zwei erwachsene Söhne und den Sohn von Susanne, der bei ihnen im schwäbischen Kirchheim aufgewachsen ist.

Gerhard Anwanders Veröffentlichungen

1974: Geschichtliches Interesse und politische Bildung Jugendlicher · Eine psychologisch-soziologische Untersuchung in Münchner Schulen; München (²1976 mit Timmermann, Johannes; Institut für Didaktik Human- und Sozialwissenschaftlicher Fächer, Universität München)
1984: Umgang mit dem Bürger · Bürgerfreundliche Verwaltung; München (Hg. Bayer. Verwaltungsschule, München)
1998 mit Draf, Dieter: Leitfaden für Behördenkultur: Bürgerfreundlich verwalten; Stuttgart (Hg. Bayer. Verwaltungsschule, ²2006, München)
1998–2011 Zeitensprünge-Aufsätze; Verzeichnis auf www.mantis-verlag.de im Zeitensprünge-Register
2001 (CD): Entspannung nach Jacobson; Forchheim, Silenzio Media Group (Progressive Relaxation)
2002 mit Illig, Heribert: Bayern und die Phantomzeit · Archäologie widerlegt Urkunden des frühen Mittelalters · Eine systematische Studie in zwei Teilen; Gräfelfing, Band 4 und 5 der Reihe Fiktion Dunkles Mittelalter
2009 (CD): Entspannt abnehmen; Pinzheim, Medial Music / Silenzio Music

Ergänzend

1999: Anwander, Gerhard: Bayern als karolingerfreie Zone; Vortrag am 01. 10. auf dem Zeitensprünge-Jahrestreffen in Regensburg
2006: Anwander, G. / Fuder, Susanne: Rätsel der Romanik. Vortrag am 01. 10. beim Zeitensprünge-Jahrestreffen in Kassel
2006: Illig, Heribert: Karleskes zwischen Aachen und Ingolstadt; Zeitensprünge 18 (3) 2006, 672-676
2008: Anwander, G. / Fuder, S.: Rom & Romanik. Kunstchronologische Überlegungen. Vortrag am 04. 10. beim Zeitensprünge-Jahrestreffen in Weimar

 

20. Januar 2013                     Kategorie(n): Artikel aus den ZS, Fantomzeit, Frühmittelalter, Zeitensprünge

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Einhard und der konstruierte Tod Karls des Großen

von Detlef Suhr (überarbeitet aus Zeitensprünge 3/2012)

Wie und woran starb Karl der Große? Was geschah in jenem schicksalhaften Januar anno domini 814? Scheinbar eine simple Frage, denn es herrscht allgemeiner Konsens: Die zum Tod des größten Kaisers führende Erkrankung war eine Rippenfellentzündung, eine Pleuritis.

1. Die berühmteste Pleuritis der Geschichte

Es ist beinahe unglaublich, aber dennoch wahr: Es gibt für die schicksalhafte Erkrankung, die dem Leben des ersten und größten Kaisers des europäischen Mittelalters ein Ende setzte, nur eine einzige Quelle. Diese Quelle ist Einhard, der über die letzte Erkrankung Karls des Großen in Aachen berichtet:

„Im Januar wurde er dort während seines Winteraufenthaltes von hohem Fieber befallen und musste das Bett hüten. Er beschloss zu fasten, wie er es bei Fieber immer getan hatte, denn er glaubte, durch Enthaltsamkeit die Krankheit zu vertreiben oder wenigstens zu mildern.

Zu dem Fieber stellten sich Schmerzen in der Seite ein, die von den Griechen mit Pleuritis bezeichnet werden. Trotzdem bestand er darauf, weiterhin zu fasten, und stärkte sich nur ab und zu durch wenig Trinken. Er starb, nachdem er die heilige Kommunion erhalten hatte, am achtundzwanzigsten Januar in der dritten Stunde des Tages, sieben Tage nach seiner Erkrankung, im zweiundsiebzigsten Lebensjahre und seinem siebenundvierzigsten Regierungsjahr.“ [Einhard, 57]

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altfrid II. : 17. Februar : Vorbemerkung: Nachdem ich vom vorzeitigen Ableben Detlef Suhrs erfahren hatte, habe ich überlegt, ob es vertretbar sei, zu seiner These… Weiter ...
Pantaleone : 6. April : Altfrid II. demonstriert, wie Mediävisten noch über den Tod eines Gegners hinaus darüber wachen, dass nichts in Umlauf gerät, was… Weiter ...
altfrid II. : 10. April : Sehr geehrter Pantaleone, ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen antworten soll, da Sie ja feststellten, dass… Weiter ...

1. Januar 2013                     Kategorie(n): Fundsachen

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Ausgrabung eines Tempels bei Tel Motza

Passend zum Zeitensprünge-Heft 3/2012, S. 579:

Am 26. 12. 2012 wurde bekanntgegeben, dass israelische Archäologen unter Grabungsleiterin Anna Eirikh nahe Jerusalem, bei dem Ort Tel Motza, einen Tempel ausgegraben haben, den sie dem noch vereinigten Königreich im -10./9. Jh. zuordnen. Da kleine Tonfigürchen (Reiter zu Pferde) gefunden worden sind, geht man davon aus, dass damals noch nicht die Ritualverbote gegolten haben. Die zweite Nachrichtenquelle sieht den Tempel jedoch erst bei -740, also zwei Jahrhunderte nach dem salomonischen Tempel. Damals müssten die Tempelrituale längst eingeführt gewesen sein.

Wie wird dieser Befund zeitlich eingeordnet werden?

http://www.n-tv.de/wissen/fundsache/3000-Jahre-alter-Tempel-in-Israel-article9860506.html

http://www.israelheute.com/Nachrichten/tabid/179/nid/25302/Default.aspx

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"Um 550 wird vom gotischen Geschichtsschreiber Iordanes der antike Name Wiens zum letzten Mal erwähnt. Danach schweigen die schriftlichen Quellen über 300 Jahre." [Schausammlung Historisches Museum der Stadt Wien, Beschreibung o.J., S. 20]