Noch unchristlich oder schon Phantomzeit? (Trier III)

von Karl-Heinz Lewin (überarbeitet aus Zeitensprünge 1/2012)

In „2.000 Jahre Trier – was blieb übrig?“ [L. 2006] zählte ich die Nennungen von Baudaten und Grabungsbefunden in der Denk­mal­topo­­graphie der Trierer Altstadt [STA]. Funde, die dem 7. bis 9. Jh. zugeschrieben wurden, sind äußerst rar.

Fortschreibung der Baudatennennungen

Ende 2010 konnte ich endlich den zweiten Band der Trierer Denk­mal­topo­graphie [STS] erwerben, der den übrigen Teil des heutigen Stadt­kreises Trier behandelt, in dem sich zwei Drittel des ehemaligen römischen Stadtgebietes befanden. Doppelnennungen ignorierte ich nur dann, wenn sie unmittelbar hintereinander standen, und urkundliche Nennungen erfasste ich genauso wie solche, die durch Münzfunde oder dendro­chronologisch datiert wurden oder bei denen die zu Grunde liegende Datierungs­methode nicht erkennbar war. Das Ergebnis beider Auswertungen ist in dem abgebil­deten Diagramm wiedergegeben.

lewin_t3_diag01

Kritische Fragen

In dem abgebildeten Diagramm fällt auf:

  1. Die bereits [L. 2006, 487] im Ver­gleich zu 2., 4. und 6. Jh. konstatierte „Armut“ des 3. und 5. Jh.; das 5. Jh. war das Jh. der Franken- und Alamannen- und möglicherweise auch der Hunneneinfälle, für das 3. Jh. bedarf es noch einer Erklärung.
  2. Die ebenfalls bereits [L. 2006, 487] konstatierte zunehmende Fund­armut vom 7. bis zum 9. Jh.
  3. In den gegenüber der (mittelalterlichen) Altstadt wesentlich um­fang­­­reicheren Gebieten der Stadterweiterungen und Ein­ge­mein­dun­gen (27 von 28 Stadtbezirken) gab es auch Anfang des Hochmittelalters kaum nennenswerte bauliche oder sonstige archäologisch relevante Aktivitäten.

Michael Meisegeier [2010, 614] sieht die Zeit nach dem Toleranzedikt als zu früh für große Kirchenbauten. Demnach könne auch die konstantinische Doppel­basilika noch keine „Doppelkirche“ gewesen sein, sondern müsse eine kaiserliche Palastanlage gewesen sein [Meisegeier 2011, 567]. Ich halte dies für plausibel. Da es keinen Beleg für eine Fertigstellung und Nutzung dieses Baukomplexes gibt, lässt sich nicht mehr feststellen, ob er als Kirchenkomplex oder als Palastanlage geplant gewesen war. Für die Frage der Bauzeit ist dies unerheblich, die Frage der Christianisierung muss mit anderen Befunden beantwortet werden. Meisegeier [2011, 563] sieht die Christia­nisierung des Frankenreichs „offensichtlich erst ab Mitte des 10. Jh.“. Im Gegen­satz zu ihm gehe ich davon aus, dass spätestens kurz nach der Dekla­ration des Christentums als Staatsreligion unter Theodosius, also bis gegen Ende des 4. Jh., das Christentum in Gallien verbreitet war und dort Kirchen gebaut wurden, denn zu Justinians Zeiten war Gallien bereits fränkisch, und unter der Voraussetzung einer Phantomzeit bliebe andern­falls für die Christianisierung ganz Galliens bis zur Mitte des 10. Jh. zu wenig Zeit.

Gunnar Heinsohn [2011] fragt: „Ist die Spätantike eine Phantomzeit?“ Nach­dem er ausdrücklich auf Trier (Barbarathermen, Kaiser­thermen, Porta Nigra) verwiesen hat, beantwortet er die Frage positiv: „Archäologisch gibt es für die Periode |0|–600 mithin nur die Jahre |0|–300“ [453].

Ich untersuche im folgenden Text die dokumentierte Trierer Fundsituation im Hinblick auf diese Fragen.

Ausgewählte Baudenkmäler und Grabungsbefunde

Zur Orientierung gibt die folgende Tabelle eine Auswahl von Baudenkmälern und Grabungsbefunden Triers mit herkömmlicher archäologischer Datierung bis um 600. Die Auswahl enthält die Bauten, die heute noch das Stadtbild bestimmen, deren Reste noch teilweise zugänglich sind, und einigermaßen eindeutig datierte Befunde. Auch manchen vagen Befund habe ich zwecks Vervollständigung des Überblicks aufgenommen. In Fettschrift: heute noch oberirdisch deutlich sichtbare Bauten, Baureste oder Bau­bestand­teile; fett kursiv: Baureste oder Bau­bestand­teile, die in situ über einen besonderen Zugang zu besich­tigen sind, teilweise nur nach vorheriger Anmeldung; kursiv: Hinweise auf Hölzer und Mün­zen, die zur Datierung herangezogen wurden.

Datierung

Befund

Quelle

–122

Holzpfähle für Ufersteg oder Bockbrücke

[STA 14]

–121

frühe Wohnbauten Südallee, Holzpfosten

[STA 14]

–97

spätlatènezeitliche Burg in Ehrang

[STS 233]

–30

Wachtposten / Militärlager auf dem Petrisberg

[H. 40]

–17

erste Pfahljochbrücke über die Mosel

[H. 44 f.; 120]

30 – 40

Fachwerkhäuser Westteil Viehmarktthermen

[K. 224 f.]

~50

erste Schotterdecke des inneren Straßennetzes

[K. 24]

um 50

Töpfereien im Süden des Stadtgebiets

[STA 16]

50 – 70

Steinbauten Westteil Viehmarktthermen

[K. 225]

66 – 100

Kryptoportiken, Curie und Basilika am Forum

[STA 14]

70 – 80

Forum

[K. 23]

71

Reparatur der Moselbrücke, Pfeiler aus Kalksteinquadern auf eingerammtem Pfahlrost

[H. 120]

75 – 100

Thermen am Cardo

[STA 14]

~ 100

Tempelbezirk am Altbachtal

[STA 16]

~ 100

Tempel am Herrenbrünnchen

[STA 16]

Anf. 2.Jh.

erste Steinbauphase im Lenus-Mars-Tempel am Irrbach / Irminenwingert

[H. 183]

1. H. 2. Jh.

Gebäude der Viehmarktthermen (noch nicht als Thermen genutzt)

[K. 229]

111

Quellfassung 3 der Römersprudel-Quelle im Süden von Feyen, bis ins 20. Jh. als Heilquelle genutzt

[NE 12]

141

Quellfassung 4 der Römersprudel-Quelle

[NE 12]

144, 152, 157

Spundwände für Pfeiler der Römerbrücke, die direkt im felsigen Flussbett gegründet sind (steinerne Brücken­bögen erst 1343-47)

[H. 120]

[K. 160-163]

[STA 16]

~150

Barbarathermen

[H. 114]

2. Jh.

Theater im Tempelbezirk am Altbachtal

[H. 186]

2. H. 2. Jh.

Fußbodenmosaik aus Villa an Olewiger Straße

[STS 114]

2. H. 2. Jh.

Aufschüttung des Sumpfgeländes im NW der römischen Stadt

[K. 144 f.]

2. H. 2. Jh.

Erhöhung der Brückenpfeiler um 5 Steinlagen (2 m)

[H. 120]

154 – 158

Fangdämme für Türme am Brückenkopf

[STA 16]

160 – 196/7

Stadtmauer, Porta Media, Porta Nigra

[STA 90-94]

> 183

Keller in der Frauenstraße, münzdatiert

[K. 66 f.]

166 – 200

Amphitheater, keramikdatiert

[GW 58]

Ende 2.Jh.

Lenus-Mars-Tempel am Irrbach / Irminenwingert

[K. 215]

2. / 3. Jh.

Franzensknüppchen, römischer Grabhügel auf dem Petrisberg

[STS 114]

2. – 3. Jh.

Vicus Voclannionum westl. der Moselbrücke

[K. 36]

1. H. 3. Jh.

Igeler Säule (Grabdenkmal in Pfeilerform)

[H. 149; 198]

Mitte 3. Jh.

Mithräum im Tempelbezirk am Altbachtal

[H. 186]

260

Palast des Victorinus

[RL 94-96]

2. H. 3. Jh.

Grabkammer auf dem Reichertsberg

[STS 188]

~270

Albanagruft

[H. 282 f.]

294

Balken der Bühnenmaschinerie im Amphitheater

[K. 96 f.]

Ende 3. Jh.

Arenakellerunter Amphitheater

[K. 28]

275 – 326

palastartige Wohnanlage unter der östlichen Dom-Vierung

[STA 96]

3. – 4. Jh.

Friedhof in Olewig

[STS 114]

3. – 4. Jh.

Sarkophagbestattungen auf südl. Gräberfeldern

[STS 125]

3. – 4. Jh.

Grabkammer auf dem Westfriedhof

[STS 160]

< 300

Baubeginn Kaiserthermen

[STA 16; 80]

~300

Südl. Umfassungsmauer der Horrea (St. Irminen)

[K. 173]

305 – 311

Ziegelbau der Palastaula (Vorgängerbau der heutigen Basilika) mit Hypocaust-Heizung

[H. 276]

[STA 16; 160]

315 – 326

SO-Basilika (unter Liebfrauen)

[Ronig, Tab.]

326 – ~340

NO-Basilika (unter Dom)

[Ronig, Tab.]

~330

Horrea Getreidespeicher (St. Irminen/Oeren)

[STA 122]

~350

Porta Alba

[STS 295]

~350

Palatiolum/Palacium in Pfalzel

[K. 240]

Mitte 4. Jh.

Coemeterialbau unter St. Maximin

[K. 195 f.]

Mitte 4. Jh.

Umbau der Kaiserthermen in Kaserne

[GW 126]

4. Jh.

Skelettgräber in Steinsarkophagen unter der Moltkestraße

[STS 86]

4. Jh.

Reparaturen am Amphitheater

[STS 116]

4. Jh.

Villenanlage in Euren, Mauerzüge und Fußbodenmosaike, unter Pfarrkirche St. Helena

[STS 268-271]

364 – ~380

Quadratbau(Dom)

[Ronig, Tab.]

386 – 398

Marienkirche unter St.Paulin

[STS 36]

Ende 4. Jh.

Erweiterung Coemeterialbau unter St. Maximin

[K. 196]

< 400

Nutzung Viehmarktthermen

[K. 26 f.]

~400

Heiligkreuzkirche am Moselufer

[STA 19]

~450

Kirche des Cyrillus unter St. Matthias

[STS 134]

5. Jh.

Umbau des Amphitheaters zur Ringburg

[H. 112]

~550

Restaurierung Dom (Nicetius), Gründung St. Germanus

[STA 19]

6. Jh.

Kloster St. Maria (ad Martyres) / St. Mergen über den Resten einer römischen Villa suburbana

[STS 22]

6. Jh.

St. Medard

[STS 144]

Die Lage wichtiger Bauwerke zeigt der Stadtplan [wiki/Augusta Trvevrorum].

Exkurs zur Datierung

Die Trierer Archäologen verwenden verschiedene Arten der Datierung.

  1. Grob-Datierung: Zunächst muss natürlich an Hand des Baustils der ungefähre Zeitraum der Entstehung abgeschätzt werden.
  2. Historiographische Datierung: Wird auf einem Grabstein oder in einer Weihinschrift oder dergleichen der Name eines Herrschers oder kirchlichen Würdenträgers gefunden, dann wird dessen Amtszeit aus einem Geschichtswerk entnommen.
  3. Urkundliche Datierung: Wird in einer Urkunde ein Bauwerk erwähnt und auf einen Herrscher oder kirchlichen Würdenträger (z.B. eines Bischofs) bezogen, dann wird dieser historiographisch datiert; diese Datierung dient dann entsprechend den Angaben der Urkunde zur Datierung des Bauwerks. Auf diese Weise gewonnene Daten wurden in das Diagramm am Anfang dieses Artikels über­nommen. Im Text dieses Artikels kommen sie nur für 5. und 6. Jh. vor.
  4. Münzdatierung: Wird in einer Grabung in einem ungestörten Kontext eine Münze gefunden, dann kann das darüber liegende Material nur aus einer Zeit nach dem frühesten Prägungszeitpunkt der Münze stammen, und das darunter liegende Material kann nicht jünger sein als der späteste Umlaufzeitpunkt der Münze. Der früheste Prägungs­zeitpunkt und der späteste Umlaufzeitpunkt der Münze werden historiographisch bestimmt. Hierfür gibt es gesonderte Münzkataloge. „Hauptprägestätte war Rom, jedenfalls für den Westen des Reiches“ [H. 158], in der Spätantike wurde auch in Trier geprägt (s. u.).
  5. Dendrochronologische Datierung: Alle auf Holzresten beruhenden Datie­rungen im Trierer Gebiet wurden dendrochronologisch bestimmt. Hierzu verwenden die Archäologen des Rheinischen Landesmuseums in Trier (im Folgenden kurz „Landes­museum“) durchgängig die von Ernst Holl­stein aufgebaute und vom Dendro­chrono­logischen Forschungslabor des Landesmuseums fort­ge­führte „Mittel­euro­päische Eichenchronologie“ [Tafel im Landesmuseum], Hinweise dazu auch in [NE 6]. Sogar verkohlte Feuer­hölzer aus der Fund­stätte des römischen Militärlagers auf dem Petrisberg konnten „trotz ihrer geringen Größe“ von wenigen Zenti­me­tern „sicher in das Jahr 30 v. Chr. datiert werden“ [NE 13].
  6. Münzengestützte dendrochronologische Datierung: Der römische und spätantike Teil der Dendrochronologie ist zusätzlich durch Münzen abgesichert: Eine Münze auf einem Holz oder in einem Holz datiert das Holz. Umgekehrt kann eine Münze nicht in ein Holz geraten sein, bevor dieses gewachsen war. Mit genügend vorliegenden Exemplaren stützen sich die Datierungen von Münzen und Hölzern gegenseitig für mehrere Jahrhunderte [Tafel im Landesmuseum] – selbst dann, wenn die Grenzen nach oben (Richtung Phantomzeit) nebulös werden.
  7. Keramikdatierung: Die sonst in der Archäologie meist als „Leitfossilien“ herangezogenen Keramik­­befunde werden für das römerzeitliche Trier selten für die Datierung angegeben. Erst in der nachrömischen (fränkisch-mero­win­gi­schen) Zeit gewinnen Keramik­funde für die Datierung an Bedeutung. Heinen klassifiziert: Bis Mitte des 1. Jh. findet man nur Importware, dann beginnt die lokale Keramik­produktion in Trier, die sog. Belgische Ware, ab etwa 130 wird auch die feinere Terra sigillata lokal hergestellt, seit Ende des 2. Jh. „begegnen uns schwarzgefirnißte Becher mit Bar­bo­tine­verzierung“, die nun auch exportiert werden, seit Mitte des 3. Jh. „treten die bekannten Spruchbecher auf“, mit Sprüchen auf dem Becherboden, die der Trinker erst beim Leeren erblickt, wie „ama me amica“ (liebe mich, Freundin!); „Glasgefäße sind erst im 4. Jh. in Trier hergestellt worden“ [alle Zitate in diesem Absatz: H. 156]. „Dagegen war in Trier wie im Trevererland mit der Krise des 3. Jh. die Produktion von reliefverzierter Keramik zusammengebrochen. Man lieferte, soweit die Herstellung im 4. Jh. überhaupt wieder aufgenommen wurde, zunehmend verrohte und plumpe Keramik. […] vor allem schlichte, dunkelbraune bis schwarze Gefäße […] Eine Ausnahme bilden die in Trier bereits früher und auch im 4. Jh. noch produzierten Barbotinegefäße mit ihrem orna­men­talen Schmuck, Reliefappliken und ermunternden Aufschriften“ [H. 306].

Jahrgenaue Datierungen in der obigen Tabelle sind entweder Münz­datie­rungen oder dendrochronologische Datie­rungen von Hölzern aus der Eifel oder aus dem Hunsrück. Selbst bei Hinweisen auf verkohltes Holz fand ich in keiner mir zugänglichen Literatur zu Trierer Ausgrabungen irgendein Indiz für eine Radiokarbon-Datierung.

Zur Münzdatierung liefert Trier drei wichtige Hinweise:

Goldschatz von Trier (Feldstraße): Ca. 2570 Goldmünzen, „der um­fang­reichste Aureusschatz der römischen Kaiserzeit“, enthält Goldmünzen von Nero bis Lucius Verus (63/64–167) und von Didius Julianus bis Septimius Severus (193–211) [G. 13-18], von jedem der für die genannten Zeitspannen zuständigen Herrscher, von letzterem und seiner Gemahlin Julia Domna aber nur Prägungen bis 196. Daher wird vermutet, dass der Schatz wegen der Wirren des Aufstandes des Clodius Albinus gegen Septimius Severus, in deren Folge auch Trier belagert wurde, 196/97 vergraben wurde, und dass der Besitzer diese Zeit des Aufstandes nicht überlebte [G. 18; K. 153]. Der Aufstand dient auch der Datierung der Porta Nigra.

Schatzfund von Neubieber: 1942 Silbermünzen (Denare) und ein Antoninian (= 1 ½ Denar) aus der Zeit von Antoninus Pius bis Maximinus Thrax (138–238) [G. 18 f.].

Die römische Münzstätte in Trier: Unter den Kaisern des Gallischen Sonderreiches (260–274) sollen ab 269 Aurelius Marius, Victorinus und Tetricus in Trier Münzen haben prägen lassen. Wegen fehlender Emissions­zeichen ist nicht geklärt, welche Münzen in Trier geschlagen wurden. Ob die schriftlich bezeugte Münzstätte existiert hat [G. 28 f.], ist nicht sicher [H. 92]. Allerdings sollen „Prägungen der Trierer Münzstätte für Aurelian“ [H. 212] aus dem Jahr 275 existieren. 293/94,

„nachdem der zum Caesar der westlichen Reichsteile erhobene Constantius Chlorus Trier zu seiner Residenz gewählt hatte, [wurde] in Trier die Prägetätigkeit wieder auf­ge­nom­men“ [G. 26].

Zeitweilig gab es zwei oder drei Münzstätten in Trier, die die von ihnen geprägten Münzen mit wechselnden Münzstättenzeichen versahen: PT, STR,  TR, TRP, TRS, u. a. [G. 31-35].

„Mit Ausnahme des Jovianus (363–364) sind alle vom späten 3. Jh. bis zur Mitte des 5. Jh. n. Chr. im Westteil des Reiches respektive der [!] in Gallien herr­schenden Kaiser und Usurpatoren auf Trierer Prägungen über­­liefert“ [G. 35].

Damit sind die schriftlichen Berichte, die diesen Männern eine Herrschaft über Gallien zuschreiben, zumindest in diesem Punkt bestätigt. Die auf­ge­fun­de­nen Münzen überdecken die Zeiträume von Diocletian (293–305) bis Gallus (353–355), Julian (360–361), Valentinian I. (366–375) bis Eugenius (394), Constantinus III. (407) bis Valentinian III. (425–455) [G. 36-38], wobei das „Ende der regulären Münz­prägung um 440“ [G. 43] oder „ca. 445“ [H. 239] angesetzt wird. Von 355 bis 367 war die Münzprägung unterbrochen [G. 33; H. 311; K. 57].

„Wir kennen allerdings für Julianus als Augustus eine Gold- und zwei Silber­emissionen mit ‚Trierer Münzstättenzeichen’, wobei aber zu fragen ist, ob diese tatsächlich im Trierer Münzamt oder nicht von einer mobilen Münzstätte […] geschlagen wurden“,

zumal für den gesamten Zeitraum der Unter­brechung keine Trierer Bronzeprägungen belegt sind [H. 237]. Ob die Gegenkaiser von Constantinus III. (407–411) bis Ioannes (423–425) in Trier prägen ließen oder „Münz­meister und Münzmaterial mit sich führten“ [H. 368], sei dahin gestellt. „Constantinus III. prägte sogar Münzen auf den Namen des Honorius, gegen den er sich doch erhoben hatte“, möglicherweise, „um seine Anerkennung seitens der Zentralregierung […] vorzutäuschen“ [ebd.].

Die danach folgenden Prägungen von Theodosius II. und Valentinian III. (nur Silber, keine Bronze) wurden möglicherweise wieder in Trier selbst geprägt, da sie dort auch gefunden wurden.

„Wahrscheinlich war es in Trier, im Frühjahr 310, wo Konstantin der Große zum ersten Male den solidus, die neue Goldmünze der Spätantike, prägen ließ. […]

Einen Begriff vom Ausstoß der Trierer Münzstätte und der weiten Zirkulation ihrer Gepräge vermittelt die Feststellung, daß in den Münzfunden der gallischen, germanischen und britannischen Provinzen die Trierer Emissionen mit 60 Prozent den Löwenanteil stellen“ [H. 311].

Auch die im Keller des Amphitheaters „geborgenen 1200 Münzen gehören fast ausschließlich dem 3. und 4. Jh. n. Chr. an“ [K. 97].

Die kleinen Lücken ignorierend kann man den Zeitraum der Trierer Münz­prägung auf die Jahre 293–440 ansetzen. Die beiden Schatzfunde über­decken überlappend die Jahre 63–238. Da beide Schatzfunde keine einzige der in Trier geprägten Münzen enthalten, ist die Vermutung durchaus nahe­liegend, dass die beiden Zeiträume disjunkt sind.

Die Münzfunde enthalten keine im Osten des Reiches geprägten Münzen. Soweit nach Münzen datiert wurde, stammen diese bis 269 aus Rom oder Lyon (Lugdunum), danach aus Trier, Lyon oder Arles (Arelate), dann ab 375 aus Trier, Arles oder Mailand (Mediolanum). Etwa 70 % der in Trier gefun­denen Münzen der Spätantike wurden „in der Trierer Münzstätte geschlagen“ [G. 21].

Bauten des 1. Jahrhunderts

Aus der Einstufung der Augusta Treverorum durch den Geographen Pomponius Mela als eine der „urbes opulentissimae“ Galliens in den 40er Jahren des 1. Jh., also eine der reichsten oder auch bedeutendsten Städte Galliens [H. 52], folgert Heinen [53], Trier müsse „bereits in augusteischer Zeit eine Substanz an öffentlichen und privaten Gebäuden gehabt haben“. Erste Reste römischer Wohnbebauung werden in die erste Hälfte des 1. Jh. datiert, meist bei Grabungen unter den späteren öffentlichen Bauten, die heute noch stehen; aber diese Angabe bleibt zu vage, um die Gebäude mit Bestimmtheit in die Zeit des Augustus setzen zu können. Nachweisbare öffentliche Bau­werke entstehen erst ab der zweiten Hälfte des 1. Jh. Heinen [179] stellt fest, „daß die große Umbruchphase von der keltischen zur gallo-römischen Kultur der Treverer, also die Zeit zwischen Caesar und dem Ende des 1. Jh. n. Chr., nur sehr wenige Zeugnisse aufweist.“

Basilika: Unter der Basilika „Reste von zwei Wohn-Insulae beiderseits einer Nord-Süd-Straße“ [K. 141].

Frauenstraße: Peristylhaus mit Zierbecken im Garten, außerhalb des Straßen­rasters der Gründungszeit, Ende 1. Jh. [RL 37, Abb. 7].

Grabung Fleischstraße/Metzelstraße: Das Gelände lag am Rande eines verlandeten Altarmes der Mosel und wurde in flavischer Zeit (69–96) ‚urban erschlossen’. „Das Gelände wurde nach Osten terrassiert und zur [Straße E] mit einer Mauer abgefangen.“ Auf der Mauer erhoben sich Pfeiler einer den Wohnhäusern vorgelagerten Galerie, die den Bürgersteig überdachte. „Das Lauf­niveau lag nahezu 1,50 m höher als das der Straße. […] Die gegen­über­liegende westliche Bebauung befand sich dagegen auf gleicher Höhe mit der Straße“ [Breitner, 82]. Diese Häuser enthielten Räume mit Kies- oder Stampf­lehm­böden, die handwerklich oder gewerblich genutzt wurden, und Wohn­räume mit Estrichen. Westlich davon zur Straße D luxuriöse Peristyl­häuser, vermutlich mehrgeschossig, die in den folgenden Jahrhunderten nicht über­baut, sondern mehrfach reno­viert wurden. Wandmalereien des ausgehenden 1. Jh. blieben teilweise erhalten, andere wurden mehrlagig übermalt [ebd. 83 f.].

Kaiserthermen: Unter dem Westteil der Kaiserthermen „als älteste Spuren Reste von Holzhäusern, Vorratsgruben, Keller und Wasserbecken“ aus der Zeit vor Mitte des 1. Jh. wegen Abweichung vom späteren Straßenraster [K. 123].

St. Irminen: Ab 1. Hälfte des 1. Jh. sind „einzelne frei stehende Fach­werk­häuser mit Holz- und Estrichböden sowie bemalten Innenwänden“ nachgewie­sen [K. 166].

Victorinuspalast: Unter dem Baugrund des Stadttheaters frühe Wohn­be­bau­ung des 1. Jh. [RL 94].

Viehmarktthermen: „Die Häuser der Gründungszeit haben kaum Spuren hinterlassen, da in den dreißiger Jahren [des 1. Jh.] gründlich saniert wurde“ [GW 106], lediglich einige Pfostenlöcher sind nachgewiesen [RL 86]. Es entstanden zunächst Fachwerkhäuser mit lehmverputzten Innenwänden, auf deren Resten „qualitätsvolle Wandmalereien“ erhalten blieben, die heute im Landesmuseum zu bewundern sind. In der Legende einer Abbildung [RL 36, Abb. 4] wird die restaurierte Wandmalerei ins 1. Viertel des 1. Jh. datiert. Eine Generation später wurden die Mauern umgestürzt und Steinhäuser errichtet.

Bauten des 2. Jahrhunderts

Amphitheater: „Die Scherben aus den Schichten unter dem ältesten Laufhorizont reichen bis in das späte 2. Jh. n. Chr., so dass die heute sichtbare Anlage nicht vor diesem Zeitraum entstanden sein kann“ [K. 101]. „Auch der nachträgliche Bau der Stadtmauer auf dem westlichen Zuschauerraum lässt sich innerhalb dieser Schichtenfolge ablesen und ist entsprechend spät zu datieren“ [ebd.]. Neuere Werke bringen „2. Hälfte“ [RL 97] und „letztes Drittel“ [GW 58] des 2. Jh., beide mit Verweisen auf „bei neueren Grabungen (1977–1979)“ gefundene Keramik.

Barbarathermen: „Die Barbarathermen wurden in der zweiten Hälfte des 2. Jh. unter der Herrschaft der antoninischen Kaiser errichtet“ [K. 103]. Der „größte römische Thermenbau nördlich der Alpen“ [K. 103] umfasste „ein Gebiet von vier römischen Wohnblocks (insulae)“ [K. 103, Kursive im Original]. Andere datieren „um die Mitte“ [H. 114] oder „vor der Mitte“ [RL 84] des 2. Jh.

Basilika: Unter der Basilika „ein palastartiges Gebäude mit einem Apsiden­saal“ über der Straße des 1. Jh. und in der Achse der späteren Palastaula. Goethert sieht darin den Palast des kaiserlichen Legaten; die steinernen Reste können unter der Basilika besichtigt werden [GW 152-154].

Dom/Liebfrauen: „Älteste Befunde sind bisher die Rotsandsteinmauern römischer Häuser aus dem 2. Jh.“ [RL 64]

Frauenstraße: Hier wurde ein Keller ausgegraben, in dem mehrere Perioden und Bauphasen identifiziert werden konnten. In der zweiten Phase von Periode 2 wurde der Fußboden um etwa 35 cm erhöht, und in der Nordost- und Südostecke wurden je ein Bauopfer deponiert, von den eines „ein abgegriffenes As des Commodus von 183“ enthielt [K. 66 f.].

Grabung Fleischstraße/Metzelstraße: „Die [Straße E] wurde bis zu 2 m angehoben“ [Breitner, 85]. Die auf der Westseite liegenden Wohn- und Geschäfts­häuser mit kleinen Räumen wurden durch höher gelegene Häuser mit größeren Räumen ersetzt, wobei einige der älteren Mauern weiter genutzt wurden. Das Mauerwerk blieb bis in eine Höhe von 2,50 m erhalten. Der Bürgersteig lag nun auf gleicher Höhe wie der auf der Ostseite und wurde ebenfalls mit einer von Pfeilern getragenen Laubengalerie überdacht [ebd. 85 f.].

Kaiserthermen: Unter dem Westteil der Kaiserthermen Reste zweier großer Stadtvillen und ihrer zwei weiteren Neubauphasen bis Mitte 3. Jh.

Viehmarktthermen: In der 1. Hälfte [RL 86] oder noch vor Mitte des 2. Jh. [GW 107] wurden die Wohnbauten des 1. Jh. einplaniert und durch ein monu­men­tales Gebäude unbekannter Funktion und Nutzung ersetzt. Datie­rung ursprünglich ins 1. Jh. [STA 82] oder um 80, dann eher in die 1 Hälfte des 2. Jh. [K. 228 f.] Die nachgewiesenen Heiz­ein­rich­tungen und Wasser­ab­lei­tungs­­kanäle, die für eine Thermenanlage sprachen, wurden erst nachträglich eingebaut [K. 226]. Die Gestaltung des Bauwerks weist Über­ein­stim­mun­gen mit Thermenanlagen auf und wirft die Frage auf, „ob sich die Planer des Trierer Repräsentationsbaus von diesen Thermen­anlagen anregen ließen“ [K. 227].

Abb. 1: Thermen am Viehmarkt während der Grabungsarbeiten, Blick aus westlicher Richtung [STA 83], links und unten die unter die Thermengebäude reichenden überbauten Wohnhäuser des 1. Jh.

Abb. 1: Thermen am Viehmarkt während der Grabungsarbeiten, Blick aus westlicher Richtung (STA 83), links und unten die unter die Thermengebäude reichenden überbauten Wohnhäuser des 1. Jh.

Bauten des 3. Jahrhunderts

Basilika: Im späten 3. Jh. (bei Frankeneinfällen um 275?) „scheint dieser [unter der Basilika gefundene] Palast zerstört und nach anderem Grund­riss­muster wieder aufgebaut worden zu sein“ [K. 141].

Dom/Liebfrauen: „In den tiefsten Schichten“ unter dem Dom „Spuren eines vornehmen römischen Wohnquartiers“ des 2. und 3. Jh. [K. 116].

Kaiserthermen: In den beiden Stadtvillen unter den Kaiserthermen gibt es zwei weitere Neubauphasen bis Mitte 3. Jh., der prächtige „Mosaikboden mit dem Gespann des Rennfahrers Polydus“ (~250) liegt jetzt im Landesmuseum [H. 117; 278].

Victorinuspalast: Unter dem Baugrund des Stadttheaters lag über früher Wohnbebauung des 1. Jh. ein weiträumig angelegtes Peristylhaus des 3. Jh. Es enthielt einen Mosaikboden (heute im Landesmuseum) mit einer Inschrift des Prätorianer-Tribuns Marcus Pia(v)onius Victorinus, des späteren Kaisers (269–271) des Gallischen Sonderreiches, daher datiert um 260 [RL 94-96].

Abb. 2: „Mosaikboden mit Inschrift des Prätorianer-Tribuns M. Piaonius Victorinus. Um 260 n. Chr.“ [RL 95, Abb. 8g]

Abb. 2: „Mosaikboden mit Inschrift des Prätorianer-Tribuns M. Piaonius Victorinus. Um 260 n. Chr.“ (RL 95, Abb. 8g)

Südliches Gräberfeld: „Unter den Sarkophagen wurde der Rest eines Kalksteinfundamentes dokumentiert, der von einem Grabpfeiler herrühren dürfte. Gemeinsam mit zahlreichen Werkstücken ehemaliger Grabbauten des 1.–3. Jh., die sich in den Einfüllungen zwischen den Bestattungen fanden bzw. als Grabeinfassungen einer erneuten Nutzung zugeführt worden waren, verweisen sie [!] auf Monumente einer Gräberstraße, die wohl ausgangs des 3. Jh. abgebaut wurden“ [K. 179].

„In einem Sarkophag fanden sich zwei Folles des Maximianus sowie Constantius Chlorus, die in den Jahren 294 bzw. 296/97 geprägt worden waren.“ [K. 180]

Vom 1. bis zum 3. Jh. wurden „über 120 Brandgräber“ nachgewiesen [H. 120]. „In der ersten Zeit der Belegung – vom ausgehenden ersten Jh. v. Chr. bis ins 3. nachchristliche Jh. – herrschen Brandbestattungen vor“ [K. 181; 190]. Körperbestattungen beginnen im 2. Jh. und setzen sich vollends im 3. Jh. durch, sind also noch nicht unbedingt christlich, andererseits gibt es auch im 4. Jh. noch Brandbestattungen [H. 200], „Körper­be­stat­tun­gen in verschiedener Form mit zum Teil reichen Grabbeigaben lassen sich dem 3.– 5. Jh. zuwei­sen“ [K. 181; 190].

Warum gibt es so wenige Baudenkmäler des 3. Jahrhunderts?

„In den Wirren der zweiten Hälfte des 3. Jh. wurden die meisten vici und Villen unseres Raumes ein Opfer furchtbarer Zerstörungen. Viele Anwesen, vor allem in den abseitigeren Lagen, wurden danach nicht wieder aufgebaut. Der größte Anteil dieses Verwüstungswerkes geht wohl auf das Konto der Germaneneinfälle, besonders um 275/76. Doch auch die Aufstände der ländlichen Unterschichten (Bagauden […]) und die militärischen Aus­ein­ander­setzungen um das Gallische Sonderreich […] haben gewiß zu diesem Nieder­gang beigetragen.“ [H. 141]

„Erstaunlicher ist jedoch, daß um die Mitte des 3. Jh. auch die Bronze­emissionen Roms im wesentlichen nur noch in Italien und Africa zirkulieren, während die gallischen, germanischen und britannischen Provinzen weit­gehend außerhalb dieses Umlaufes bleiben. Vielleicht darf man diesen Befund mit den Krisen dieser Jahrzehnte und mit einer Verringerung des Fernhandels in Verbindung bringen. Den Höhepunkt der allgemeinen, aber auch der mone­tä­ren Krise leiten die Jahre um 259/60 ein.“ [H. 159]

„Von den Villen des Umlandes sind zahlreiche gebrandschatzt und danach nicht wieder aufgebaut worden.“ [H. 213]

Innerhalb der Stadtmauern Triers wurde aber nur für den Palast unter der Palastaula eine Zerstörung um diese Zeit herum (und ein baldiger Wieder­aufbau) festgestellt, so dass diese Zerstörung sicher nicht in die Stadt ein­fal­len­den Germanenhorden angelastet werden kann, sondern andere Ursachen haben muss. Leider werden wir nicht über die Art und das Ausmaß der Zerstörung unterrichtet.

Gerade aus der Zeit vor und nach den für das Umland so verheerenden Ein­fällen von Germanen und Aufständen im Umland sind aus der Stadt einige überzeugende Beispiele von Bauten archäologisch bezeugt. Diese Zeit ist auch besonders reich an wunderschönen Mosaikböden, von denen viele dank einer Über­bauung im 4. Jh. auch gut erhalten sind. Das Landesmuseum hat zur Ausstellung dieser Böden eigens einen Mosaikensaal geschaffen. Dagegen frappiert das Fehlen an Bauwerken aus der ersten Hälfte des 3. Jh., das weder die Archäologen des Landesmuseums bemerken, noch den Histori­kern der Universität Trier auffällt. Dies ist die Zeit der Severer und der frühen Soldatenkaiser. Möglicherweise gibt es hier bislang unbekannte Parallelitäten, vielleicht handelt es sich aber auch um eine Trierer Besonder­heit, deren Ursache noch einer Klärung bedarf.

Bauten um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert

Dom/Liebfrauen: 275–326 palastartige Wohnanlage unter der östlichen Dom-Vierung [STA 96]. Die Kas­set­tendecke eines Prunksaals mit „qualitäts­vollen Fresken“ mit Eroten, Philosophen und „vier mit Nimbus geschmückten Damen“ [H. 269-275; K. 47-49], also vermutlich Damen des vorchristlichen Kaiserhauses, wurde aus dem Schutt geborgen und restauriert und ist im Bischöflichen Dom- und Diözesan­museum Trier (im Folgenden kurz „Dom­museum“) zu bewundern.

„Im Bereich des Gartens der Kurie von der Leyen entstand gegen Ende des 3. Jh. n. Chr. in einem dieser römischen Wohnhäuser […] ein von Ost nach West gerichteter kleiner Saal (10 × 5,80 m) mit einer nach Westen angebauten Apsis.“ [RL 64; ähnlich GW 182]

St. Irminen: „Hinsichtlich einer zeitlichen Einordnung der Speicheranlagen von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass die südliche Umfassungsmauer einen älteren, wohl privaten Wohnkomplex mit zwei Kelleranlagen und einem hypocaustum überbaut, der nach Aussage zahlreicher Münzfunde im letzten Drittel des 3. Jh. aufgelassen wurde“ [K. 172; Kursive im Original]. „Der nach­gewiesene südliche Abschnitt der Umfassung wurde in den Jahrzehnten um die Wende zum 4. Jh. errichtet“ [K. 173].

Kaiserthermen: Ende 3. Jh. wurde über einplanierten Wohnquartieren des 1./2. Jh. und einem Bad ein großes Thermengebäude errichtet [STA 80]. Funde aus dem Gebäude mit dem Mosaikboden des Polydus bis 2. Hälfte des 3. Jh. „datieren so das Projekt der gewaltigen Thermenanlage in die Zeit nach den Wirren des gallischen Sonderreiches“, eher nach 294 [K. 123 f.].

In den (geplanten) Massageräumen Fußbodenheizung und Verkleidung der Wände mit Hohlziegeln zwecks Wärmedämmung [K. 127] Die technische Aus­stattung mit Bewässerung, Heizung, Entwässerung einschließlich Dach­ent­wässerung ist auf der Höhe der Zeit, „im Vergleich zu den Barbarathermen noch weiter fortgeschritten und großzügiger durchdacht“ [K. 128].

Das Kellergeschoss wurde im Rohbau vollendet, im Osten ist der Bau bis über die erste Fensterreihe hinaus gediehen, dann aber wird „der Baubetrieb […] schlagartig unterbrochen“ [K. 130]. Ein Zusammenhang mit der Verlegung der Kaiserresidenz nach Byzanz (324) wird vermutet [K. 124]. Es wurde unver­brauchtes Baumaterial ausgegraben, Haufen von Ziegelsplitt iden­ti­fizieren es als eindeutig römisch, darüber liegt eine zentimeterhohe Humus­schicht, die als Zeichen für eine länger dauernde Überwucherung mit Unkraut und/oder Überdeckung mit organischen Abfällen gedeutet wird [K. 131]. Die Thermen blieben „unvollendet und wurden wohl nie als Badeanlage in Betrieb genommen“ [H. 278].

Viehmarktthermen: Die Umnutzung zur Badeanlage soll erst im 3. Jh. erfolgt sein, Auflassung und Zerstörung im 5. Jh. [STA 84]. „Ende des 3. oder Anfang des 4. Jh. ist in der jetzt mit Kalksteinplatten gedeckten, im Westen verlaufenden Straße (cardo) ein gemauerter, überwölbter Abwasserkanal angelegt worden. Spätestens zu dieser Zeit wird das Gebäude als Thermen­anlage umgebaut worden sein“ [K. 229; Kursive im Original; s. a. RL 86; GW 109].

Bauten des 4. Jahrhunderts

Amphitheater: Neben Reparaturen im 4. Jh. wurde „ein Mauerwinkel festgestellt […], der nach Münzfunden der 2. Hälfte des 4. Jh. zugerechnet werden muss [RL 97].

Barbarathermen: „Nach den durch die Germanen verursachten Zerstörungen des 3. Jh. sind die Barbarathermen im 4. Jh. wieder aufgebaut worden“ [H. 116]. Goethert widerspricht: „Der Bau war lange in Betrieb [bis ins 5. Jh.] und wurde während dieser Zeit anscheinend kaum verändert“ [GW 77].

Abb. 3: „Die Archäologischen Befunde der Basilika und ihrer Vorgänger­bauten“ (Aula Palatina, 4. Jh., darunter planierte ältere Gebäude) [K. 140]

Abb. 3: „Die Archäologischen Befunde der Basilika und ihrer Vorgänger­bauten“ (Aula Palatina, 4. Jh., darunter planierte ältere Gebäude) (K. 140)

Basilika: Der Palast aus dem späten 3. Jh. wurde im frühen 4. Jh. wieder eingeebnet. An der Stelle der heutigen ,Basilika’, der evangelischen ‚Kirche zum Erlöser’, wurde Anfang des 4. Jh. eine Aula Palatina (Palastaula) etwa gleichen Ausmaßes errichtet. Trotz der vielen Umbauten im Mittelalter und der zwei Neuerrichtungen im 19. und 20. Jh. sind noch (einige wenige) Reste der Mauern und des Außenputzes aus römischer Zeit in situ erhalten [K. 138].

„Für die Datierung berufen sich die Gelehrten normalerweise auf eine präge­frische Münze des Jahres 305 n. Chr., die 1937 im Mörtel einer Mauer der Vorhalle eingebettet gefunden worden war.“ Eine „Reihe der Ziegelstempel von ADIV, ARMO, CAPIO und TAIN“ zeigt „Parallelen zu Funden aus dem Kastell Köln-Deutz“. Dieses stammt „aus der Regierungszeit Konstantins des Großen“ [K. 141], genauer aus den Jahren 307–310 [H. 224 f.], so dass plausibel „eine Errichtung der [Palastaula] etwa um die gleiche Zeit“ ange­nom­men wird [K. 141].

„Die an die umgebenden Portiken im Westen anschließenden Räume erhielten nach Aussage der Fundmünzen im Jahre 330/31 […] ihren Boden. […] der untere Heizboden der Basilika [wurde] ebenfalls nach Aussage der Fundmünzen erst nach 337/41 gegossen“ [GW 151].

Dom/Liebfrauen: Über dem „Raum mit Apsis (Bau 1a)“ vom Ende des 3. Jh. wurde „ein größerer Saal mit Säulenstellungen, gegliedertem Rechteckchor […] (Bau 1b)“ gefunden, die auf 315 datierte SW-Basilika, 326 entstand östlich davon die dreischiffige SO-Basilika [STA 17].

Über dem eingeebneten Wohnpalast unter dem Dom wurden „in der Regie­rungs­zeit Konstantins des Großen“ [K. 117] die NO-Basilika und westlich davon die NW-Basilika errichtet, mit „Säulen aus Odenwälder Granit […], von denen eine als sog. Domstein noch heute vor dem Westportal des Doms zu sehen ist“ [ebd.; Abb. in K. 119; L. 2005, 676]).

„An der Westfront der Südbasilika wurden in einem mit Schutt verfüllten spätrömischen Keller die Reste einer frühchristlichen Glas­macher­werk­statt ausgegraben, die heute im Rheinischen Landesmuseum Trier zu sehen sind“ [K. 119].

Hans-Peter Kuhnen kritisierte den Ausgräber Theodor K. Kempf, der die Dokumentierung schuldig blieb, welche Mauern „tatsächlich beobachtet und welche hypothetisch erschlossen wurden“, und nach welchen Funden datiert wurde [K. 116; ausführlich zitiert in L. 2005, 674].

„Trotz zahlreicher Unklarheiten“ lassen die Funde unter Dom/Liebfrauen eine „bauliche Entwicklung […] in groben Umrissen erkennen [K. 116]: „In den tiefsten Schichten […] Spuren eines vornehmen römischen Wohnquartiers des 2.–3. Jh. n. Chr.“ [ebd.], das im frühen 4. Jh. abgebrochen und planiert wurde, darüber die vier Basiliken.

„[Ü]ber den abgebrochenen Mauern der Osthälfte der nördlichen Basilika“ wurden „die Grundmauern eines aus Rotsandstein mit Ziegeldurchschuss gemauerten Baukörpers von quadratischem Grundriss“, des sog. Quadratbaus, errichtet, sie werden „in das späte 4. Jh. datiert“ [K. 119]. Die spätantiken Mauern des Quadratbaus sind bis auf eine Höhe von 30 m heute noch in situ gut sichtbar, besonders von der Nordseite [dom].

Spuren einer Zerstörung durch Feuer, vermutlich durch einen der Frankenüberfälle im frühen 5. Jh., Wiederaufbau in der Süd-Basilika im 5. Jh., in der Nordbasilika im 6. Jh.

Hiermit ist römische Spätantike (4. Jh.) in mehreren Schichten nachgewiesen:

  1. Wohnpalast im NW, SW-Basilika bis 326,
  2. ab 326 SO-Basilika,
  3. ab 340 NO-Basilika,
  4. ab 364 Quadratbau.

Grabung Fleischstraße/Metzelstraße: In der Spätantike wurden die Häuser westlich der Straße E abermals durch solche mit größeren Räumen (bis zu 56 m2) ersetzt. Auch diesmal wurden ältere Mauern in die Neubauten ein­be­zo­gen. Auf der Ostseite der Straße E ein Gebäude mit Vestibül, beheizten Räumen, Badebecken, Marmor und Stuck sowie einem für Feucht­räume typischen „hydraulischen Ziegelestrich“, vermutlich ein kleines Bad. „Stempel auf den Ziegeln der Heizanlage lassen das Gebäude in das 4. Jh. n. Chr. datieren. Sie benannten eine Ziegelei, die zu den Hauptlieferanten der spätantiken Großbauten Triers gehörte“ [Breitner, 87].

St. Irminen: „Von den spätantiken, um 330 n.Chr. errichteten Horrea ist im barocken Westflügel der nördliche Abschnitt der Außenwand des westlichen Speicherbaus im heutigen Keller, Parterre und teils im Obergeschoss bis zu 8 m Höhe erhalten“ [STA 122].

Wohnquartiere im Bereich der Vereinigten Hospizien sind vom 1. Jh. bis zum Ende des 4. Jh. belegt [STA 17]. „Funde aus den Hofhorizonten belegen eine Nutzung der Anlage bis mindestens in die zweite Hälfte des 4. Jh.“ [K. 173].

Abb. 4: „St. Irminen, römische Horrea“ (Getreidespeicher, 4. Jh.) [STA 123]

Abb. 4: „St. Irminen, römische Horrea“ (Getreidespeicher, 4. Jh.)([STA 123)

Kaiserthermen: In der 2. Hälfte des 4. Jh. „wurde im Zuge eines grund­legenden Umbaus der Hof durch Abbruch des Kaltwasserbades erweitert und wurden an der Nordseite kleinere Thermen als Ersatz angelegt“ [K. 278; STA 82] (vgl. Abb. 5 rechts), vermutlich „eine Art von Kaserne für die kaiserliche Garde der Prätorianer“[K. 133], wobei die Zeitangaben auch leicht differieren: „Fertigstellung und Nutzung als Kaserne […] 375–383“ [RL 81], „spätestens Mitte des 4.“ Jh. [GW 126].

Abb. 5: „Grundrisse der Kaiserthermen; links: erster Bauzustand [~300], rechts: zweiter Bauzustand [2. Hälfte 4. Jh.]“ [H. 277, Abb. 96]

Abb. 5: „Grundrisse der Kaiserthermen; links: erster Bauzustand [~300], rechts: zweiter Bauzustand [2. Hälfte 4. Jh.]“ (H. 277, Abb. 96)

St. Martin: „In der Tat steht – das zeigen die Funde – die Martinskirche in den Fundamenten eines spätrömischen Hauses, das offenbar seit dem ausgehenden 4. Jh. als Grabkirche diente“ [H. 317], „die von Martin, Bischof von Tours, selbst geweiht […] wurde“ [STS 22; 78].

Victorinuspalast: „In einem Raum befand sich ein in der 1. Hälfte des 4. Jh. verlegtes Mosaik“ [RL 96]. In einer angrenzenden Insula fand sich ein Mosaikboden aus der 2. Hälfte des 4. Jh. [RL 94].

Viehmarktthermen: „Die Thermenanlage blieb bis zum Ende des 4. Jh. in Betrieb“ [K. 58].

Nördliches Gräberfeld: Unter St. Maximin Reste eines Coemeterialbaues aus dem 4. Jh., Sarkophage unter den Mauerfundamenten des 10./11. Jh. oder als Mauerfundamente genutzt [eigener Augenschein anlässlich einer Führung]. „Seit Mitte des 4. Jh. existierte ein für Bestattungen vorgesehener Großbau von 65 m Länge und 17 m Breite, in seiner Länge von Westen nach Osten orientiert, wie man seit den jüngsten Grabungskampagnen durch Heinz Cüppers und Adolf Neyses (1978–1993) sagen kann“ [K. 196] (s. Abb. 6, 7).

„Etwa 25 m östlich davor, ungefähr in der Mittelachse dieses Großbaues, bestand ein zweigeschossiger Grabbau, der an eine längere Nord-Südwand angefügt worden war. […] Mit der Erweiterung des großen Coeme­te­ri­al­baues gegen Ende des 4. Jh. wurde der Grabbau nicht alleine in den Gesamt­komplex direkt mit einbezogen. Beiderseits wurden je eine Grab­kammer angefügt, so dass nun eine Flucht von drei Kammern im Osten des Großbaues für diesen einen geraden Abschluss boten [!]“ [ebd.].

„Durch die Erweiterung wurden Grabkammern an dessen Ostseite gegen 400 in den Großbau miteinbezogen. […] Das Laufniveau innerhalb des Großbaues wurde erhöht […] So war gegen Ende des 4. Jh. Raum für ca. 1000 Sarko­phag­bestattungen in dem Großbau westlich von den drei spät­antiken Grabkammern geschaffen“ [K. 198].

Abb. 6: „Ausgrabung in Sankt Maximin. Blick von Westen in das nörd­liche Seitenschiff mit der nörd­lichen Längsfront des Großbaues seit der Mitte des 4. Jh. und der Erweiterung des späten 4. Jh. im Osten“ [K. 195]

Abb. 6: „Ausgrabung in Sankt Maximin. Blick von Westen in das nörd­liche Seitenschiff mit der nörd­lichen Längsfront des Großbaues seit der Mitte des 4. Jh. und der Erweiterung des späten 4. Jh. im Osten“ (K. 195)

Abb. 7: „Grabung im südlichen Seitenschiff von St. Maximin 1985“ [Dahm 44]

Abb. 7: „Grabung im südlichen Seitenschiff von St. Maximin 1985“ (Dahm 44)

In der Moltkestraße fand man 1953 rund 100 Skelettgräber, die meisten in Steinsarkophagen, und eine Grabkapelle mit Vorhalle im Osten und Apsis im Westen. „Sämtliche Gräber sind christliche Bestattungen aus dem 4. Jh.“ [STS 86].

Unter und bei der heutigen Kirche St. Paulin sind Reste einer Grab­basilika nach­ge­wiesen [H. 336]. „Die Krypta unter dem Chor [der Barockkirche] […] geht auf die Anlage des 4. Jh. zurück und erhielt ihre heutige Form wohl im 11. Jh.“ (mitsamt Sarkophag des hl. Paulinus) [STS 40].

Grabdenkmäler des 2. und 3. Jh. sind auf beiden Gräberfeldern bereits zu Beginn des 4. Jh. abgebaut worden, einige ihrer Fundamente sind von Sarkophagen überdeckt. „Reliefverzierte Steinquader sind für Körperbestattungen in Wiederverwendung ausgehöhlt worden“ [K. 191], teilweise wohl auch nach Neumagen zur Erbauung des dortigen Kastells transportiert worden.

Südliches Gräberfeld um St. Eucharius / St. Matthias: „Über ihren Gräbern [der Bischöfe Eucharius und Valerius] entstand im 4. Jh. an der Stelle der heutigen Matthiasbasilika eine Coemeterialkirche, die ihrerseits weitere christ­liche Bestattungen anzog. Im Laufe der folgenden drei Jahrhunderte sind in unmittelbarer Nähe mehr als fünftausend Sarkophage in die Erde eingelassen worden“ [H. 283].

Abb. 8: „Spätantike Bestattungen in Steinsarkophagen und schlichten Erdgräbern im Bereich des Abteivorplatzes“ (St. Matthias) [RL 137, Abb. 26d]

Abb. 8: „Spätantike Bestattungen in Steinsarkophagen und schlichten Erdgräbern im Bereich des Abteivorplatzes“ (St. Matthias) (RL 137, Abb. 26d)

„Von den jüngeren in Plattengräbern und Holzsärgen beigesetzten Bestattungen enthielten mehrere Münzbeigaben oder Trachtbestandteile, mit deren Hilfe sie der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts zugewiesen werden können“ [K. 180]

Ein Stück weiter in der Medardstraße mehr als 1000 Brandgräber, Grab­bauten und Sarkophage des 1. bis 4. Jh. [STS 156]

Kann man die Baubefunde des 4. Jahrhunderts dem 3. Jahrhundert zuweisen?

Es gibt bislang keine einzige Grabung, in der Funde aus allen Jahrhunderten übereinander gefunden wurden, aber wo immer in Trier und seinem Umland Funde aus auf­ein­ander­ fol­gen­den Jahrhunderten gefunden wurden, lagen die aus dem 2. über denen aus dem 1., die aus dem 3. über denen aus dem 2., die aus dem 4. über denen aus dem 3., so wie man es für eine ordentliche Stratigraphie erwartet. Die in Trier vorgefundenen Teile dieser Stratigraphien wurden oben unter den Stichwörtern „Basilika“, „Dom/Liebfrauen“, „Grabung Fleischstraße/Metzelstraße“, „St. Irminen“, „Kaiserthermen“, „Victorinuspalast“ und „Viehmarktthermen“ beschrieben. Soweit die Schich­ten durch Münzen datiert wurden, die ihrerseits historiographisch datiert sind, bestätigen die Schichten die relative historiographische Chrono­logie dieser vier Jahrhunderte. Damit kann die von Heinsohn zwar nicht durch­gehend behauptete, aber durchaus nahegelegte Parallelität des Zeitraums von 0–-300 mit dem von 300–600 oder gar die explizit behauptete Parallelität von Augustus und Constantin [2011, 432] unzweifelhaft zurückgewiesen werden: Die Münzen Constantins liegen über Schichten des 3. Jh., diese an einigen Stellen über Schichten des 2. Jh., diese an mehreren Stellen über Schichten des 1. Jh.!

Wir gewinnen damit sogar eine 8. Datierungsmethode, die Datierung nach dem verwendeten Baumaterial:

Man kann mit Mörtel gefugte Natursteinwände an Hand des verwendeten Mörtels als römisch (mit Ziegelsplitt) oder nach-römisch (ohne Ziegelsplitt) erkennen. Aber auch zwischen der früheren (0–275) und der späteren (nach 275) Kaiserzeit gibt es deutliche Unterschiede. Baute man in der früheren Kaiserzeit gerne in Naturstein fugenlos mit bleigeschützten Eisenklammern (Pfeiler der Römerbrücke, Porta Nigra), gemörtelt und mitunter mit Ziegelreihen durchschossen nur in Privatbauten wie in den Vorgängerbauten der Viehmarktthermen, wurde in der späteren Kaiserzeit auch bei öffentlichen Bauten vermehrt auf Ziegel gesetzt, im gemischten Verbund (zwei bis drei gemörtelte Lagen Naturstein gefolgt von zwei bis drei gemörtelten Lagen von Ziegeln) wie im Quadratbau im Dom, teilweise auch in den Kaiserthermen, dort aber Bogenbereiche nur mit Ziegeln, oder der ganze Bau (bis auf ein Schmuckgesims aus Natursteinen) in Ziegeln mit Ziegelsplittmörtel wie die Palastaula, gegründet auf einem Fundament aus Gussmauerwerk (opus caementicium) sowie letztendlich auch die vorher nicht übliche Verwendung von Spolien [Hinweise in H. 275 f.; 308].

Gibt es eindeutig christliche Funde aus dem 4. Jahrhundert?

In der südlichen Nekropole um St. Matthias sollen die frühen Trierer Bischöfe Eucharius (nach 250) und Valerius (2. Hälfte 3. Jh.) begraben worden sein, in der nördlichen die Bischöfe Agricius (auch Agritius, 312–389), Maximin (329–­­348) und Paulinus (346–358). Der 3. Bischof Triers, Agricius, zählte zu den Unterzeichnern der Konzilsbeschlüsse des Konzils von Arles im Jahr 314 [H. 227; 332]. Begräbnisstätten einflussreicher Trierer in der Nähe „ihrer“ Bischöfe im 4.–5. Jh. werden zu Keimzellen der späteren Abteien [K. 51 f.]. Die Umbettung der Bischöfe Eucharius und Valerius durch Cyrillus um 450 in dessen an der Stelle einer angeblichen „cella Eucharii“ erbauten Kirche (s. u.), von der die Gesta Treverorum um 1100 berichten [Becker, 3], mag man für eine um diese Zeit erfundene Legende halten, denn die „Vita dieser Bischöfe ist sehr spät (9. Jh.[?]) und legendär ausgestaltet“ [ebd.]. In ottonischer Zeit wurde der Coe­me­te­ri­al­bau unter St. Maximin durch einen Kirchenneubau ersetzt., „im Osten schuf man eine Innenkrypta, in die 942 u.a. die Gräber der Bischöfe Agritius, Maximin und Nicetius [525­–566] transferiert wurden“ [STS 82]. Der Coe­me­te­ri­al­bau unter St. Paulin soll eine unter Bischof Felix (386–398) erbaute Mari­en­kirche gewesen sein, in deren Krypta er die Gebeine seines in der Verbannung in Phrygien verstorbenen Vorgängers Paulinus (347–358/59) bestatten ließ [STS 36]. Dort wollen „die Kanoniker von St. Paulin in der nach diesem Bischof benannten Kirche im Jahre 1072 den Sarkophag des Paulinus […] wieder­gefunden haben“ [H. 335]. Diese Transfers und die wunderbare Wie­der­­auf­findung mögen ähnlich fromme Erfindungen ihrer oder späterer Zeiten sein wie das 1127 berichtete Auffinden der „Gebeine des Apostels Matthias“ während der Bau­arbeiten für die Abteikirche [STS 134] und die Ansicht Meise­geiers bestärken, dass die Patrozinien erst in diesen späten Zeiten erfunden wurden [2010, 637].

So berichtet Heinen, dass die Legende vom Martyrium, das „Mitglieder der Thebäischen Legion sowie Christen der Stadt Trier“ unter dem „grausamen Präfekten Rictiovarus“ erlitten haben sollen, „erst im Mittelalter“ entstanden ist [H. 330]. Den in Trier überlieferten Maternus, der 314 als Bischof von Köln bezeugt ist, müsse man „aus der Trierer Bischofsliste streichen“ [H. 331], und auch die Tradition in Bezug auf Agricius beruhe „auf mittelalterlichen Fälschungen und Phantasieprodukten“ [H. 332]. Maximin aber wird von Athanasius erwähnt, der nach seiner Absetzung als Bischof von Alexandria nach Trier verbannt war (336/37) [H. 333]. „Daß Maximinus in der nördlichen Nekropole Triers in der nach ihm benannten Kirche beigesetzt worden ist, wird bereits von Gregor von Tours im 6. Jh. glaubwürdig bezeugt (Historiae VIII 12)“ [H. 334].

Ob man nun die Coemeterialbauten in den Trierer Nekropolen als früh­christ­liche Kirchenbauten ansieht oder deren christlichen Charakter bestreitet, jedenfalls scharen sich im Laufe des 4. Jh. mehr und mehr Grab­legen von Christen um die vermuteten Bischofsgräber, und später entstanden genau an diesen Stellen die Abteien St. Matthias im Süden, St. Maximin im Norden und die Kirche St. Paulin.

Abb. 9: „Noah-Sarkophag“ mit der Taube [H. 283, Abb. 102]

Abb. 9: „Noah-Sarkophag“ mit der Taube (H. 283, Abb. 102)

Woran erkennt man christliche Gräber? Im Laufe des 2. Jh. wurde die Sitte der Brandbestattung nach und nach durch eine Sargbestattung ersetzt [H. 200]. Neben dem Indiz der Beigabenfreiheit, die natürlich auch als Beleg schierer Armut angesehen werden könnte, gibt es handfeste Belege: Grabinschriften mit dem Christusmonogramm, Reliefs mit Errettungsszenen auf Sarko­phag­deckeln oder –seitenwänden wie ‚Noah begrüßt die zurückkehrende Taube mit dem Ölzweig im Schnabel’, „die Jünglinge im Feuerofen, Daniel in der Löwengrube, Jonas und der Wal sowie die verhinderte Opferung Isaaks durch Abraham“ [H. 283, Legende zu Abb. 102]. Ein „Sechsstrahlenstern“ dagegen dürfe nicht als Christogramm gedeutet werden, sondern „ist Christen wie Heiden geläufig“ [H. 307, Legende zu Abb. 111].

„Unterstrichen wird die dominierende Stellung der Christen im spätantiken Trier […] vor allem auch durch die dort gefundenen zahlreichen christ­lichen Inschriften. Mit über neunhundert Epitaphien überflügelt Trier bei weitem alle anderen Städte des gallisch-germanischen Raumes“ [H. 285].

Von diesen über 900 Inschriften sind

„aber drei Viertel in einem so fragmentarischen Zustand, daß sie keine befriedigende Interpretation gestatten. Von den verbleibenden 237 In­schrif­ten vermag eine Kennerin wie N. Gauthier knapp 50 in das 4. Jh. zu datieren; selbst davon könnten noch einige in das frühe 5. Jh. gehören. In absoluten Zahlen ist die Ausbeute also gering, doch sie ist groß im Vergleich mit anderen Städten Galliens, ganz zu schweigen von Köln und Mainz“ [H. 340].

Heinen datiert die Inschriften in den Zeitraum „4. – 8.“ Jh. [H. 317; 319].

Abb. 10: ‚Griechisch-lateinische Grabinschrift für den „Orientalen“ Ursikinos’ [H. 266, Abb. 87]

Abb. 10: ‚Griechisch-lateinische Grabinschrift für den „Orientalen“ Ursikinos’ (H. 266, Abb. 87)

„Die marmorne Inschrifttafel stammt von der Nekropole St. Maximin in Trier-Nord und gibt sich durch das Christogramm sehr schön als christliches Zeugnis zu erkennen.“ [H. 265]

Den Text übersetzt Heinen als: „Hier ruht in Christus [ΧΡΩ] Ursikinos, er lebte mehr oder weniger 29 [ΚΘ] Jahre“ [ebd.]. Der lateinische Text „qui vixit an(nos) XVIIII, d.h. ‚der 19 Jahre lebte’“ wird als Versehen des Steinmetzen gedeutet. ‚Anatolikos’ wird mit ‚Orientale’ über­­setzt, da das Wort sich nicht auf das heutige Anatolien, sondern „auf die Diözese Oriens (Anatole) im östlichen Reichsteil, also auf Syrien und seine Nachbargebiete“ [ebd.] beziehe. Der Text ist sicher der Römerzeit nach Diocletian zuzuordnen, also dem 4. Jh., vielleicht dem späteren 4. Jh.

Der „Sarkophag mit der Darstellung Adams und Evas, des guten Hirten und der drei Jünglinge im Feuerofen“, der als Grablege des Agricius oder seines Nachfolgers Maximin gilt, „ohne daß dies wirklich beweisbar wäre“ [H. 332], ist spätantik und christlich. Auch der Paulinus zugeschriebene Sarkophag ist spätantik und enthält einen Holzsarg aus Zedernholz (undatiert) mit christ­lichen Darstellungen auf den Beschlägen (Sündenfall Adams und Evas, Auf­erweckung des Lazarus) und passt „gut in das ausgehende 4. Jh.“ [H. 336].

Abb. 11: Frühchristliche Grabinschrift der „Sucaria Castimonialis“ mit Christus­monogramm (Chi-Rho, ΧΡ) und Tauben, „die Bezeichnung »Castimonialis« (»die Keusche«) wird als Hinweis auf eine Nonne inter­pre­tiert“ [K. 54]

Abb. 11: Frühchristliche Grabinschrift der „Sucaria Castimonialis“ mit Christus­monogramm (Chi-Rho, ΧΡ) und Tauben, „die Bezeichnung »Castimonialis« (»die Keusche«) wird als Hinweis auf eine Nonne inter­pre­tiert“ (K. 54)

Constantin der Große war zweifellos kein Christ. Sicher scheint aber nach allen Quellen zu sein, dass Constantin sich zusammen mit Licinius dem Toleranzedikt des Galerius [wiki/Toleranzedikt des Galerius; /Mailänder Vereinbarung] angeschlossen hat. Die materiellen Befunde in den Gräberfeldern belegen, dass in der Zeit danach der Anteil der Christen an den Verstorbenen ständig zunahm, wie auch unter den Constantin folgenden Kaisern.

Ob nun die Doppelbasilika unter Dom und Liebfrauen bereits als Doppel­kirche geplant war oder wie der von ihr überbaute palastartige Prunkbau genutzt werden sollte, steht dahin. Abschließende Grabungs­publikationen sind nicht erschienen, wie Heinen und Kuhnen mehrfach bedauern [z.B. H. 268 f.]. Ich erkenne aber in der mir vorliegenden Literatur keinen Beleg für eine Fertigstellung der gesamten riesigen Anlage, allenfalls der Südbasilika, so dass ich annehme, dass die Errichtung ebenso abge­bro­chen wurde, wie es für die Kaiserthermen belegt ist. Die vom Ausgräber Kempf vermutete Nutzung eines steinernen Podestes als Memoria für den Heiligen Rock (die Tunica Christi) ist für diese Zeit verfrüht. Mit dem Wieder­aufbau der Nordbasilika unter den zweifellos christlichen Kaisern Valentinian und Gratian wird dagegen bereits die Bischofskirche errichtet worden sein, die sie laut schriftlichen Zeugnissen seitdem durchgehend gewesen ist, denn andernfalls hätte man Spuren einer Umnutzung finden müssen. Die mit diesem Wiederaufbau zeitgleichen Graffiti von Pilgern in der Südbasilika zeigen deutlich eine frühchristliche Nutzung zur Römerzeit an. Dass dort zu jener Zeit die Tunika Christi verehrt wurde, wie Kempf wiederum aus einem steinernen Podium erschlossen haben will [H. 269], darf bezweifelt werden – die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1196 [wiki/Heiliger Rock], die erste Wallfahrt zum Heiligen Rock fand gar erst 1513 statt [ebd.].

Abb. 12: „Frühchristliche Graffiti auf dem Verputz einer Chorschranke unter der Liebfrauenkirche“ [K. 120]

Abb. 12: „Frühchristliche Graffiti auf dem Verputz einer Chorschranke unter der Liebfrauenkirche“ (K. 120)

Die Rekonstruktion einer als Chorschranke gedeuteten Trennmauer unter Lieb­­frauen, „auf deren Wand­putz sich viele frühchristliche Pilger durch Ritz­inschriften verewigten“ [K. 119] trägt zweimal eine Aufschrift mit einem Namen gefolgt von „VIVAS IN DEO (ΧΡ) SEMPER“, und ist im Dom­museum zu besichtigen. Unabhängig von einer Datierung liegt hier ein Nachweis frühchristlicher Nutzung des Gebäudes unter der Liebfrauenkirche in römischer Zeit vor.

Auffallend ist, dass das Christentum dieser Epoche sich mit einer ande­ren Symbolik schmückt als das Christentum des Mittelalters; das Kreuz scheint gänzlich unbekannt.

Gibt es eindeutig heidnische Funde aus dem 4. Jahrhundert?

Das Mithräum im Altbachtal wurde bis Ende des 4. Jh. benutzt. [H. 186; 191-193], überhaupt der gesamte heidnische Tempelbezirk im Altbachtal; auch im Lenus-Mars-Tempel am Irminenwingert reichen die Münzfunde „mindestens bis Gratian“ [H. 344].

Heidnische Grabinschriften sind im 4. Jh. bereits selten: „Erstaunlich ist dagegen die verschwindend geringe Zahl heidnischer Grabinschriften des 4. und 5. Jh. in Trier“ [H. 285]. Die einzige Abbildung, die ich gefunden habe, war allerdings nicht einem heidnischen Römer gewidmet, sondern (in Latein mit Fehlern) einem Germanen, dem jung verstorbenen Burgunder Fürstensohn Hariulfus, der als kaiserlicher General­stabs­offizier gedient hatte [H. 325, Abb. 122; 326]. Denkbar ist, dass frühere Ausgräber manche Inschriften nur deshalb ins 3. statt ins 4. Jh. datierten, weil sie nicht christlich waren, sondern heidnische Widmungen wie „Dis Manibus“ („den göttlichen Manen“) ent­hielten; so lässt sich ein Hinweis von Heinen deuten [H. 352].

Heinen zeigt [346 f., Abb. 115a, b] die vermutlich gezeichneten Abbilder zweier Glasschalen, die beide „1. Hälfte 4. Jh.“ datiert werden. Die eine zeigt „Herkules im Kampf mit dem libyschen Riesen Antaeus“, also eine Szene aus der heidnischen Mythologie, die andere zeigt „die verhinderte Opferung Isaaks durch Abraham“, also eine biblische Szene. „Beide Schalen (a und b) zeichnen sich durch die gleiche Schraffurtechnik aus und stammen vielleicht aus der gleichen Werkstatt“, vermutlich aus Köln.

Szenen aus vorchristlichen alten Mythen findet man auch auf Mosaiken, etwa auf dem sog. Ledamosaik, das auf Grund des Grabungsbefundes sowie stilistischer Kriterien in das spätere 4. Jh. datiert wurde: „im Rahmen eines von Musik und Tanz begleiteten Festmahls“ wird zwischen Leda und Agamemnon „die Geburt der Drillinge Castor, Pollux und Helena aus einem Ei“ dargestellt [H. 359-361].

Auch die Praxis des Schadenszaubers auf Verfluchungstäfelchen aus Blei scheint mit der Christianisierung nicht sofort aufgehört zu haben. Von den im Arenakeller des Amphitheaters gefundenen Täfelchen werden noch einige „sicher“ ins 4. Jh. datiert [H. 364].

„Das Christentum war auch im 4. Jh., gerade im Westen, vorwiegend noch eine Religion der Städte. Die ländlichen Bezirke, die pagi, waren dagegen Rückzugsgebiete der heidnischen Kulte (pagani = Heiden, franz. Païens)“ [ebd.].

„Im Umland Triers sind manche Tempelbezirke bereits bei den Germaneneinfällen um 275/76 zerstört bzw. definitiv aufgegeben worden. […] Andere heidnische Stätten wurden dagegen, wie die Münzreihen zeigen, noch Ende des 4. bzw. in den ersten Jahrzehnten des 5. Jh. besucht: das Marsheiligtum auf dem Martberg bei Pommern, Möhn in der Nähe der Römerstraße Trier – Bitburg, der Kultbezirk bei der Villa von Fließem/Otrang (nahe bei Bitburg), das gallo-römische Heiligtum in Pelm bei Gerolstein.“ [H. 344]

Auch „der gallo-römische Tempelbezirk von Steinsel-Rëlent auf einem Plateau über dem Alzettetal nördlich der Stadt Luxemburg“ hat sich gemäß der Münzfunde „gerade in der zweiten Hälfte des 4. Jh. ganz besonderen Zulaufs erfreut“ [H. 364] .

„Im späteren 4. oder beginnenden 5. Jh. haben Christen oder Germanen den paganen Kulten im Altbachtal ein Ende bereitet: Viele Fundstücke  zeigen Spuren mutwilliger Zerstörung.“ [H. 186 f.]

Bauten des 5. Jahrhunderts

Amphitheater: Im Keller des Amphitheaters kamen „mehrere kostbare Werke frühchristlicher Kleinkunst des 5.– 8. Jh. zum Vorschein“ [K. 101].

Die Barbarathermen wurden vom 2. bis ins 5. Jh. genutzt [STS 132] „So wird – wie […] Einschwemmungen in dem Abwassersystem der Barbarathermen belegen – der Badebetrieb in den öffentlichen Thermen während der ersten Hälfte des 5. Jh. aufgegeben“ [K. 79]. „Scherbenfunde beweisen, dass die Barbarathermen bis ins 5. Jh. hinein offensichtlich ihren Badebetrieb aufrecht erhalten konnten“ [K. 103]. Goethert sieht die Umbauten im 5. Jh., als die Bevöl­kerung vor den Überfällen der Germanen „Schutz hinter den meter­dicken Mauern“ suchte [GW 78], aus der sich eine kleine Siedlung entwickelte [Goethert auch in RL 84]. Die gefundene Keramik wird auch ‚Barbara­ther­men­ware’ genannt.

Dom/Liebfrauen: Wiederaufbau in der Süd-Basilika [K. 121]

Grabung Fleischstraße/Metzelstraße: „Nach der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert fehlen Anhaltspunkte für eine flächige Besiedlung“ [Hupe 90]. „Nachantike Baubefunde werden auf dem Gelände erst ab dem Hoch­mittel­alter fassbar“ [ebd. 91].

St. Irminen: „Zahlreiche Umbauten belegen eine Siedlungsabfolge mit zum Teil erheblichen Umnutzungen bis in die erste Hälfte des 5. Jh.“ [K. 168], Keller werden „bis in das beginnende 5.“ Jh. genutzt [K. 169].

Kaiserthermen: „So wird – wie keramikdatierte Verfüllungen in den Bedie­nungskellern der Kaiserthermen […] belegen – der Badebetrieb in den öffent­lichen Thermen während der ersten Hälfte des 5. Jh. aufgegeben“ [K. 79].

Viehmarktthermen: vom 3. bis ins 5. Jh. genutzt [STA 84].

Nördliches Gräberfeld: vom 1. bis zum 5. Jh. belegt [STS 92].

Südliches Gräberfeld: Es gibt „kaum differenzierte Grabungsbefunde des späten 4. und 5. Jh.“ [K. 57], aber Begräbnisstätten um St. Maximin und St. Matthias „erblühen gerade in dieser Zeit“ (im frühen 5. Jh.) [K. 58], die „dort zu sehenden Objekte stammen aus dem 3. – 5. Jh. n. Chr., also aus der Endphase der antiken Nutzung“ [K. 181]. „Die Zahl von 4000–5000 Stein­sarko­phagen verdeutlicht die Häufigkeit und Dichte der Beisetzungen“ [K. 181].

„Eine [nur] urkundlich überlieferte Bauinschrift aus der Mitte des 5. Jh., die an der Wand der Krypta [von St. Matthias] zu lesen ist, spricht von einer Altarweihe zu Ehren der beiden Gründerbischöfe [Eucharius und Valerius] […] Neben der literarischen Überlieferung bezeugen Funde frühchristlicher Schrankenplatten die Existenz einer Kirche des 5. Jh. an diesem Ort“ [K. 185 f.].

„Eine urkundlich [sieh da!] überlieferte Bauinschrift aus der Mitte des 5. Jh., die an der Wand der Krypta [von St. Matthias] zu lesen ist, spricht von einer Altarweihe zu Ehren der beiden Gründerbischöfe [Eucharius und Valerius]“ [K. 185]. „Neben der literarischen Überlieferung bezeugen Funde früh­christ­licher Schrankenplatten die Existenz einer Kirche des 5. Jh. an diesem Ort“ [K. 186].

Von einer „bis heute erhalten[en] Weihinschrift“ [STS 134] kann zwar keine Rede sein, aber für Schrankenplatten ist bislang keine heidnische Verwendung bekannt, so dass der Kirchenbau als plausibel anzunehmen ist.

Warum gibt es so wenige Baudenkmäler aus dem 5. Jahrhundert?

„Für den Zeitraum von etwa 200 Jahren nach der Mitte des 5. Jh. sind die archäologischen Zeugnisse zu Trier äußerst spärlich“ [K. 80]. Wie am Befund zu sehen ist, sind die archäologischen Zeugnisse zu Trier bereits seit Ende des 4., Beginn des 5. Jh. „äußerst spärlich“. Der Wieder­aufbau in der Süd-Basilika erscheint als Solitär inmitten einer Bauwüste. Die gefundenen „Werke frühchristlicher Kleinkunst“ wie auch die 5.000 Stein­sarkophage stehen in seltsamem Kontrast zu den fehlenden Bauten, so dass zu vermuten ist, dass das vorhandene Material auf die Jahrhunderte gestreckt wurde, wie „3.–5. Jh.“, um schließlich mit „5.–8. Jh.“ wenigstens noch einen Teil der Phantom­zeit abzudecken.

Bauten des 6. Jahrhunderts

Dom/Liebfrauen: Wiederaufbau in der Nord-Basilika. Bischof Nicetius (526/7–561) ließ „italische Bauleute“ nach Trier kommen, „die noch in antiker Technik zu arbeiten verstanden. So wurden statt der zer­bor­stenen Granitsäulen an alter Stelle etwa gleichgroße Säulen eines römischen Tempels mit entsprechenden Kapitellen aufgestellt und die Bogen­kon­struk­tio­nen mit antikem Material erneuert“ [GW 187, ähnlich bereits in L. 2005, 676, mit Verweisen auf STA 96; Ronig, 6 f.]. Die genannten Spolien-Säulen wurden 989/90 unter Erzbischof Egbert mit kreuzförmigen Pfeilern ummantelt [Ronig, 7; GW 188].

St. Martin „wurde durch den Trierer Bischof Magnerich (566/69 – 587) erneuert und dem heiligen Martin geweiht“ [H. 317].

St. Maximin: Im 6. Jh. eingebauter Ambo in Coemeterialbasilika unter St. Maximin [K. 80].

St. Medard: Eine spätantike christliche Grab- und Kultstätte wurde als Krypta der Mitte des 6. Jh. errichteten Kirche St. Medard verwendet [STS 146]; ein spätantiker Mosaikfußboden und eine frühchristliche Grabinschrift wurden bei einer Ausgrabung gefunden [STS 156].

Reste der Kirchenneubauten in St. Martin und St. Medard wurden ergraben; die Datierung erfolgte aber rein historiographisch nach den Gesta Treverorum aus der Abtei St. Matthias, die ab 1105 geschrieben wurden. Nach den Gesta sollen insgesamt 18 namentlich aufgezählte Kirchenbauten vor 700 existiert haben. Von diesen sind spätantike Vorgängerbauten von Dom und Lieb­­frauen nachgewiesen, letzterer mit eindeutig christlicher Nutzung, ebenso die ebenfalls spätantiken, von frühchristlichen Gräbern umgebenen Coemeterialbasiliken als Vor­gän­ger von St. Eucharius / St. Matthias, St. Maximin, St. Paulin und die Gebets­stube unter der Klosterkirche St. Martin. St. Symphorian wurde „völlig zerstört“ durch die Normannen 882 [STA 20] und bleibt ohne Spuren. Bei einigen Kirchen wurde bisher nicht nach­ge­graben, bei anderen konnten die Ausgräber nachweisen, dass die ältesten als Kirchen anzusprechenden Bauwerke am Platz unzweifelhaft nach der Spät­antike und vor der Romanik erbaut wurden. Leider datierten die früheren Ausgräber voreilig historiographisch, entweder nach den Gesta oder nach heute meist als gefälscht angesehenen dagobertinischen Urkunden – und heutige Historiker zitieren dennoch die Datierung, weil man lieber eine falsche als gar keine Datierung hat. Und leider ignorierten die früheren Ausgräber Befunde, die für eine archäologische Datierung möglicherweise hätten von Nutzen sein können.

Umso mehr erscheinen hier die Baumaßnahmen des Nicetius und seiner „italischen Bauleute“ wiederum als Singularitäten. Bisher konnte ich nicht ermitteln, aus welcher Quelle die „italischen Bauleute“ stammen. Aber es gibt den Bericht, und es gibt die Säulen.

Gab es nun eine Spätantike in Trier?

„Als die Moselhauptstadt im Rahmen der diokletianischen Reformen Verwal­tungsmetropole und Kaiserresidenz wurde, begann ein umfassendes Auf­bauprogramm, das den Kern der Stadt tiefgreifend verändern sollte“ [H. 266]. Dieses Aufbauprogramm ist nicht nur von Panegyrikern (Lobrednern) beschrieben worden, sondern hat sich massiv in der Erde materialisiert und ist teilweise heute noch deutlich sichtbar: Kaiserthermen (mit späterem Umbau und Umnutzung), Palastaula, Doppelbasilika, die großen Speicherhallen (Horrea) am Moselufer. Ausgrabungen haben gezeigt, dass diese Bauten mit Aus­nahme der Horrea auf einplanierten Vorgängerbauten der voraus­ge­gan­genen Jahrhunderte errichtet wurden, die bis ans Ende des 3. oder gar bis in den Beginn des 4. Jh. genutzt wurden. Mit den heute sichtbaren Resten der darauf folgenden Bau­maß­nahmen konnte gezeigt werden, dass das 4. Jh. architektonisch bestens bezeugt ist.

Für das 5. und 6. Jh. ist das Ergebnis keineswegs klar. Hier wird noch zu prüfen sein, wie viele Jahrhunderte die den Zeiten von 400 bis etwa 950 zugewiesenen Bauten belegen können.

War die Spätantike in Trier christlich geprägt?

„Jenseits des Nord- und Südtors dehnten sich entlang der Ausfallstraßen große Nekropolen aus, die im Laufe des 4. Jh. zunehmend christliche Züge erhiel­ten“ [H. 266 f.]. „Heidnische Grabinschriften des 4. Jh. fehlen fast vollständig in Trier, während sie vom 1. bis 3. Jh. zu Hunderten erhalten sind. […] Mit Gewißheit dürfen wir annehmen, daß die Mehrheit der Stadtbevölkerung Triers in der 2. Hälfte des 4. Jh. christlich war“ [H. 340].

Also ist die Antwort eindeutig ja, unabhängig davon, ob Coemeterialbauten als Kirchen gedeutet werden dürfen oder nicht. Orte der Andacht, mög­licher­weise auch für Heiden, aber zunehmend auch für Christen, waren sie allemal.

Literatur

Becker, Petrus (1999): St. Eucharius – St. Matthias. Geschichte der Abtei von ihren Anfängen bis zur Gegenwart; in Germania Benedictina; St. Ottilien, IX: 902-937

Breitner, Georg (2007): Trier, Grabung Fleischstraße/Metzelstraße. Ent­wick­lung eines römischen Stadtviertels; in Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier, Heft 39; Rheinisches Landesmuseum Trier, 78-88

Dahm, Lambert (2004): Trier. Die mittelalterliche Stadt in Bildern. The Medieval City in Pictures (zweisprachig); Trier

dom = http://www.treveris.com/dom.htm

G. = Gilles, Karl-Josef (1996): Das Münzkabinett im Rheinischen Landesmuseum Trier. Ein Überblick zur trierischen Münzgeschichte; Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier, Nr. 13; Trier

GW = Goethert, Klaus-Peter / Weber, Winfried (22010): Römerbauten in Trier; Edition Burgen, Schlösser, Altertümer, Rheinland-Pfalz, Führungs­heft 20; Regensburg

H. = Heinen, Heinz (1996, 52002): Trier und das Trevererland in römischer Zeit; 2000 Jahre Trier, Hrsg. Universität Trier, Band 1; Trier

Heinsohn, Gunnar (2011): Ist die Spätantike eine Phantomzeit?; in ZS 23(2) 429-456

Hupe, Joachim (2007): Trier, Grabung Fleischstraße/Metzelstraße. Einblicke in ein mittelalterliches Stadtquartier; in Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier, Heft 39; Rheinisches Landesmuseum Trier, 89-99

K. = Kuhnen, Hans-Peter (2001, Hrsg.): Das römische Trier; Führer zu den archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 40; Stuttgart

L. = Lewin, Karl-Heinz (2005): Dom und Liebfrauen zu Trier, 1.690 Jahre Architekturgeschichte? (Trier I); in ZS 17 (3) 670-680

– (2006): 2.000 Jahre Trier – was blieb übrig? Eine Untersuchung der Baudenkmäler (Trier II); in ZS 18 (2) 453-496

Meisegeier, Michael (2010): Frühchristlicher Kirchenbau – zu früh (I). Rom, Jerusalem, Bethlehem, Konstantinopel; in ZS 22 (3) 612-639

– (2011): Frühchristlicher Kirchenbau … zu früh (Teil 3): Tebessa, Syrien, Frankenreich; in ZS 23 (3) 551-580

meisegeier = http://www.m-meisegeier.homepage.t-online.de/Rom.htm, ent­hält alle drei von Michael Meisegeier in ZS veröffentlichten Teile

NE = Neyses-Eiden, Mechthild (2005): Holz erzählt Geschichte. Dendro­chrono­logische Forschungen zwischen Mosel und Hunsrück; Schriften­reihe des Rheinischen Landesmuseums Trier, Nr. 29; Trier

RL = Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg., 2005): Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission; Schriften­reihe des Rheinischen Landesmuseums Trier, Nr. 31; Trier

Ronig, Franz (1982): Der Dom zu Trier; Königstein im Taunus

STA = Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg., 2001): Stadt Trier. Altstadt; Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, hg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege, bearbeitet von Patrick Ostermann; Worms

STS = Direktion Landesdenkmalpflege (Hrsg., 2009): Stadt Trier. Stadterweiterung und Stadtteile; Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.2, hg. im Auftrag des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur von der General­direktion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, bearbeitet von Ulrike Weber; Worms

wiki = http://de.wikipedia.org/wiki/